1000 INFIZIERTE

So hart hat das Corona-Virus MV tatsächlich getroffen

In MV haben sich jetzt mehr als 1000 Menschen mit dem Coronavirus angesteckt. Wie begann die Corona-Krise im Nordosten? Wann gab es die meisten Infektionen? Welcher Landkreis ist der „gefährlichste”?
Im März wurden in Mecklenburg-Vorpommern 16 Testzentren für Corona-Verdachtsfälle installiert, in denen Patient
Im März wurden in Mecklenburg-Vorpommern 16 Testzentren für Corona-Verdachtsfälle installiert, in denen Patienten Proben aus dem Auto abgenommen wurden. Zudem waren 10 mobile Teams im Land unterwegs. Archivbild Jens Büttner
Corona-Infektionen in MV seit März 2020.
Corona-Infektionen in MV seit März 2020. Nk-Grafik
Neubrandenburg.

Der Stand der Dinge

Mit Stand Donnerstag haben sich in Mecklenburg-Vorpommern 1001 Personen mit dem Coronavirus angesteckt. Davon sind mittlerweile nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts 936 von einer Covid-19-Erkrankung genesen. Im Vergleich zu anderen Bundesländern hat MV aber immer noch die mit Abstand niedrigsten Fallzahlen.

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In Nordrhein-Westfalen haben sich knapp 58.000 Bürger mit dem Virus infiziert, in Bayern gut 56.000, in Baden-Württemberg fast 41.000. In Mecklenburg-Vorpommern mussten 132 Personen in Krankenhäusern behandelt werden, 22 davon auf Intensivstationen. Mit 20 Sterbefällen hat der Nordosten auch die bundesweit niedrigste Zahl an Corona-Toten zu beklagen. Zum Vergleich: In Bayern starben 2.635, in NRW und Baden-Württemberg jeweils mehr als 1.800 Menschen.

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Der erste Tag

Es war ein kalter Dienstagabend Anfang März, als die Meldung vom ersten Corona-Infizierten in Mecklenburg-Vorpommern die Runde machte. Im Landkreis Vorpommern-Greifswald wurde ein Ehepaar, das zuvor einen Kongress in Baden-Württemberg besuchte, positiv auf Corona getestet und umgehend isoliert. Etwa zeitgleich wurde das Virus bei einem 50-Jährigen aus dem Raum Stralsund festgestellt. Auch er musste sich in Quarantäne begeben.

Das Schweriner Gesundheitsministerium richtete eine Telefonhotline ein, das Bildungsministerium unterrichtete Kitas und Schulen über das konkrete Vorgehen in einem Corona-Verdachtsfall. Noch im März wurden in Mecklenburg-Vorpommern 16 Testzentren für Corona-Verdachtsfälle installiert, in denen Patienten Proben aus dem Auto abgenommen wurden. Zudem waren 10 mobile Teams im Land unterwegs. Die Zentren wurden zum 30. Juni aufgrund der deutlich gesunkenen Nachfrage nach Tests wieder geschlossen.

Die Folgewochen

Mecklenburg-Vorpommern war bis Anfang März eines der letzten corona-freien Bundesländer, danach folgten nur noch das Saarland und Sachsen-Anhalt. In den ersten beiden März-Wochen ergriff eine regelrechte Corona-Panik Europa und die Welt. Innerhalb von nur wenigen Tagen wurden Großveranstaltungen aller Art abgesagt, Bundesliga und Champions League eingestellt, die Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Spiele verschoben, in vielen Betrieben gingen die Arbeitnehmer ins Homeoffice, Schulen und Kitas wurden bundesweit geschlossen.

Nach jeder „Tagesschau” gab es eine Corona-Sondersendung. Während anfänglich noch die Infektionszahlen und die Auswirkungen auf die nationalen Gesundheitssysteme die Hauptthemen waren, wandelte sich dies bereits Ende März, als immer mehr Betriebe in Kurzarbeit gingen und Geschäfte, Banken, Restaurants, Friseurbetriebe und Fitnessstudios geschlossen waren.

