AUTONOME ZÜGE

So will die SPD den Lokführer-Mangel in MV beheben

Aus Personalmangel fallen in diesem Monat immer wieder Züge der Deutschen Bahn in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg aus. Doch der verkehrspolitische Sprecher der SPD weiß, was zu tun ist...
Simon Voigt Simon Voigt
Noch sieht es bei der Bahn so aus wie hier im Führerstand von DB-Lokführer Daniel Milkau: Er steuert Regionalzüge durch Mecklenburg-Vorpommern. Laut Bahn ist das auch noch für viele Jahrzehnte ein sicherer Job.
Noch sieht es bei der Bahn so aus wie hier im Führerstand von DB-Lokführer Daniel Milkau: Er steuert Regionalzüge durch Mecklenburg-Vorpommern. Laut Bahn ist das auch noch für viele Jahrzehnte ein sicherer Job. Simon Voigt / NK-Archiv
SPD-Verkehrsexperte Jochen Schulte will Computer statt Lokführer.
SPD-Verkehrsexperte Jochen Schulte will Computer statt Lokführer. Jens Büttner
Schwerin.

Nachdem die Deutsche Bahn angekündigt hat, dass es im Juli im Nordosten Zugausfälle wegen Personalmangels geben wird, kommt aus dem Landtag in Schwerin der Vorschlag, die Züge doch einfach gleich ohne Lokführer fahren zu lassen. „Wenn uns heute schon die notwendigen Lokführer und Lokführerinnen fehlen, um den Verkehr abzusichern, dann wird sich dieser Personalmangel in Zukunft eher noch verstärken. Eine Lösung für das Problem liegt auf der Hand und wird bei zahlreichen U-Bahnen in Deutschland längst erfolgreich praktiziert: das autonome Fahren“, teilte Jochen Schulte, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, diese Woche mit.

Also, Rettung per Computer? Naja. Das Verkehrsministerium unter Schultes Parteifreund Christian Pegel steht der Idee vom autonomen Fahren zwar grundsätzlich auch aufgeschlossen gegenüber, schränkt jedoch ein: Auf kurzfristige Sicht sei das noch lange kein Thema – zumal die Kosten für die Umstellung sehr hoch seien. Das Geld dafür könne MV nicht allein stemmen, es müsse vom Bund kommen. Konkrete Pläne zu dem Thema gebe es in MV derzeit nicht.

Das Land MV könnte sich mehr Züge leisten – tut es aber nicht

Dazu muss man wissen, dass das Land in Puncto Nahverkehr auf enormen Rücklagen sitzt. Um den ÖPNV zu bezahlen, überweist der Bund an die Länder sogenannte Regionalisierungsmittel, mit denen diese den Bahn-Verkehr bezahlen. MV hat derzeit rund 211 Millionen Euro dieser Bundesmittel auf der hohen Kante, wofür es schon oft Kritik gab, weil man das Geld auch in mehr Verkehr auf den bestehenden oder stillgelegten Strecken stecken könnte, anstatt es zurückzulegen. Das Ministerium hingegen betont, die Rücklagen seien nötig, um auf steigende Kosten reagieren zu können. Zudem würden die Mittel jährlich gesenkt. Der wenig ambitionierte Plan in Schwerin lautet daher: In den nächsten 15  Jahren soll der ÖPNV zumindest nicht (noch) schlechter werden. SPD-Mann Schulte kritisiert, dass die Bundesmittel für den Nahverkehr nach Bevölkerung und nicht nach Fläche verteilt werden.

Von der Deutschen Bahn hieß es, dass autonomes Fahren von Zügen hierzulande noch lange kein Thema sei. Lokführer würden sicher noch für viele Jahrzehnte gebraucht.

zur Homepage

Kommentare (3)

Wie weit die SPD entfernzt ist von den Realitäten des Alltags, wird an dieser Schnapsidee deutlich sichtbar. Von solchen Gedanken ist es nicht mehr weit bis in die Irrenanstalt.

Was qualifiziert denn Herrn Pregel und Co dort zu sitzen?! Ahnung von ihrem Ressort haben sie ja wohl keine! Und dann wundert sich der Verein über seine Wahlergebnisse...

Es ist nur noch lächerlich, was sich heutzutage alles Experte nennt.
Ich arbeite bei der Bahn.... die Politik und die DB haben hausgemachte Probleme die auf die Lokführer abgewelzt werden sollen. Das da irgendwann keiner mehr mitmacht ist doch klar, wir haben eine riesige Verantwortung den Fahrgästen gegenüber und das wird auch nur mittelmäßig entlohnt. In Deutschland wird im EU Durchschnitt eher schlecht bezahlt. Wer geht dann für wenig Gehalt dort arbeiten wo man sowieso kaum Freizeit hat und noch Druck von der Konzernleitung bekommt (Energiesparen, jeder kleine Fehler wird einem vorgehalten dank einzelnen Vorgesetzten) Die DB ist selbst daran schuld und der Staat weiß es und sieht nur zu. Aber gut das es ja Experten gibt. Ich kann einfach nur noch Ko....(mich übergeben) bei solchen aussagen. Aber wie heißt es so schön "wir schaffen das"