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So klappt es mit den Vorhaben

55 Prozent der Deutschen haben sich vorgenommen 2015 mehr Sport zu treiben.
55 Prozent der Deutschen haben sich vorgenommen 2015 mehr Sport zu treiben.
Julian Stratenschulte

Während viele im Überschwang der Silvesterparty mutig Vorsätze fürs nächste Jahr fassen, rät Diplompsychologe Siegfried Dumlupinar eher davon ab. Mit ihm sprach Robert Kiesel.

Viele Menschen fassen gerade zu Silvester gute Vorsätze, Sie nicht. Warum?

Weil normalerweise bestimmte Ereignisse dafür sorgen, dass man an Änderungen von Verhaltensweisen denkt. Oft braucht es persönliche Betroffenheit. Das muss nicht immer das eigene Schicksal sein, es kann auch etwas sein, wovon man Zeuge wird. Zu Silvester gehört für mich eher der Rückblick als die Vorausschau.

Ein guter Vorsatz ohne konkreten Anlass macht also keinen Sinn?

Ein chinesisches Sprichwort sagt: Wenn Du die Zukunft ändern willst, musst Du in die Vergangenheit gucken. Wenn ich etwas anderes will, dann muss ich etwas anders machen, als ich das früher gemacht habe. Das kann ja auch etwas Positives sein.

Selbstreflektion als erster Weg zum Vorsatz. Was braucht es noch?

Ein guter Vorsatz bedingt immer, dass man etwas ändern will. Um etwas zu ändern, muss man das Prinzip der Selbstwirksamkeit verstanden haben. Das ist nicht für jeden selbstverständlich. Der Glaube an sich selbst muss da sein.

Was genau verbirgt sich hinter dem Prinzip der Selbstwirksamkeit?

Der Glaube daran, dass man, wenn man bestimmte Dinge tut und ändert, damit auch etwas bewirkt. Wer das nicht tut, wird sich auch keine Vorsätze nehmen. Man muss daran glauben, mit dem eigenen Handeln etwas verändern oder bewirken zu können.

Was braucht es noch?

Man sollte sich immer die Frage stellen: Was hängt da alles dran? Oftmals werden Vorhaben gefasst, ohne die Folgen zu reflektieren. „Nächstes Jahr höre ich auf zu rauchen“ ist dafür der Klassiker. „Was willst Du? Wie willst Du das erreichen? Was versprichst du dir davon?“, diese Fragen sollte man sich stellen.

Demnach werden viele gute Vorsätze zu unüberlegt gefasst?

Meiner Meinung nach ja. Die konkrete Bereitschaft zur Veränderung muss schon da sein, ansonsten kann man es auch gleich sein lassen. Ob ausgerechnet der Silvesterabend für diese Abwägung der richtige Zeitpunkt ist? Ich wage es zu bezweifeln.

Wann ist dann der richtige Zeitpunkt?

Vielleicht eine Woche später, am Wochenende danach. Da kann man sich mal in Ruhe hinsetzen, sich Zeit nehmen, zurückblicken. Grundsätzlich bleibe ich aber dabei: Die persönliche Betroffenheit ist entscheidend.

Welchen guten Vorsatz haben Sie sich zuletzt genommen?

Mich bewusster zu bewegen. Man bewegt sich im Alltag viel zu oft wie automatisch, ohne nachzudenken. Das will ich ändern.

Und ist es Ihnen gelungen?

Ich arbeite dran.