EINE MILLION FANS

So ist Nadinebreaty zum Star bei TikTok geworden

Nadinebreaty hat etwas geschafft, wovon viele Menschen in ihrem Alter träumen: Sie hat ihr Leben als Influencer zum Beruf gemacht. Im Interview spricht sie über ihre Erfahrungen mit TikTok und Instagram, über Botschaften, die ihr wichtig sind und über den Hass, den es im Internet gibt.
Nadinebreaty hat mehr als eine Million Fans bei TikTok. Im Interview erzählt sie, wie sie das geschafft hat.
Nadinebreaty hat mehr als eine Million Fans bei TikTok. Im Interview erzählt sie, wie sie das geschafft hat. Nadinebreaty/NK-Grafik
Rostock ·

Nadinebreaty kommt aus Mecklenburg-Vorpommern und hat mit ihren Videos bei TikTok inzwischen mehr als eine Million Fans erreicht. Auch in ihren Insta-Storys erzählt die 22-Jährige viel über sich, zeigt ihre Wohnung und ihren Alltag. Trotzdem legt sie großen Wert auf ihr Privatleben. So ist zwar bekannt, dass sie in Rostock lebt, doch woher genau sie kommt, will sie nicht verraten.

Nadine spricht da aus Erfahrung, es gab schon Menschen, die private Informationen von ihr verbreitet haben. Das gehört dazu, wenn ihr in sozialen Netzwerken wie Instagram oder TikTok unterwegs seid: Ihr müsst selbst entscheiden, was ihr über euch und andere Menschen öffentlich machen wollt, und was nicht.

Mit dem Nordkurier hat Nadinebreaty über ihr Leben als Influencerin gesprochen.

Wann hast du das Leben als Influencer zum Beruf gemacht?

Ich mache das erst seit zwei Monaten beruflich. Davor hatte ich ganz normal gearbeitet.

Womit verdienst du nun dein Geld?

Meistens schreiben mich Firmen an, für die ich Produkte bewerben soll und dann kann ich mir dazu eine Videoidee überlegen, wie ich das vermarkten kann. Zum Beispiel durfte ich für Ahoi-Brause mit Pyrotechnik arbeiten. Damit habe ich dann Storys und ein TikTok hochgeladen. Es sieht alles nach sehr wenig Arbeit aus, aber meistens arbeitet man dann fünf Tage durch von morgens bis abends, damit das dann steht. Meistens entstehen solche Kooperationen sehr spontan und dann muss es schnell gehen.

Du hast schon in einem anderen Beruf gearbeitet und hast den Vergleich: Arbeitest du jetzt mehr oder weniger?

Ich muss da erst mal noch reinkommen. Ich würde aber sagen, dass ich weniger und flexibler arbeite. Ich hatte vorher immer eine 40-Stunden-Woche, musste am Wochenende arbeiten und das war nicht sehr vorteilhaft für mich. Gerade weil ich ja als junger Mensch auch etwas vom Leben haben will und so habe ich viel verpasst. Deswegen ist das jetzt für mich ein kleiner Traum, den ich leben kann.

Ist das auch ein Traum, auf den du hingearbeitet hast, oder wie bist du dazu gekommen?

Ich hätte nicht gedacht, dass ich das so schnell erreiche, aber es war schon immer ein Traum von mir. Weil man dadurch Freiheiten hat, die man als normaler Arbeitnehmer nicht hat.

Du hast jetzt bei TikTok 1,2 Millionen Follower, das ging rasant. Hat dich das überrascht?

Ich hab mir das nie vorgenommen. TikTok ist da sehr unberechenbar. Die Reichweite kann über Nacht so schnell wachsen, dass man da gar nicht mithalten kann. Bei mir ging das dann sehr fix auf einmal.

TikTok pusht manche Videos total. Manche werden einem gar nicht angezeigt. Es ist außerdem schwierig, weil TikTok regional arbeitet. Wenn man zwei Wochen im Ausland ist, dann ist man zwei Wochen unsichtbar. Ich war zum Beispiel zuletzt in den Niederlanden und dann gab es keinen Zuwachs. Das ist dann immer schade, aber damit muss man rechnen.

Du bist schon lange im Netz unterwegs und hast auch Erfahrungen mit Hass und Mobbing gemacht. Davon hast du vor vier Jahren in einem Video auf YouTube berichtet. Ist das immer noch ein Problem für dich?

Mittlerweile hat sich das alles erledigt. Ich war damals in der Schule und es war Pubertät. Alle haben auf den anderen herum gehackt und dadurch hatte sich das so aufgebauscht. Mittlerweile sind wir alle erwachsen und wenn sich jemand hasst, dann entfolgt man sich oder man hat kein Kontakt mehr. Damals, in der Schule, ging das leider nicht, man hing aufeinander.

