STAUS UND GESPERRTE STRÄNDE

So lief der Ferienstart auf Usedom und Rügen tatsächlich

Die Ferien haben begonnen. Staus in Richtung der gesamten Ostsee-Küste sowie wegen Überfüllung gesperrte Strände wurden befürchtet. Beides trat zeitweise auch ein, doch insgesamt blieb es entspannt.
dpa
Der Strand war gut besucht, aber nicht überfüllt.
Der Strand war gut besucht, aber nicht überfüllt. Stefan Sauer
Touristen nutzen das hochsommerliche Wetter am Strand in Zinnowitz auf der Insel Usedom zum Sonnen und Baden.
Touristen nutzen das hochsommerliche Wetter am Strand in Zinnowitz auf der Insel Usedom zum Sonnen und Baden. Stefan Sauer
Ab in die Kühle Ostsee.
Ab in die Kühle Ostsee. Stefan Sauer
Einer der Parkplätze am Fährhafen von Harlesiel (Niedersachsen) ist voll besetzt mit Autos.
Einer der Parkplätze am Fährhafen von Harlesiel (Niedersachsen) ist voll besetzt mit Autos. Mohssen Assanimoghaddam
Bergen.

Volle Strände, volle Straßen und trotzdem sonnige Gemütlichkeit: Obwohl auf den Straßen in Mecklenburg-Vorpommern am Samstag deutlich mehr Autos in Richtung Seen und Küste unterwegs waren, war der Andrang gut zu bewältigen.

„Wir sind da ganz unaufgeregt. Ansturm trifft es nicht richtig. Das ist das, was man Sommer für Sommer erlebt, wenn die Menschen in die Urlaubsregionen aufbrechen”, sagte Tobias Woitendorf, Geschäftsführer des Tourismusverbands Mecklenburg-Vorpommern. Dabei gebe es auf den Straßen logischerweise auch Nadelöhre und es entstünden Staus.

 

So staute sich am Samstagvormittag der Verkehr wie erwartet auf der A20 bei Tribsees. Auch auf den beiden Zufahrtsstrecken auf die Insel Usedom über Wolgast beziehungsweise Anklam war Geduld gefragt. Wer auf Usedom nach Polen fahren wollte, musste ebenfalls etwas länger warten. Auch auf der Insel Rügen war ein erhöhtes Verkehrsaufkommen zu verzeichnen. Bei einem Stau auf der B96 auf Höhe Altefähr (Rügen) wartete ein Autofahrer nicht, sondern wendete verbotener Weise. Ein anderer Pkw konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen. Vier Menschen wurden bei dem Unfall teils schwer verletzt, darunter zwei kleine Kinder.

Auf der A24 habe es ein wenig Stau durch den Urlaubsreiseverkehr gegeben, sagte eine Polizeisprecherin in Rostock. Schon am Nachmittag entspannte sich die Lage jedoch deutlich. Dies bedeutete: freie Fahrt praktisch überall.

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Corona-Regeln wurden weitgehend eingehalten

An den Stränden und in den Urlaubsorten hätten sich die Menschen weitgehend alle an die coronabedingten Abstands- und Einreiseregeln gehalten. „Wir haben einen Bäderdienst im Dienst. Wir haben bis jetzt keine Meldungen bekommen”, sagte ein Polizeisprecher am Samstag in Neubrandenburg.

Dass nun aufgrund der Corona-Lockerungen mehr Gäste ins Land kämen, sei zumindest laut des Tourismuschefs in MV ein Trugschluss. Tagesbesucher aus anderen Bundesländern dürfen beispielsweise nicht einreisen, zudem seien die Kapazitäten in den Hotels, Pensionen und auf den Campingplätzen coronabedingt auf etwa 80 Prozent verringert. „Wir haben insgesamt durch die Begrenzungen eine geringere Zahl an Menschen im Land”, sagte der Verbandschef dazu.

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Er rechnete an diesem Wochenende mit etwa 350.000 bis 400.000 Übernachtungsgästen, die Beherbergungsbetriebe seien damit weitgehend ausgelastet und würden das auch den Sommer über bleiben. „Im Regelfall würden dann noch bis zu 200.000 Tagestouristen kommen und die kommen nun eben nicht.” Allerdings: Prinzipiell dürfen die Beherbergungsbetriebe in MV 100 Prozent ihrer Betten belegen. Und Tagestouristen aus Mecklenburg-Vorpommern dürfen ohne Einschränkung Ausflüge im Land machen – kommen also auch an die Küste. Auch ist unklar, in welchem Maße sich Tagestouristen aus anderen Bundesländern von den geltenden Regeln tatsächlich abschrecken lassen. Immerhin wurde schon mehrfach betont, dass dies sehr schwer zu kontrollieren sei.

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Für die Hotels, Gaststätten und Ferienwohnungsanbieter des Landes sei der Start der Sommerferien laut Woitendorf wichtig, wobei deshalb „die Anspannung im Tourismus noch nicht weg” sei. Ein Viertel der Betriebe sei noch immer in seiner Existenz gefährdet.

