SEX IN CORONA-ZEITEN

So heiß sind Deutsche jetzt auf Kondome

Die Deutschen horten nur Toilettenpapier und Nudeln? Stimmt nicht, sagt Kondomhändler Jan Vinzenz Krause. Die Lust am Sex ist hierzulande trotz Coronavirus sogar gestiegen.
Von wegen Klopapier-Hamstern. Die Nachfrage von Kondomen sei enorm gestiegen, sagt Kondomhändler Jan Vinzenz Krause.
Von wegen Klopapier-Hamstern. Die Nachfrage von Kondomen sei enorm gestiegen, sagt Kondomhändler Jan Vinzenz Krause. Heike Thissen
Hegau.

In Zeiten der Corona-Pandemie horten die Franzosen Kondome, die Spanier plündern die Weinregale und die Deutschen? Sie kaufen stapelweise Klopapier. Ganz Europa lacht im Netz über die Langeweiler zwischen Alpen und Ostsee.

Doch Jan Vinzenz Krause kann das nicht nachvollziehen. Denn seine Zahlen sagen nämlich ganz etwas anderes. „Die eignen sich, den Nationalstolz der Germanen wiederherzustellen“, sagt der 42-Jährige, der in Greifswald Betriebswirtschaft studierte und jetzt in Hegau an der deutsch-schweizerischen Grenze einen einen gut gehenden Onlinehandel für Präservative betreibt.

Homeoffice befördert offenbar Kondom-Verkauf

Seit die Deutschen angehalten seien, im Homeoffice zu arbeiten und zuhause zu bleiben, steige der Verkauf von Kondomen kontinuierlich, sagt Krause. Nach zwei Wochen der häuslichen Isolation konstatiert er ein Plus bei Bestellungen von rund 40 Prozent. „Was unsere Lust am Sex angeht, sind wir Deutschen besser als unser Ruf!“

Auch in normalen Zeiten konnte sich der Chef der Unternehmensgruppe Vinergy nicht beklagen. „Die Deutschen haben ein genauso großes sexuelles Verlangen wie andere Nationalitäten auch“, sagt er. Und Krause muss es wissen, denn er ist schon seit Jahren im Geschäft. Schon als 17-Jähriger hatte er im Wahlkampf für Rudolf Scharping Kondome verteilte, die er damals als Zumutung empfand,. „Ich hatte mich gefragt, warum Präservative eigentlich so schlecht sitzen und ihrem Träger damit den Spaß an der Lust verhageln.“

Das Problem mit der Größe ...

Denn fast jedes im Handel angebotene Präservativ sei seinerzeit in der Standardgröße von 52 Millimetern angeboten worden. Dabei wisse doch jeder, dass das beste Stück eines jeden Mannes größenmäßig gesehen ganz unterschiedlich ausfalle. „Es ist doch ganz einfach wie bei den Schuhen auch“, erkannte Krause.

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Da war die Idee vom Kondom nach Maß geboren. Er bastelte eine Art Maßband für jedermann und entwickelte ein Sortiment von Größe 45 bis 69 Millimetern. Dann tingelte er durch die Diskotheken, sprach mit potentiellen Kunden, beriet sie und schaltete die Webseite www.kondomberater.de, die binnen weniger Wochen in ganz Deutschland bekannt wurde.

Corona-Krise beflügelt Absatz

Heute, ein Vierteljahrhundert später, beschäftigt Krause längst nicht mehr seine Mutter und Großmutter für den Versand der Kondome. Insgesamt 15 Mitarbeiter in Singen und im Hegau sorgen dafür, dass die Vinergy-Unternehmensgruppe mit ihren Marken wie MySize oder Mister Size Präservative in sieben Größen an den Mann bringt.

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Mit Erfolg: Vor wenigen Tagen erst hat er bei seinen Produzenten in Malaysia mehrere Millionen Kondome nachbestellt. Allein in der zweiten Woche der Corona-Kontaktsperre hat seine Firma mehrere Tausend Lieferungen an private Kunden verschickt – die Sendungen an Händler in ganz Europa, die die Präservative in ihren Onlineshops vertreiben, nicht mit eingerechnet.

In Zeiten von Corona hat der Geschäftsführer sogar weitere Mitarbeiter eingestellt, um der ständig steigenden Nachfrage Herr zu werden. Der Vertrieb läuft auf Hochtouren und wegen der Ansteckungsgefahr unter erhöhten Sicherheitsauflagen. Und was machen die Deutschen mit den online bestellten Kondomen? „Sicher nutzen sie sie schneller und mit mehr Vergnügen als die Vorratsberge von Toilettenpapier“, sagt Krause.

 

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Kommentare (1)

Ich denke, hier irrt der Autor. Kondome sind sehr wohl Hamstergut. Sie eignen sich hervorragend als Tauschmittel, da sie klein, einzeln verpackt und immer benötigt werden.
Was den Nachschub aus Malaysia angeht, wäre ich mir nicht so sicher, dass der georderte Nachschub auch in nächster Zeit ankommt.
Die Fabriken dort, welche für ca 20 % der weltweiten Kondomproduktion zuständig ist, wurde nach fast 2 wöchiger Pause, erst letzte Woche mit ein Bruchteil ihrer Kapazität wieder in Betrieb genommen.

https://www.tagesanzeiger.ch/jetzt-werden-die-kondome-knapp-409169227001