Bei der Bundeswehr-Übung „Schneller Adler” warten die zu evakuierenden Zivilisten vor einem Bundeswehr-Transp
Bei der Bundeswehr-Übung „Schneller Adler” warten die zu evakuierenden Zivilisten vor einem Bundeswehr-Transportflugzeug A400M. Bernd Wüstneck
Mitglieder der Division Schnelle Kräfte sichern das Areal. Die Bundeswehr trainiert bei der mehrtägigen Übung d
Mitglieder der Division Schnelle Kräfte sichern das Areal. Die Bundeswehr trainiert bei der mehrtägigen Übung die Evakuierung deutscher Staatsangehöriger im Ausland. Bernd Wüstneck
„Schneller Adler”

So trainiert die Bundeswehr eine Evakuierung an der Ostsee

Die Bundeswehr muss fähig sein, im Notfall schnell Menschen in Sicherheit zu bringen. Dabei müssen auch Kleinigkeiten bedacht werden – etwa die Sache mit den Fitnessuhren.
dpa
Barth

Kurz nach der Landung öffnet sich die Ladeklappe des riesigen Airbus A400M und die ersten von 75 schwer bewaffneten Soldaten betreten das Flugfeld. In einer rund 200 Meter entfernten Halle warten etwa 70 Zivilisten, die dringend ausgeflogen werden müssen. Schauplatz dieser Szene ist nicht der Flugplatz in einem fernen Land irgendwo auf der Welt, sondern der Flughafen Stralsund-Barth im Norden Mecklenburg-Vorpommerns. Dort übt die Division „Schnelle Kräfte“ der Bundeswehr noch bis Anfang kommender Woche die Rettung von Zivilisten.

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Hintergrund ist ein Szenario, das zuletzt Ende vergangenen Jahres real in Afghanistan für weltweites Aufsehen gesorgt hat. Viele Tausend Menschen mussten von internationalen Streitkräfte gerettet werden. Bei der Übung sind nun rund 2000 Menschen, darunter 1200 Soldaten, zusammen mit niederländischen Streitkräften noch bis Montag unterwegs, um sich auf mögliche Szenarien vorzubereiten, wie der Brigadegeneral und Vize-Kommandeur der Division, Andreas Pfeiffer, erläutert. Übungsraum ist hauptsächlich Mecklenburg-Vorpommern.

Soldaten dürfen keine Fitnessuhren tragen

Die Übung am diesem Donnerstag findet in einem fiktiven, noch friedlichen Umfeld eines zerfallenden Staatsgebildes statt. Von der Hektik einer drohenden Kampfsituation kann bei Sonne und freundlichen Temperaturen keine Rede sein. Klar ist aber auch: Wenn es tatsächlich eine Feindbedrohung gibt, geht es anders zu, sagt ein Divisionssprecher.

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Wegen der Corona-Pandemie sind seit der letzten vergleichbaren Übung vier Jahre vergangen, deshalb müsse jeder Schritt trainiert werden. Dazu gehört die Registrierung der zu rettenden Zivilisten und ihr Transport zum Flughafen, aber auch die Absicherung der Maschine während des Aufenthalts auf dem Flugfeld bis zum sicheren Abflug, erklärt ein Soldat. Auch Kleinigkeiten seien zu bedenken – etwa dass Soldaten keine Fitnessuhren tragen dürften, um ihre Ortung zu erschweren.

300 Zivilisten bei der Übung dabei

Die Übung habe jedoch keinen direkten Bezug zum Ukraine-Konflikt. „Aber natürlich sind wir in der Lage, weltweit solche Aktionen durchzuführen“, betont Brigadegeneral Pfeiffer. Das Auswärtige Amt habe sicher auch für die Ukraine schon entsprechende Vorsorge getroffen, und die Bundeswehr müsse das ganze Spektrum möglicher Einsätze beherrschen. Eine vergleichbare Situation habe die Bundeswehr bei der „Operation Pegasus“ in Libyen im Jahr 2011 bei einer schnellen Luftevakuierung bewältigen müssen, als Deutsche aus dem zerfallenden Staat geholt werden mussten.

An diesem Donnerstag werden mit dem ersten Flieger rund 70 Zivilisten ausgeflogen – aber nur ins nahe Peenemünde. Insgesamt hat die Bundeswehr für die Übung „Schneller Adler“ rund 300 Menschen aus der Bevölkerung verpflichtet, teilzunehmen. Darunter seien auch Babys, eine Schwangere und Menschen mit Handicap. „Wir versuchen, so nah wie möglich an der Realität zu sein.“

Im Rahmen von „Schneller Adler“ werden in den kommenden Tagen weitere Szenarien geübt. In Sassnitz ist am Samstag eine Seeevakuierung geplant, am Sonntag wird in Putgarten sogar eine sogenannte robuste Evakuierung geprobt. Dann könnte es sein, dass die Soldaten gegen einen möglichen Feind ihre Durchsetzungsfähigkeit beweisen müssen.

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