Kontrollen in den Urlaubsorten

Mecklenburg-Vorpommern setzt bei der Öffnung für den Tourismus auf einen behutsamen Start, um eine Nachvollziehbarkeit der Kontakte im Corona-Fall gewährleisten zu können. Grenzkontrollen gibt es nicht, stichprobenartige Kontrollen in den Urlaubsorten dagegen schon. Wer dann als Tagestourist aus einem anderen Bundesland keine Buchung vorweisen kann, muss mit Sanktionen rechnen.

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Touristen aus Risikogebieten wie den Kreisen Gütersloh und Warendorf in Nordrhein-Westfalen müssen zudem einen maximal zwei Tage alten, negativen Corona-Test vorweisen. Das hatten die Länder am Freitag übereinstimmend beschlossen. Der Polizei zufolge mussten am Samstag zumindest im östlichen Mecklenburg-Vorpommern deshalb keine Urlauber wieder nach Hause geschickt werden. „Davon habe ich bis jetzt noch nichts gehört”, sagte ein Sprecher dazu.

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Die wichtigsten Ziele sind die Badeorte an der Ostseeküste und die Mecklenburgische Seenplatte. An diesem Wochenende hatten in sechs Bundesländern die Sommerferien begonnen. Das Wetter war am Samstag anfangs noch vielerorts sonnig und heiß. Am späteren Nachmittag vertrieben dann Wolken und Donner in der Ferne viele Urlauber aus ihren Strandkörben. Für den Abend hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) für vereinzelte Regionen im ganzen Norden Schauer und schwere, teils unwetterartige Gewitter vorausgesagt.

 

Lage an der restlichen Ostseeküste

Obwohl an der Ostseeküste Schleswig-Holsteins bereits am Mittag einige Strände und Parkplätze wegen drohender Überfüllung geschlossen wurden, hielt sich der Ansturm auf die deutschen Küsten insgesamt in Grenzen. Sowohl in Niedersachsen als auch in Schleswig-Holstein waren die Strände an Hotspots zwar sehr gut besucht, dennoch blieb für alle ausreichend Platz.

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Auch auf den Straßen war weniger Geduld gefragt als zunächst befürchtet: In Schleswig-Holstein war es vor allem um die Mittagszeit dicht und auch auf den Autobahnen in Niedersachsen kam es zu Staus, die aber insgesamt überschaubar blieben. Am Samstagmorgen kam es auf den Autobahnen 1 und 7 zu Verkehrsbehinderungen, wie der ADAC mitteilte. Im Bereich Lübeck sei es besonders eng gewesen, da hier viele Baustellen den Verkehrsfluss beeinträchtigten.

Das Sommerwetter hat in der Corona-Krise bereits am Samstagmittag zu viele Touristen in die Urlaubsorte Scharbeutz und Haffkrug an der Ostsee gezogen. Die Kapazitätsgrenze für Parkplätze und Strand war deshalb schon am Mittag erreicht, wie die Scharbeutzer Bürgermeisterin Bettina Schäfer in einem Facebook-Post mitteilte.

„Anreisende Gäste werden nur noch durch unsere Orte durchgeleitet.” Anwohner und der öffentliche Nahverkehr hätten freie Fahrt, auch Gäste zu Ferienwohnungen und Hotels. „Bitte halten Sie Ihre Buchungsbestätigung bereit”, teilte sie weiter mit. Weil es am Nachmittag zu regnen begann, konnten die Sperrungen nach Angaben von Schäfer wieder aufgehoben werden.

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Reges Treiben, aber keine Überfüllung

Anders war es im Ferienort St. Peter-Ording an der Nordsee. Gegen Mittag fand man im Ort problemlos noch einen Parkplatz, die Schlangen vor den Eisdielen waren überschaubar. „Erstaunlicherweise entspannt”, sagte Tourismus-Direktorin Constanze Höfinghoff zur Situation in St. Peter-Ording. 98 Prozent der Quartiere seien ausgebucht.

Bereits um 8.00 Uhr morgens seien viele Menschen am breiten Strand gewesen, doch da gebe es ja viel Platz. Bisher habe es keine Probleme auf den Zufahrtsstraßen gegeben. Vermutlich habe die Wetterprognose viele Hamburger abgeschreckt, sagte ein Familienvater, der am Kassenhäuschen vor der Seebrücke sein Ticket holen wollte. Die Meteorologen hatten Gewitter für den Nachmittag vorhergesagt.

Auch im Touristenzentrum Büsum herrschte reges Treiben. „Aber überfüllt ist es bei uns nicht”, sagte Olaf Raffel vom Büsumer Tourismus Marketing Service TMS. Die Belegung liege derzeit bei 90 Prozent.

Gut ausgelastet ist auch das niedersächsische Nordseebad Dangast. „Nicht zu 100 Prozent, aber die touristischen Zahlen sind gut”, sagte Kurdirektor Johann Taddigs am Samstag. Auch die Einhaltung der Corona-Regeln funktioniere. An den Stränden seien die Strandkörbe auf drei Meter auseinandergerückt, damit der Radius von 1,50 Meter eingehalten werden könne.