Die Menschen bekamen es auf einmal nicht mehr nur mit der Angst um ihre Gesundheit, sondern auch um ihre wirtschaftliche Zukunft zu tun, strenge Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen verunsicherten die Menschen zusätzlich. Die ersten Hilfsprogramme für Unternehmen wurden aufgesetzt, anschließend ging es mit Konjunkturprogrammen weiter.

Der Tag mit den meisten Infektionen

Ende März erreichte die Corona-Epidemie in Mecklenburg-Vorpommern ihren vorläufigen Höhepunkt. Am 31. März, genau vier Wochen nach dem ersten bekannten Corona-Fall im Land, vermeldeten die Behörden 50 Neuinfektionen. Damit wurden die bisherigen Rekordtage mit 43 beziehungsweise 42 Neuinfektionen am 18. März und 27. März übertroffen.

Danach flachte das Infektionsgeschehen ab. Am 7. April wurden noch einmal 35 Infektionen gemeldet, anschließend blieb die Zahl der Neuansteckungen monatelang fast immer im einstelligen Bereich. An einigen Tagen gab es gar keine Meldungen. Im April wurden die Corona-Auflagen bundesweit langsam gelockert. Mecklenburg-Vorpommern, das ein striktes Einreiseverbot verordnete, öffnete im Mai seine Pforten für Urlauber.

Viele Touristen, die nun nicht nach Griechenland, Spanien oder die Türkei reisten, nahmen das Angebot wahr. Ende Juli stieg die Zahl der Infektionen wieder: Seitdem gab es sechs Tage, an denen eine zweistellige Zahl gemeldet wurde, der Sommer-Höchststand liegt mit 18 Ansteckungen am 24. Juli allerdings immer noch deutlich unter den März-Zahlen.

Der Tag mit den meisten Toten

Nach den für MV relativ hohen Ansteckungszahlen im März gab es im April auch die ersten Todesopfer im Nordosten. Am 11. und 12. April starben jeweils vier Personen an Covid-19, so viele wie bisher an keinem anderen Tag. Ansonsten starb immer nur maximal eine Person an dem Virus. Seit dem 5. Mai gab es im Nordosten keine Corona-Toten mehr zu beklagen.

Der Tag mit den wenigsten Infektionen

Zwischen März und heute gab es viele Tage, an denen sich in MV gar keine Bürger mit dem Virus infizierten. Bis Ende Mai war dies immer nur an vereinzelten Tagen der Fall, was auch an den Meldewegen zwischen den Behörden gelegen haben kann. Im Sommer allerdings entspannte sich das Infektionsgeschehen deutlich.

Zwischen dem 3. und dem 14. Juli meldeten die Gesundheitsämter nicht eine einzige Neuansteckung. Viele wähnten das Virus schon besiegt. Doch Ende Juli gingen die Fallzahlen wieder hoch. Seitdem gab es nur drei Tage, an denen keine Neuinfektionen gemeldet wurden – sie fielen alle auf Wochenendtage.

Der „gefährlichste” Landkreis

Vorpommern-Greifswald ist mit 166 Corona-Fällen den Zahlen nach der „gefährlichste” Landkreis Mecklenburg-Vorpommerns. Es folgen die Hansestadt Rostock (143), der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte (142) und der Landkreis Ludwigslust-Parchim (138). Weniger Fälle gab es in der Landeshauptstadt Schwerin (119), in Vorpommern-Rügen (106), in Nordwestmecklenburg (99) und im Landkreis Rostock (85).

Auch bei der Zahl der Toten liegt Vorpommern-Greifswald mit sieben vorn. In der Mecklenburgischen Seenplatte und in Rostock starben jeweils drei, in Vorpommern-Rügen, Ludwigslust-Parchim und der Hansestadt Rostock jeweils zwei Personen. Der Landkreis Nordwestmecklenburg beklagte einen Corona-Toten und in der Landeshauptstadt Schwerin starb noch niemand am Virus.

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Kommentare (1)

...wurde MV lediglich durch die Summe aller Maßnahmen hart getroffen! Sicherlich haben die dazu beigetragen, dass das Infektionsgeschehen so sehr abgeflacht wurde, doch das subjektive Gefühl überwiegt.