Wer mit einem Tablet oder anderen digitalen Hilfsmitteln in der Schule arbeiten will, braucht eine entsprechend gut ausgestatt
Wer mit einem Tablet oder anderen digitalen Hilfsmitteln in der Schule arbeiten will, braucht eine entsprechend gut ausgestattete Anbindung. Britta Pedersen
Erschreckende Zahlen: Hagen Reinhold (FDP).
Erschreckende Zahlen: Hagen Reinhold (FDP). Bernd Wüstneck
Digitalisierung

So hat MV die Schulen beim schnellen Internet vergessen

Schnelles Internet und Mecklenburg-Vorpommern – immer noch treffen dabei zwei Welten aufeinander. Aktuelle Zahlen lassen gerade für die Schulen schlimmes befürchten.
Schwerin

Trotz der immer wieder von Politikern aller Parteien viel beschworenen hohen Bedeutung von digitalen Bildungsangeboten ist die Situation in MV erschreckend: Während in den größeren Städten noch etwa jede dritte Schule über wirklich schnelles Internet von mehr als 1000 Mbit pro Sekunde verfügt, sind es in den Landgemeinden gerade einmal 12,7 Prozent. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Hagen Reinhold aus Rostock hervor.

„Schnelles Internet entscheiden für Chancengleichheit”

„Gleichzeitig sind in eben diesen ländlichen Räumen etwa 17 Prozent noch nicht einmal mit einer 16 Mbit-Leitung angeschlossen. Der ländliche Raum und seine Schulen sind bei der Digitalisierung vergessen worden“, sagt der Liberale. Auch in den Kleinstädten sehe die Situation nicht wesentlich besser aus. Das veraltete Ausbauziel der MV-Landesregierung von 50 Mbit erreiche eine von vier Schulen in den Kleinstädten nicht, in den Landgemeinden sei es jede Zweite, so der FDP-Politiker.

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Für Reinhold ist klar: „Es muss jetzt mehr getan werden, um den Breitbandausbau voranzutreiben. Dass von rund 745 Millionen Euro bewilligten Bundesmitteln nur rund 10,5 Millionen den Weg nach MV gefunden haben, zeigt, dass sich die Landesregierung stärker um die Mittel bemühen muss.“ Die Verfügbarkeit schnellen Internets sei entscheidend für die Chancengleichheit in unserem Bildungssystem und ein Kernelement des Aufstiegsversprechens.

Koalitionspartner ist frustriert

In dem Zusammenhang kritisierte Reinhold die Landesregierung, dass sie nur schleppend das Geld aus dem mit fünf Milliarden Euro prall gefüllten Digitalpakt des Bundes abrufe. Kritik, die auch der eigene Koalitionspartner innerhalb der MV-Regierung äußert. „Wir müssen unsere Schulen endlich aus der Kreidezeit holen – je beherzter, desto besser“, ätzte Marc Reinhard, CDU-Bildungsexperte und Koalitionspartner von SPD-Bildungsministerin Bettina Martin.

Auch Reinhards Fraktionskollege Daniel Peters blies zur Attacke: „Monat um Monat verteidigt MV eisern seinen letzten Platz bei der Digitalisierung des Schulwesens. Ich kann es mir nur so erklären, dass es in MV eine Prioritätsverschiebung gibt in Richtung PR – erst am Wochenende wieder hat es bei Einschulungsfeiern entsprechende Shows von Regierungsmitgliedern gegeben.“ So sehr er den Wunsch nachvollziehen könne, Schulen als Bühne zu nutzen: Wenn die Bühne morsch sei, müsse man sich nicht wundern, wenn es irgendwann im Gebälk zu knistern beginne, so Peters.

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