Maskenpflicht in Norderney

Norderney ordnete indes per Allgemeinverfügung eine Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in mehreren besonders hoch frequentierten Straßen in der Stadt Norderney an, die zunächst bis zum 19. Juli gelten soll.

Allein bei einer Tagesgästezahl von etwa 4500 werde die eigentliche Einwohnerzahl von rund 6000 bereits nahezu erreicht, hieß es in einer Mitteilung. Hinzu komme die Zahl der Übernachtungsgäste mit 25.000 Personen pro Nacht.

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Kommentare (6)

Liebe Frau Schwesig, Als Einheimischer der Insel Usedom und Einwohner eines Ostseebades sehe ich jeden Tag was hier los ist. Ab heute ist richtig Stress. Verstopfte Strassen, lange Schlangen beim Einkaufen, überfüllte, ja wirklich, überfüllte Strände ohne Mindestabstand, Begegnungsverkehr auf Gewegen ohne Ausweichmöglichkeit, Sorglosgkeit aller Orten, und dazu noch Unverschämtheiten und Rücksichtslosigkeit. Nein, das geht nicht gut. Und Ja, das macht uns wütend aber auch hilflos. Wir sind dem Ganzen schutzlos ausgeliefert, denn kontrolliert und reguliert wird hier nichts. Jeder kann machen was er will, ganz ohne Folgen. Die Strandkorbvermieter pflastern die Strände zu, das für Nichtmieter kein Platz mehr bleibt, und auch ein Durchkommen zum Wasser fast unmöglich ist. Nein, so geht das nicht, liebe Leute. Geldgeilheit und Kommerz ist hier das Gebot der Stunde, als gäbe es kein Morgen mehr. Es ist an der Zeit die Bremse zu treten und nicht auch Millionen von Euro Steuergeld in due Tourismuswerbung zu stecken. Vorsorge sueht anders aus Frau Schwesig.

Wieso? Tagestouristen aus anderen Bundesländern dürfen doch garnicht nach MV, also auch nicht nach Usedom. Das sind doch alles Übernachtungsgäste, von euch doch sehnlichst erwartet. Nun seht mal zu!
Ich und zahlreiche Bekannte werden keinen Fuß mehr auf ostdeutsche Ostseeinseln setzten, gibt andere schöne Orte im Osten, vor allem billiger!

Hallo Herr HIHRKE,
Sie sollten sich die Kommentare durchlesen, den Inhalt durchdenken und ihre Kommentare dann mit Bleistift zu Papier bringen. Wenn Sie am nächsten Tag auf Ihrem Standpunkt bestehen können Sie es ja online stellen. Was der oder die Schreiberin bemerkt ist doch in dieser Zeit nachvollziehbar.
Übrigens sind nicht alle Usedomer im Gastgewerbe tätig , sonder leben dort, wie auch Sie in irgendeinem schönen Ort.
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende.

Das Usedom schon seit mehreren Jahren regelmäßig überfüllt ist. Irgendwann wird es so kommen wie auf Sylt, dass Einheimische verdrängt werden und nur noch Reiche oder Touristen die Insel bevölkern.
Auf der anderen Seite ist es ein Fakt, dass die Ostseeinseln vom Tourismus leben.
Wer ist denn jetzt Schuld am momentanen Zustand?
Der Tourist der sein Geld auf Grund von Corinna nicht im Ausland ausgeben darf oder die Landesregierung die das ganze dulded oder der Unternehmer und seine Angestellten, welche ihren Lebensunterhalt damit verdienen?
Solange es den Urlaubern vollkommen egal ist, jeden Tag zu kuscheln werden leider Gottes auch die Einheimischen damit leben müssen.

wann halten sie Wort und bleiben für immer fort ?

Mein Vorschlag : Fahren sie nach Rybarzowice und wandern in der schönen
Umgebung. Nehmen sie den "Nutzloshorst" aus Berlin mit, der redet gerne
über ungelegte Eier. Eine Übernachtung in einer Baggerschaufel ist mit
20 Cent wirklich günstig.
Schade, Senf wieder alle

Liebe Foristen, als Usedomer und Einheimischer der nur indirekt vom Tourismus partizipiert, in dem ich die Infrastruktur nutze, gabe nichts gegen unsere Urlaubsgäste. Die Sache ist die, wird es zu viel bei den derzeitigen Vorschriften, und weder Einheimische noch Urlauber entspannt sein können, zu dem Unverschämtheiten und Rücksichtslosigkeit, zum Teil Frechheit bei vielen zum Lebensgefühl gehören, hört der Spaß auf. Und mit einer Drohung nicht mehr in den Osten zu fahren und Urlaub zu machen, kann ich nur sagen, gut so. Auf genau diese Leute können hier alle, Geschäftsleute, wie auch Einheimische verzichten. Danke