Analyse

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So funktioniert die Hetze in den sozialen Netzwerken

Besonders auf Facebook machen sich Menschen mit einer rechten Gesinnung breit.
Besonders auf Facebook machen sich Menschen mit einer rechten Gesinnung breit.
Julian Stratenschulte

„Das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen.” Diesem Satz begegnet man mittlerweile oft bei Diskussionen auf Facebook und ähnlichen Plattformen. Die Grenze zwischen Meinungsfreiheit und Beleidigungen wird dabei oft überschritten.

Man braucht nur Sekunden, um bei Facebook über unglaubliche Beschimpfungen, Schmähungen, Verleumdungen und Verunglimpfungen zu stolpern. Besonders bei jenen, die vorgeben, das christliche Abendland verteidigen zu wollen, finden sich Umgangsformen, die jedem zivilisierten Menschen fremd sind.

„Lieber ein Rassist denn ein gehirngefickter Bahnhofklatscher!”, rülpste beispielsweise noch bis vor Kurzem Michael Habel* in einem der Kommentare auf der Seite des AfD-Landesverbandes. Und Gerd Popall* hetzte: „Der eine wählt solche Leute, die aus Nordafrika kommen und alle, die nicht bis drei auf den Bäumen sind, vögeln, und die anderen wählen eben die AfD.”

Häufig zeigt sich eine starke Islamfeindlichkeit

Neben der Fäkalsprache sind Unterstellungen und Herabsetzungen das Grundgerüst solcher Verbalattacken. Eckhard Bartnick* beispielsweise beschimpfte Moslems einfach mal als „Musels” und Karsten Bernbacher* Muslima als „Schleiereulen”. Claudia Pollmanns* beschränkt sich hingegen auf „Pack”. Die Einträge fanden sich bis zu einer Anfrage unserer Zeitung bei der AfD im Netz. Neuerdinngs werden alle Wähler die nicht ihr Kreuzchen bei der AfD gemacht haben, beschimpft: „Nun gut – nur noch DUMME folgen den Kartell-Parteien! Aber wir haben eben 80 Prozent DUMME in Deutschland  ...”, schreibt Bernd Reichert*.

AfD-Landeschef Leif-Erik Holm räumte ein, dass Beschimpfungen nicht hinnehmbar seien. Man arbeite daran, das Problem zu lösen, so der Fraktionsvorsitzende.

Debatten werden bewusst emotionalisiert

Dabei ist es immer das gleiche Prinzip: Erst werden diffuse Stimmungen aufgegriffen, dann Sündenböcke benannt und die politische Debatte so emotionalisiert, dass eine sachliche Diskussion unmöglich wird. Versprochen werden einfache Lösungen für komplexe Probleme. Gezielte Tabubrüche helfen, sich von den „abgehobenen Altparteien” abzugrenzen. Schließlich entsteht das Bild eines Kartells von Lügnern und dem „Volk”, das die Wahrheit ausspricht.

Jeder, der diesen Wahrheiten nicht folgen will, gehört natürlich auch nicht zum Volk, so die Logik der Hetzer und Propagandisten.

(*Facebook-Namen)