Kritik an Intransparenz
So rechtfertigt die Awo ihre Mallorca-Kita

Nach dem Skandal um die Awo-Müritz macht nun eine Kita der Organisation auf Mallorca Schlagzeilen.
Nach dem Skandal um die Awo-Müritz macht nun eine Kita der Organisation auf Mallorca Schlagzeilen.
Holger Hollemann

Die Machenschaften der Awo in MV haben bereits zu einem Untersuchungsausschuss und viel Kritik geführt. Die Kita auf Mallorca verteidigt die Organisation aber.

Die CDU im Schweriner Landtag sieht die freie Wohlfahrtspflege im Land durch fehlende Transparenz der Verbände und fragwürdige Projekte wie die Awo-Kindertagesstätte auf Mallorca zunehmend in Misskredit. „Es sind solche scheibchenweise an die Öffentlichkeit geratenden Geschichten, die der organisierten Wohlfahrt insgesamt schaden”, sagte der Unionsabgeordnete Sebastian Ehlers am Donnerstag. Transparenz sei das Gebot der Stunde.

Ehlers reagierte auf Berichte über einen schon seit zwei Jahren vom Awo-Kreisverband Schwerin-Parchim in der Nähe von Palma de Mallorca betriebenen Kindergarten für knapp 30 deutsche und spanische Kinder. Die Einrichtung sei offenbar aus Rücklagen des Kreisverbandes Schwerin-Parchim finanziert worden, während in Schwerin Kitas zum Teil erst jetzt saniert würden und die Elternbeiträge stiegen. „Der Schluss liegt nahe, dass die Awo-Kitas in Schwerin direkt unter pädagogischen Experimenten im Mittelmeer zu leiden haben”, sagte Ehlers.

Awo-Kitas auch in Togo und Gambia

Völlig anders sieht das die Awo selbst. Zwei Jahre nach der Eröffnung hat die mecklenburgische Awo-Kita auf Mallorca eine positive Bilanz gezogen. In der zweisprachigen Einrichtung arbeiten neben zwei deutschen Pädagoginnen auch zwei einheimische Fachkräfte, wie die Awo am Mittwoch mitteilte. Bis zu 28 Kinder in Halb- und Ganztagsplätzen werden von ihnen auf deutsch und spanisch betreut.

Mit dem Projekt auf Mallorca werde die Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe gefördert, sagte Bernd Sievers, Vorstandsvorsitzender des Kreisverbands Schwerin-Parchim. Die Jugendarbeitslosigkeit auf Mallorca betrage 50 Prozent. Daher habe die Awo auch 40 Spanier in Schwerin als Erzieher ausgebildet. Die spanische Kita sei von deutschen Behörden nicht gefördert worden. Die Awo betreibe auch Kitas in Togo und Gambia.

Ministerium zeigt wenig Verständnis

Dass keine Fördermittel des Sozialministeriums geflossen sind, bestätigte auch ein Ministeriumssprecher dem NDR. Man bewerte diese Form der unternehmerischen Tätigkeit allerdings als „ungewöhnlich”. Eine Kita auf Mallorca „liegt nicht im Landesinteresse”, hieß es weiter. Außerdem bestehe aus Sicht des Ministeriums „keine sozialpolitische Notwendigkeit für den Betrieb einer Awo-Einrichtung auf Mallorca”.

Die „Kindervilla” in der Ortsmitte von Santa Maria bietet neben Gruppen- und Funktionsräumen auch ein etwa 1.000 Quadratmeter großes Grundstück mit Spielgeräten sowie Mandarinen- und Zitronenbäumen. Es gibt nach eigenen Angaben eine Kooperation mit Universitäten und Fachhochschulen, so dass Praktikanten vor Ort bilingualen Kinderbetreuung erleben können.

Kommentare (2)

In kaum einen anderen öffentlichen Bereich wird mehr Geld ausgegeben. Sicherlich erfüllen die meisten Träger ihre Arbeit mit Leidenschaft und Nachweisbar. Leider ist das System für schwarze Schafe wie geschaffen, kontrollieren kann kaum jemand wie die Gelder eingesetzt werden. Es muss endlich vom Gesetzgeber eine Kontrollinstanz geschaffen werden die alle Ausgaben überprüfen können. Der Bürger hat ein Recht zu wissen wie sein Steuergeld ausgegeben wird und ob es auch bei denen Ankommt die es brauchen und nicht im Dickicht der Bürokratie versumpft.

Wer soll diesen Kontrollinstanz-Moloch finanzieren? In diesem Fall ist Steuergeld nicht in der Bürokratie versumpft und auch nicht an die AWO gegangen. Lustig finde ich, dass die AWO Schwerin-Parchim den sozial schwachen Brennpunkt Ferieninsel Mallorca mit einer Kita beglückt.