EXPLOSIONSGEFAHR

So viel Munition liegt noch in MV

Als wäre eine Waldbrand nicht genug, explodierten auch noch die Böden. Das passierte kürzlich nahe der A14 und blüht auch in anderen Teilen des Landes.
Konstantin Kraft Konstantin Kraft
Bei Ludwigslust geriet ein Wald in Brand, Munitionsreste im Boden sorgten für Lebensgefahr bei Feuerwehrleuten. 
Bei Ludwigslust geriet ein Wald in Brand, Munitionsreste im Boden sorgten für Lebensgefahr bei Feuerwehrleuten. Bodo Marks
Neubrandenburg.

Bei einem Waldbrand in Groß Laasch (Ludwigslust-Parchim) sind Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg explodiert. Die Feuerwehr musste ihre Löscharbeiten unterbrechen, da  Lebensgefahr bestand. Löschhubschrauber unterstützten die Einsatzkräfte am Boden. Zudem wurden Löschpanzer eingesetzt.

Der Brand verdeutlicht ein großes Problem: Es besteht akute Explosionsgefahr in den Wäldern des Landes.

Zahlen zur Munitionsbelastung in MV

Landesweit sind "155 000  Hektar als kampfmittelbelastet erfasst”, sagt Robert Mollitor vom Munitionsbergungsdienst Mecklenburg-Vorpommern. „Davon befinden sich 90 000 Hektar im Landesbereich und 65 000 Hektar im Bereich der Ostsee.” Die Sprengstoffe stammen größtenteils aus dem Zweiten Weltkrieg. Fast vier Prozent der Landesfläche sind belastet.

Zur Einschätzung der Gefahrenlage unterscheidet der Katastrophenschutz vier Kategorien. Während die ersten beiden nur Verdachtsmomente dokumentieren, bedeutet eine Einstufung in die dritte Kategorie den tatsächlichen Fund von Munition, deren Beseitigung in der vierten Kategorie unbedingt erforderlich ist. In Mecklenburg-Vorpommern müssten nächstmöglich fast 40 000 Hektar von Kampfmitteln befreit werden.

Die Bergungsdienste sind daher im Dauereinsatz. Im Durchschnitt fährt einmal am Tag ein Team zu einem Soforteinsatz aus. Damit werden Aufräumarbeiten bezeichnet, die auf den Hinweis eines Bürgers zurückgehen.

Jedes Jahr wird tonnenweise Sprengstoff geräumt

Alleine in den vergangenen drei Jahren wurden dabei über 20 Tonnen Sprengstoff geborgen. Besonders spektakulär war eine Bergung südwestlich von Parchim. Hier wurden an einem Ort über 1000 Sprenggranaten und diverse Panzerfäuste entdeckt. Zusammen wog die Sprengladung etwa 340 Kilogramm. „Wir können nicht 150 000  Hektar absperren“, sagt Robert Mollitor. Wegen Vielzahl und Umfang der Gefahrengebiete „müssen wir Prioritäten setzen.“ Allen voran stehe dabei die Maxime „den Menschen zu schützen.“

In der Nähe von Wohngebieten werden deshalb nun systematisch Zonen freigeräumt, sodass die Einsatzkräfte im Notfall ungestört arbeiten können. Im Falle eines Waldbrandes müssen die Feuerwehrleute nahe genug an die Brandnester kommen. Situationen, wie sie sich in Groß Laasch ereigneten, sollen sich nicht wiederholen.

Der Munitionsbergungsdienst in MV erhält er ein Jahresbudget von 1,25 Millionen Euro. Von diesem Geld müsse sowohl das Personal als auch die Technikkosten für das Spezialwerkzeug bezahlt werden, erklärt Mollitor. „Beim aktuellen Budget brauchen wir noch zwischen 40 und 50 Jahren um alles abzuräumen”, klagt er. Derweil gilt für jeden, der Munition findet: Finger weg! Ganz egal wie verrostet die Granate scheint, die Gefahr können nur Experten abschätzen.

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