HUNGERSTREIK

So ticken die beiden Greifswalder Hungerstreiker

Die Aktivisten erklären, warum sie so verzweifelt sind, dass sie in den Hungerstreik getreten sind. Die Männer befürchten offenbar ernsthaft, dass die Erde bald lebensfeindlich wird.
Geschwächt, aber fest entschlossen – so fühlen sich die Hungerstreikenden inzwischen nach 19 Tagen ohne Essen.
Geschwächt, aber fest entschlossen – so fühlen sich die Hungerstreikenden inzwischen nach 19 Tagen ohne Essen. ZVG
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Am Dienstag brach einer der Hungerstreikenden zusammen und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Mittlerweile ist der 27-jährige Jacob Heinze wieder zurück im Camp, dass die Aktivisten im Berliner Regierungsviertel aufgeschlagen haben. Paul Zinken
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Jakob Heinze liest auf einem Matratzenlager in einem Zelt eines Protestcamps im Regierungsviertel ein Buch mit dem Titel „Ziviler Ungehorsam”. Der Aktivist befindet sich seit 17 Tagen im Hungerstreik für den Klimaschutz und will zusammen mit weiteren Hungerstreikenden ein Treffen mit den drei Kanzlerkandidaten erreichen. Kay Nietfeld
Greifswald ·

19 Tage schon harren die sechs Klimaaktivisten ohne Essen in Berlin aus. Mit dabei sind auch die beiden Greifswalder Henning Jeschke (21) und Rumen Grabow (20). Sie hungern, um ein Gespräch mit den drei Kanzlerkandidaten zu erzwingen. Davon erhoffen sie sich ehrliche Aussagen über die Klimakrise und ein Versprechen für die Einführung eines Bürgerrats. Dieser soll verbindlich die Wahlversprechen der Politiker kontrollieren und auf die Erfüllung des Pariser Klimaabkommens pochen.

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Was sind das für Menschen, in deren Leben sich Vieles um Protestaktionen dreht und die jetzt mit ihrem lebensgefährlichen Hungerstreik zum Äußersten gehen? Henning Jeschke und Rumen Grabow haben ihr Abitur in der Greifswalder Martinschule abgelegt. Eine Schule, die bekannt ist für ihre alternativen Lehrmethoden und die individuelle Förderung von Schülern. Wenn Rumen Grabow von seiner alten Schule erzählt, gerät er ins Schwärmen: „Ich hatte das Gefühl, dort ich selbst sein zu können. Freies Denken und eine eigene Meinung entwickeln wurde dort stark gefördert.” Von seinen Lehrern fühlte er sich ernst genommen, auch wenn er mal anderer Meinung war als sie.

Mitschüler glauben an Entschlossenheit der Streikenden

Auch die Lehrer haben eine hohe Meinung von ihren einstigen Schülern. „Ich habe sie als sehr ernste, intelligente und nachdenkliche Schüler wahrgenommen”, erinnert sich Lehrerin Katja Danter. Insbesondere die Themen Umwelt und Gerechtigkeit standen bei den beiden stets im Vordergrund. Schulfreunde von früher glauben, dass die beiden den Streik noch lange durchhalten können: „Das ist den beiden nicht aus einer spontanen Laune heraus eingefallen, jetzt mal bockig zu streiken. Die haben sich intensiv darauf vorbereitet und wenn es sein muss, können sie mit ihrer Willensstärke noch lange durchhalten.”

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In einer von der Martinschule organisierten Andacht im Greifswalder Dom kamen rund 200 Schüler am Donnerstag zusammen, um an ihre ehemaligen Mitschüler zu denken. Auch Greifswald Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Die Grünen) sowie der evangelische Bischof Tilman Jeremias nahmen daran teil.

Ob der Hungerstreik ein legitimes Mittel ist, um ihre Forderungen durchzusetzen, das wird auch auf dem Schulhof diskutiert. „Wenn alles andere nichts hilft, dann muss auch mal eine drastische Maßnahme ausprobiert werden”, finden die einen. „Ne, das ist zu krass und finde ich nicht richtig”, finden die anderen.