Hast du Tipps, wie man als Jugendliche mit solchen Kommentaren umgehen sollte?

Ich würde, wenn ich als junges Mädchen irgendwelchen Hass auf meinem Account sehe, das einfach kurz und schmerzlos blockieren. Selbst wenn die Leute einem dann nachhängen, dass man ja keine Kritik abkönnen würde. Da ist totaler Quatsch. Wir haben alle unser eigenes Leben und man muss sich so etwas nicht antun. Das ist auch keine Kritik, sondern Hate. Ich glaube, die Leute, die so etwas schreiben, die haben einfach viel zu viel Zeit und sollten sich lieber selbst mit sich auseinandersetzen als mit den Leuten, die sie so sehr hassen.

Wenn jemand meint, mit Hass aufzufallen oder weil er seine komische Meinung vertreten muss, dann blockiere ich auch ohne da jetzt groß zu diskutieren.

Glaubst du, dass das Problem mit Hass im Netz größer geworden ist?

Bei mir nicht unbedingt, aber ich glaube das ist größer geworden. Ich glaube, dass gerade jüngere Menschen einfach keine größere Hürde mehr darin sehen, jemanden zu beleidigen, weil ihnen das andere so vormachen. Es gibt ja auch nicht nur liebe und nette Influencer, es gibt ja auch viele, die einfach nur der Meinung sind, andere zu beleidigen. Und das gucken sich dann die anderen ab. Und ich glaube, dass dadurch die Hemmschwelle kleiner geworden ist.

Wann hast du das erste Mal gemerkt, dass du bekannt geworden bist durch das, was du bei Instagram und TikTok machst?

Ich wurde früher immer schon so ein bisschen erkannt in Berlin und jetzt wird es immer öfter. In Rostock werde ich nicht so oft erkannt. Anfang des Jahres hat mich eine Stewardess erkannt und hat mir eine Cola ausgegeben, weil sie mich von TikTok kannte. Das fand ich ganz lustig. Sowas kommt auch mal vor.

Gehst du manchmal auch nicht raus, weil du nicht erkannt werden willst?

Ich achte darauf, wo ich langgehe. Ich würde nicht um 15 Uhr in Rostock allein durch die Innenstadt laufen. Es gibt echt liebe Menschen, die einen ansprechen und ein Foto machen und das mache ich auch total gerne. Aber es gibt auch blöde Leute, die mir Kommentare hinterherrufen. Oder heimlich Fotos von mir machen. Das brauch ich nicht. Wenn ich der Sache aus dem Weg gehen kann, dann mache ich es auch.

Ich achte darauf, dass man nicht mitbekommt, wo ich hingehe oder wo ich mich öfters aufhalte oder wo ich wohne. Damit das alles geheim bleibt. Es gibt leider auch ein paar Menschen, die ein bisschen gruselig sind. Von denen ich irgendwelche obszönen Videos und E-Mails bekomme. Da wird eine Grenze überschritten. Deswegen passe ich da auf.

Es wurden auch Fake-Profile über dich angelegt.

Das ist traurig und schade, weil sich viele etwas daraus erhoffen oder denken, ich bin mit ihnen befreundet. Und dann finden sie diese Accounts und sind enttäuscht und das verstehe ich auch. Aber ich kann denen trotzdem nicht das bieten, was die von mir erwarten, weil wir keine Freunde sind. Deswegen ist es traurig, dass manche Leute glauben, solche Accounts anlegen zu müssen, um andere Menschen zu verarschen.

Gibt es Fans, die glauben, sie seien mit dir befreundet?

Manche überschreiten die Grenze und denken, wir haben eine tiefgründige Beziehung und ich sende Signale. Das ist dann schon krankhaft. Soetwas gibt es aber leider auch.

Ich würde niemals auf Instagram sagen: „Ich liebe euch so sehr und wir sind alle so dicke miteinander.“ Weil das einfach nicht so ist. Man muss die Distanz bewahren.

Ich bin sehr dankbar, weil mir meine Follower viel ermöglicht haben. Das auf jeden Fall. Ich lerne meine Follower auch gerne kennen. Aber ich würde niemals sagen, dass ich sie von Herzen liebe. Ich kenne ja viele gar nicht persönlich.

Einige schreiben in den Kommentaren, sie seien verliebt.

Ja, ich glaube das ist eher umgangssprachlich gemeint. Das schreiben manche Jugendliche einfach so hin. Andere schreiben mir das aber tatsächlich als Nachricht, was ich dann schon sehr übertrieben finde.

Produzierst du deine Videos alle alleine?

Eigentlich produziere ich alles alleine. Es gibt auch ab und zu Fotografen, die mich fotografieren, damit ich Content produzieren kann, aber das kommt vielleicht so einmal im Monat vor.

