TOURISMUS

So rechnet sich MV seine Urlaubszahlen schön

Das touristische Mecklenburg-Vorpommern wuchert mit seiner Natur. Doch hinter den Urlaubskulissen tobt ein beinharter politischer Richtungsstreit – der offenbar nicht immer seriös geführt wird.
Andreas Becker Andreas Becker
Die amtlichen Übernachtungszahlen für den Monat August treffen die Wirklichkeit nicht.
Die amtlichen Übernachtungszahlen für den Monat August treffen die Wirklichkeit nicht. Stefan Sauer
Schwerin.

Es knirscht in der Tourismusbranche. Auf politischer Ebene, in der Statistik, im Tourismusverband selbst. Auslöser der aktuellen Debatte war eine Pressemitteilung, die Wirtschaftsminister Harry Glawe am 23. Oktober in die Republik sendete. Dort verkündete der CDU-Politiker, in dessen Ressort der Tourismus angesiedelt ist, dass der „August 2018 für ein kräftiges Plus im touristischen Gesamtjahr gesorgt hat und allein in diesem Monat bei den Übernachtungen ein Zuwachs von 9,7 Prozent gegenüber dem August 2017 verzeichnet wurde“. Es folgten weitere Lobeshymnen auf das Tourismusland MV.

Doch nach Recherchen des Nordkurier sind die Zahlen, die Glawe so begeistert unters Volk brachte, wenig aussagekräftig. Denn die Zahlen aus dem Mund des Wirtschaftsministers stimmen nur, wenn verschwiegen wird, dass die Steigerung der Gästeübernachtungen um die von Glawe bejubelten 9,7 Prozent nur zustande gekommen sind, weil im Vergleich zum Vorjahres-August plötzlich 14,9 Prozent statistisch erfasste Schlafgelegenheiten mehr registriert worden sind.

Doch wie können die Schlafgelegenheiten in MV plötzlich binnen zwölf Monaten um 14,9 Prozent in die Höhe schnellen – und damit die Statistik schönen? Nachfrage beim Statistischen Landesamt, dem vermeintlichen Herz der Zahlen- und Datenwelt. Die Antwort ist verblüffend – der zuständige Fachbereichsleiter Detlef Thofern bedankt sich beim Nordkurier, dass dieser auf den „Missstand“ hingewiesen hat.

Ferienwohnungen und Ferienhäuser ließen Statistik steigen

„In der Tat, wir treffen mit unseren Zahlen derzeit die Wirklichkeit nicht“, ergänzt Thofern – und schickt den Versuch einer Erklärung hinterher: „Seit Anfang des Jahres wird durch eine Projektgruppe bei uns im Amt die Beherbergungsstatistik aktualisiert. Dieses bezieht sich insbesondere auf die Betriebsart ,Ferienhäuser und Ferienwohnungen‘. Dies führt dazu, dass es zum Teil zu einem methodisch bedingten deutlichen Anstieg von Schlafgelegenheiten und Ankünften und Übernachtungen kommt.“

Aber dann ist die Urlaubsstatistik doch wenig aussagekräftig – und kann je nach Interessenslage politisch ausgeschlachtet werden? „Dazu kann ich nichts sagen, das ist ein politisch sensibles Thema“, hält sich Thofern zurück – verspricht aber, künftig bei der Veröffentlichung der monatlichen Beherbungsstatistik per Fußnote auf die aktuell veränderte Methodik der Erfassung von Schlafgelegenheiten und den dadurch resultierenden „Bruch bei den Zahlen“ aufmerksam zu machen.

Dass das CDU-geführte Wirtschaftsministerium die Botschaft „Wir sind gut“ platziert, wird in der SPD-geführten Staatskanzlei mit Argusaugen beobachtet. Vom Nordkurier mit den Missständen in der Statistik zu den extremen Steigerungen der Schlafgelegenheiten konfrontiert, meint Reinhard Meyer, Chef der Kanzlei, Vertrauter von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und gleichzeitig Chef des deutschen Tourismusverbandes, vielsagend: „Aus unserem Haus ist zu den genannten Zahlen eine seriöse Antwort nicht möglich.“

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Kommentare (3)

Es gibt einen Spruch, " glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast".

Schoen gerechnet wird - dann muesst ihr weniger schreiben

Da kommen Erinnerungen hoch. Hat Herr Glawe mal beim ADAC gearbeitet?