Schulleiter Benjamin Skladny drückte sich neutral aus: „Wenn sie den Hungerstreik als Mittel auswählen, dann ist das ein Akt ihrer puren Verzweiflung und dann steht mir das überhaupt nicht zu, das irgendwie zu werten.”

Ab wann ist ziviler Ungehorsam okay?

Das radikale Mittel des Hungerstreiks haben die Klimaaktivisten gewählt, weil sie keine andere Möglichkeit sehen, ihrem Anliegen Gehör zu verschaffen. „Wir waren bei Demos und haben immer wieder versucht, den Politikern klar zu machen, dass jetzt gehandelt werden muss, aber es half alles nicht”, sagt Henning Jeschke. Die beiden Greifswalder haben sich im Frühjahr und Sommer viel mit dem Thema „ziviler Ungehorsam” beschäftigt. „Wann ist es legitim Grenzen zu überschreiten und ungehorsam zu werden”, fragte sich Rumen Grabow immer wieder. „Wann rechtfertigt unsere Not auch krassere Mittel, als nur demonstrieren zu gehen?”

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Als dann die Wahlprogramme der Parteien zur aktuellen Bundestagswahl herauskamen, waren die Aktivisten geschockt. „Nicht eine einzige Partei unternimmt genug, um die Klimakrise wirksam zu bekämpfen. Das finden wir unfassbar, wo doch die Wissenschaft seit Jahren vor dem warnt, was uns erwartet”, heißt es aus dem Hungerstreik-Camp.

Deshalb beschlossen die sechs Aktivisten, noch vor der Wahl in den Hungerstreik zu treten. „Diese Wahl wird für die junge Generation eine Schicksalswahl. Jetzt ist der letztmögliche Zeitpunkt noch einer Katastrophe entgegenzusteuern, und trotzdem enthalten die Wahlprogramme nicht im Ansatz genug Maßnahmen, um diese Katastrophe abzuwenden”, erklärt Henning Jeschke. Deshalb begreifen sie die aktuelle Politik als „Mord an der jungen Generation”, wie sie sagen. Damit ihnen und anderen jungen Menschen nicht die Lebensgrundlage genommen wird, sei es jetzt Zeit zum Handeln und die Politiker zum Umdenken zu bewegen. Deshalb sind die jungen Leute in den Hungerstreik getreten.

 

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Kommentare (16)

Klimaaktivisten? = Klimaterroristen!

Nicht eine einzige Partei unternimmt genug, um die Klimakrise wirksam zu bekämpfen. Das finden wir unfassbar, wo doch die Wissenschaft seit Jahren vor dem warnt, was uns erwartet"
Na denn ma tau; gründet eine Partei und laßt euch wählen. Es ist ja nicht mehr zum Aushalten mit der Berichterstattung. Der NK bietet zunehmend "Extremen" hier Gehör.

Du spinnst doch, die Eiszeit gabs auch und da existierten noch gar keine Menschen!
Die Natur lässt sich nicht aufhalten, schon garnicht von euch Grünklopsen . Mit Elektroautos schon gar nicht! Hol dir ein Elektroauto, das Ding wirst du niemals mehr los. Jedenfalls die Batterie nicht ! Entsorgt niemand , die hast für immer auf dem Hals , in der Garage oder Keller . Oder schmeißt sie geradewegs in die Gegend. Rohstoffgewinnung für die Akkuherstellung in Argentinien . Tote Täler , vergiftete Flüsse! Kuckt keiner mehr TV?
Alle total bescheuert von dem linken und Grünen Geschwafel?

Und bleiben nur noch wenige Jahre. Warum begreifen wir das nicht? Das renomierte Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sagt das die ganze Zeit und keiner hört es? Wir sind die letzte Generation, die noch das Steuer rumreißen könnte. Doch wir fahren auf die Mauer zu und geben dabei Vollgas. Was drei Grad Celsius Erwärmung für das Artensterben bedeutet ist den wenigsten hier klar.