Hast du dir das alles selbst erarbeitet?

Ja. Ich habe meine eigene Reichweite und habe mir alles selbst erarbeitet.

Es gibt verschiedene Gruppen auf TikTok, in denen sich Influencer gegenseitig unterstützen. Sie machen was gemeinsam, pushen sich gegenseitig und bekommen dadurch mehr Follower. Bei mir ist das so eine Sache: Ich wohne in Rostock. Hier ist eigentlich niemand, den man von TikTok kennt. Es ist einfach schwierig, sich mit Leuten, etwa aus Frankfurt zu connecten. Auch nach Berlin sind es drei Stunden Fahrt.

Hast du vor, deswegen wegzuziehen?

Das könnte vielleicht passieren.

Warum hattest du plötzlich so viele Kommentare auf Koreanisch unter einem Video auf TikTok?

Bella Poarch ist momentan sehr gehyped auf TikTok und ich habe diesen Trend nachgemacht. Das machen momentan viele Leute. Ich hatte zunächst vergessen, sie zu markieren, weil sie diesen Trend ja erfunden hatte. Deswegen hatte ich ihren Namen noch einmal in die Kommentare gesetzt mit einem Herzen.

Das Problem an der Sache ist: Sie hat ein Tattoo am Oberarm, was sich gegen die Menschen aus Korea richtet. Sie wusste nicht, dass es das symbolisiert und sie will es sich jetzt auch wegmachen lassen. Aus diesem Zusammenhang heraus sind plötzlich ganz viele Koreaner wütend auf mich geworden, weil ich Bella Poarch markiert habe. Obwohl ich wirklich nichts gegen Korea habe!

Ich verstehe es nicht, warum sich die Leute so viel zusammenspinnen und das auf mich projizieren, obwohl das ja nicht mein Fehler ist. Ich habe sie ja nur als Person markiert, weil ich einen Trend übernommen habe, den sie erfunden hat.

Ich sehe schon, dass manche Leute das dann komisch finden, wenn ich sie markiere. Aber sie hat selbst schon um Entschuldigung gebeten für den Fehler, aber sie wird deswegen immer noch gehatet.

@nadinebreatyi

Haha lol It‘s harder than it looks! ✨

♬ The Banjo Beat, Pt. 1 - Ricky Desktop

Hast du dein Video deswegen gelöscht?

Auf keinen Fall! Die sollen sich gerne dort auslassen. Wenn ich das Video lösche, dann wird es ein anderes sein. TikTok ist eine internationale Plattform, auf der viele Kulturen aufeinander treffen. Bei mir persönlich sind 40 Prozent meiner Follower aus Deutschland.

Wie stehst du zu politischen Botschaften in deinen Videos?

Es kommt darauf an. Ich bin schon jemand, der gerne Dinge anspricht. Ich habe mal auf Videos reagiert, in denen es um eine Babyklappe ging. Influencer meinten, sich darüber lustig machen zu müssen, dass es so etwas gibt. Dann habe ich erklärt, wofür Babyklappen da sind und dass das eigentlich eine tolle Sache ist. Ich habe auch schon Beiträge für die LGBTQ-Community gemacht oder für „Black lives matter“. Da haben wir zusammen mit vielen Influencern gearbeitet.

Ich nehme mir da eigentlich nicht viel vom Mund und sage es dann auch. Die Community nimmt nicht immer alles gut auf, aber das ist dann auch nicht meine Intention. Hauptsache, einer spricht mal darüber. Das machen leider viele TikToker zu wenig, was ich sehr schade finde. Sie könnten mit ihrer Reichweite eigentlich vieles erreichen, trauen sich aber nicht, etwas zu sagen, weil sie Angst haben, dann von ihren Followern gecancelt zu werden.

Und diese Angst hast du nicht?

Nicht wirklich. Weil es immer weitergeht. Ich dachte ja bei Instagram auch eine Zeit lang, dass ich gecancelt bin. Aber man muss einfach weitermachen, dann geht es auch weiter.

Um was geht es in deinem nächsten Video?

Es geht um den „Schu, Schnecke wie geht’s“-Trend und darum, dass das einfach catcalling ist. Das ist mir persönlich auch schon oft passiert. „Schnecke” klingt ja wie „Schatzi” und ich finde es nicht okay, dass es als normal empfunden wird, jemandem so etwas hinterher zu rufen. Darum geht es in diesen Videos. Da wird schon früh Kindern gezeigt, dass das kein Problem ist. Aber es ist ein Problem.

Wahrscheinlich meinen die Jungs, die jetzt solche Videos produzieren, das nicht einmal böse, aber sie hatten wahrscheinlich auch noch nie ein Problem mit sexueller Belästigung.

Danke für das Gespräch!

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Rostock

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