HOCHWASSER

So verlief die Sturmflut zwischen Usedom und Lübeck

Von Usedom über Rügen bis nach Wismar und Greifswald haben die Menschen an der Ostseeküste in der Nacht eine Sturmflut erlebt. Aber war sie so schlimm wie angekündigt?
In Wismar schwappten einige Wellen über die Kaimauer und überfluteten eine Kreuzung.
In Wismar schwappten einige Wellen über die Kaimauer und überfluteten eine Kreuzung. Olaf Wunderbar
In Wismar schwappten einige Wellen über die Kaimauer und überfluteten eine Kreuzung.
In Wismar schwappten einige Wellen über die Kaimauer und überfluteten eine Kreuzung. Olaf Wunderbar
Am Strelasund schaffte es die Sturmfluten nicht übers Ufer.
Am Strelasund schaffte es die Sturmfluten nicht übers Ufer. Jens Büttner
Wismar.

Die Nacht hat gezeigt, das die Warnungen des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) vor extremen Wasserständen an der Ostseeküste nicht von ungefähr kam. Die vorhergesagten Pegelstände wurden von den tatsächlichen Wassermassen teils sogar deutlich übertroffen.

So hatte das BSH für Wismar je nach Vorhersagemodell mit Wasserständen zwischen 95 Zentimeter und 1,05 Meter über Normalnull (NN) gerechnet. In der Altstadt waren vorsorglich Sandsäcke aufgeschichtet worden. Tatsächlich stieg der Pegel aber auf über 1,20 Meter über NN an.

Dennoch ist die Sturmflut hier nicht so schlimm verlaufen, wie im vergangenen Jahr. Damals war das gesamte Hafenbecken überflutet worden. Davon konnte in der Nacht auf Mittwoch keine Rede sein. Stattdessen stieg das Wasser lediglich an die obere Kante der Kaimauer, einige Wellen schwappten dann herüber und überschwemmten eine Kreuzung.

Sturmflut in Lübeck und Rostock

Auch in Lübeck wurde die 1,20-Meter-Marke geknackt, in Rostock stieg das Hochwasser auf knapp über 1,10 Meter über den Normalwert. Nach Einstufung des BSH haben wir also eine Sturmflut der niedrigsten Kategorie erlebt – immerhin. Für eine mittlere Sturmflut in der Ostsee wären mindesten 1,25 Meter über mittlerem Wasserstand nötig gewesen, für eine sehr schwere Sturmflut 2 Meter.

Auch für die Ostseeinseln hatte der BSH mit erhöhten Wasserständen gerechnet. In Sassnitz auf Rügen traf die Vorhersage von knapp 80 Zentimeter über NN zu, auf der Insel Ruden wurden die vorhergesagten mehr als 90 Zentimeter nicht ganz erreicht. In Koserow auf Usedom wurde die 1-Meter-Marke gerade so geknackt.

Weitere in der Mittwochnacht gemessenen Wasserstände über dem mittleren Wasserstand:

  • Barth etwa 60 Zentimeter (vorhergesagt zwischen 80 und 90 Zentimeter)
  • Greifswald knapp über 1 Meter (vorhergesagt bis zu 1,10 Meter)
  • Karnin 74 Zentimteter (vorhergesagt zwischen 70 und 80 Zentimeter)
  • Stahlbrode 95 Zentimeter (vorhergesagt etwa 1 Meter)
  • Ueckermünde 77 Zentimeter (vorhergesagt zwischen 80 und 90 Zentimeter)
  • Warnemünde 1 Meter (vorhergesagt zwischen 80 und 90 Zentimeter)
  • Wolgast 73 Zentimeter (vorhergesagt um die 70 Zentimeter)

Alle aktuellen Vorhersagen für die Ostseeküste finden Sie hier.

BSH rechnet mit Entspannung der Lage

Das Wasser zog sich im Laufe der Nacht zurück. Auch das BSH hat seine Sturmflutwarnung aufgehoben. Am Mittwoch sollen die Wasserstände maximal 80 Zentimeter über NN liegen, am Donnerstag ist eine weitere Entspannung der Lage zu erwarten.

Ganz anders sieht die aktuelle Wetterlage in Süddeutschland aus. Hier haben besonders in Rheinland-Pfalz Unwetter mit teils starken Regenfällen für Hochwasser gesorgt. In der Stadt Zell (Mosel) war unklar, ob die Höhe der Hochwasserschutzmauern ausreicht – bis zum frühen Mittwochmorgen tat sie das.

Das Wasser der Mosel kam in der Nacht auf etwa zehn Zentimeter an das obere Mauerende heran, wie es von der Polizei hieß. Schwappte das Wasser über die Absperrungen, wäre die gesamte Innenstadt betroffen. Deshalb räumten die Bewohner vorsorglich ihre Keller aus. Gegen vier Uhr zeigte sich ein Polizist vorsichtig optimistisch – momentan sehe es gut aus, sagte er.

Zwei Bundesstraßen gesperrt

Weiter flussabwärts sollte das Wasser am Morgen noch weiter steigen. Zwischen Cochem und Koblenz mussten deshalb mehrere Abschnitte von zwei Bundesstraßen gesperrt werden. „Die Leute sind das gewöhnt”, hieß es aus der Leitstelle des Polizeipräsidiums Koblenz.

Die Mosel war bereits in der Nacht zum Dienstag vielerorts über die Ufer getreten und hatte im Bundesland Straßen und Keller überflutet. In etlichen Orten wurden mobile Hochwassermauern aufgebaut. Bei Koblenz, wo die Mosel in den Rhein mündet, wird das Rhein-Hochwasser voraussichtlich noch bis in die Nacht auf Donnerstag steigen.

In Trier erreichte die Mosel am Dienstagabend ihren Höchststand von 9,07 Metern. Das waren rund 5,80 Meter über dem normalen Wasserstand. Seitdem wird es weniger Wasser – gegen 5 Uhr zeigte der Pegel noch 8,84 Meter. Es handele sich um ein Hochwasser, wie es alle zwei bis fünf Jahre vorkomme. Beim sogenannten Jahrhunderthochwasser 1993 waren es 11,28 Meter gewesen.

Ortskern überschwemmt

In der Nähe von Trier war bereits in der Nacht zum Dienstag der Ortskern der Gemeinde Aach (Kreis Trier-Saarburg) von einem Bach überschwemmt worden. Etliche Keller seien vollgelaufen, die Straße stand am Morgen noch unter Wasser. Wie dort die Lage in der Nacht auf Mittwoch war, wusste die Polizei zunächst nicht.

In Bayern und Baden-Württemberg gab es in der Nacht auf Mittwoch durch das vorangegangene stürmische und regnerische Wetter keine Spätfolgen mehr, wie es von den Polizeieinsatzzentralen aus den beiden Ländern hieß. Am Dienstag waren dort ebenfalls Flüsse angeschwollen, das stürmische Wetter riss Bäume und Verkehrszeichen um.

 

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