Hätten sich diese Kinder überhaupt mal mit ihren Vorbildern aus der Wissenschaft beschäftigt, wären sie heute etwas ruhiger und würden eventuell erst denken und dann sprechen. Nehmen wir einmal den Klimaforscher Mojib Latif, der seit dem auftauchen, der Greta Thunberg schnell reagiert hat, sich als Freund der FfF Gemeinschaft aufgedrängt hat und nun von diesen Kindern als das Vorbild überhaupt angesehen wird. Hätten sie sich doch nur mal mit ihm beschäftigt ...:
https://youtu.be/wnFm6e6764o
Von Forscherkollegen Latifs heißt es unter anderem, dass er immer mal gerne seine Aussagen "korrigiert", damit er sich weiterhin Forschungsgelder sichern kann. Latif ist dieses berühmte Fähnlein im Wind, dem jedes Mittel recht ist, um irgendwie im Gespräch zu bleiben und Geld zu kassieren.
Erstaunlich, dass sich die Demonstranten nie die Mühe machen, denjenigen mal genauer auf den Zahn zu fühlen, die sich ihnen anschließen und davon profitieren würden. So klug sind die Schüler und Studenten also doch nicht, wie sie selbst glauben.

Würden sie eine Partei gründen, würde man auch nichts weiter von ihnen hören oder lesen. Erinnern wir uns einfach an die Piraten-Partei, die am Ende gar nichts hinbekommen haben und sich nur noch im niedrigsten einstelligen Prozentbereich aufhalten.
Und schauen wir uns auch mal die Grünen richtig an und gehen bis in das 2005 zurück: Es lässt sich herausfinden, das die Grünen unter Joschka Fischer sowohl die Friedens- wie auch die Umweltpolitik demontiert haben. Sie haben sich wie andere Parteien auch an die Wirtschaft verkauft und werden einen Teufel tun, um der Wirtschaft in irgendeiner Weise auf den Schlips zu treten.

Haben die Terroristen der R.A.F nicht auch versucht den Staat mit einem Hungerstreik zu erpressen?

bevorzugte dafür Geiselnahmen, Erschiessungen und Sprengstoffanschläge.

Man hat ihn verhungerm lassen. Wen jemand partout nicht essen will - So what?

Ich habe Beruflichen Einblick in die Hintergründe dieser Schule, ich weiß, wie der Vorstand Pastor Wilhelm und Schulleiter Skladny ticken, insbesondere bezüglich einer unter dem Schutz des Schwerbehindertenrechts stehenden Lehrerin. Und um mal mit Max Lieberman zu sprechen: Ick kann gar nicht so ville fressen, wie ick kotzen möchte. Wenn die „Hungerleider“ deren Geistes Kind sind, dann wundert mich Nichts mehr.

wir haben gestern abend gegrillt

fortschrittlich, nachhaltig und sauber sehr gerne! Kein Mitleid mit Fanatikern und Erpressern!

Würden insbesondere die Grünen für saubere Technik stehen, gäbe s sicherlich keine Elektroautos, die als CO2 neutral verkauft werden, es allerdings beileibe nicht sind.
Wer sich darüber wundert, kann die Antwort dazu schnell bekommen: Joschka Fischer ist nach seiner politischen Karriere zu BMW gegangen und hat dort den Posten des Cheflobbyisten eingenommen. So einen Job bekommt man nicht, wenn man im politischen Amt gegen die Autoindustrie gewesen ist, sondern weil man mitgeholfen hat, die Regeln gegen die Industrie so klein wie möglich zu halten.
Von nachhaltig (Abbau seltene Erden) und sauber kann also nicht die Rede sein. Von fortschrittlich schon mal gar nicht, wenn man an die Aufbereitung der Akkus denkt - wahrscheinlich schickt man die nach Indien oder in einen afrikanischen Staat, wo die dortigen Menschen in der Giftbrühe stehen, damit sich hier alle Grünen auf die Schulter klopfen können.
Selbst die Sympathisanten der Grünen haben offenbar Lunte gerochen und wollen nicht dafür verantwortlich sein, einer grüne Kanzlerinkandidatin ins Kanzleramt gehievt zu haben.

Erinnert stark an die Stauffenberg-Verfilmung.

"Und was dann? Was ist mit der SS, dem ganzen Stab, der Leibgarde? Die löschen euch aus."

Bei aller Intelligenz und Willensstärke aber nichts fiel diesem Land je einfacher als Studenten, Revoluzzer oder andere Querdenker mit Hilfe der Staatsgewalt wegzuklatschen.

es doch wenigstens versuchen!

Aber auch Mann wird diese eine Wahrheit der Welt akzeptieren müssen, nämlich dass es bei Gesprächen in Hinterzimmern unmissverständliche Dinge gibt, die über einen Warn-Hungerstreik hinausgehen. Es findet sich immer irgendwer, ob für einen Präsidenten, Musiker oder Aktivisten.

Der größte Königsmord, oder der Versuch die menschliche Gier der kollektiven Verantwortung unterzuordnen, hat schon kleinere Lichter als Jesus ausgeblasen.
Keine Ahnung, ob der- bzw. diejenige wirklich bereit sind diesen Weg bis zum Schluss zu gehen. Zumal es ratsamer wäre, den Heldentod erst als taktisches Mittel zu wählen, wenn ich das Volk auf meiner Seite habe. Davon spüre ich nichts. Eher das Gegenteil.

Aber das ist ja ein anderes Problem. Studenten.
Sie wissen viel aber sehen die Realität mit dem Herz, nicht mit dem Verstand.

Mittlerweile habe ich das ungute Gefühl, das ein Abitur nicht unbedingt etwas mit Intelligenz zu tun haben muss - zumindest hier wird schnell klar, das diese jungen Leute die Grundsätze in der Demokratie nicht wirklich verstanden haben können.
Wie kommt man auf diese wirklich dumme Idee, seine eigene Gesundheit zu gefährden und mit einer blitzsauberen Erpressung irgendeine Art von Gespräch zu erzwingen. Dazu ist das absolut dümmste von Politikern ein Versprechen einzufordern; hat man diesen Leuten in der Schule denn gar nichts beigebracht?
Hätten die Kandidaten nun genau das gemacht, was diese "Hungerleider" durchsetzen wollten, wäre wohl damit zu rechnen, dass sie immer wieder in einen Hungerstreik gehen würden, weil ihnen wieder etwas nicht passt und es wieder auf eine Erpressung hinauslaufen würde.
Wer sich so verhält, gehört in psychiatrische Behandlung! Wer seine Gesundheit oder sogar sein Leben aufs Spiel setzt, muss schon ziemlich irre sein.
Natürlich soll man sich für Dinge einsetzen, doch sollte man dann auch den Verstand benutzen und sich nicht verhalten wie ein kleines Kind im Supermarkt, das sich schreiend auf den Boden wirft, weil es seinen Willen nicht bekommt.
Um das Problem zu lösen, haben manche Eltern schon längst verstanden, das man sie dort ruhig kreischen lassen soll, aber nicht darauf reagiert. Wenn ein Kind erst einmal merkt, das sich die Eltern oder andere Erwachsenen nicht weiter beeindrucken lassen, sind die ganz schnell ruhig.
Das haben die "Hungerleider" allerdings noch gar nicht verstanden, obwohl man doch genau das mit ihnen macht.

Die sollten besser lernen und eine anständige Ausbildung machen, damit sie dann Veränderungen hervorrufen, wo es nötig ist; das ist allerdings nicht die Politik.
Doch das Problem ist, das sich solche "Forderer" nicht mit den schwierigen naturwissenschaftlichen Fächern beschäftigen wollen; und schon gar nicht wollen sie ein Studium in solchen Fächern in Angriff nehmen, denn da kommt man nur weiter, wenn man auf den Hosenboden setzt und lernt.