Was spielt sich gerade in der Flüchtlingsunterkunft in Stern-Buchholz bei Schwerin ab?
Was spielt sich gerade in der Flüchtlingsunterkunft in Stern-Buchholz bei Schwerin ab? Bernd Wüstneck
Asylbewerber in MV

Sollen Coronafälle in Flüchtlingsheim vertuscht werden?

Hunderte von Flüchtlingen auf engem Raum – und das in der Coronakrise. Im Asylbewerberheim Stern-Buchholz nahe Schwerin werden schwere Vertuschungsvorwürfe laut.
Schwerin

Die Situation im Flüchtlingsheim Stern-Buchholz vor den Toren der Landeshauptstadt Schwerin spitzt sich offenbar zu. Aus Kreisen des Heims erfuhr der Nordkurier, dass sich angeblich zwei Mitarbeiter des Malteser-Werkes mit dem Coronavirus infiziert hätten. Die Verantwortlichen hätten versucht, die beiden Fälle zu vertuschen, so der Vorwurf. Die Malteser Werke betreiben das Flüchtlingsheim im Auftrag des Landes.

Mehr lesen: Asylbewerber mit Corona - Wie ist das mit der Quarantäne?

Dienstpläne rückwirkend gefälscht?

Aus dem Heim heraus wird kolportiert, dass eigens Dienstpläne für diesen Monat rückwirkend umgeschrieben worden sein sollen, auf denen die beiden fraglichen Mitarbeiter nicht mehr auftauchen. Als solle so getan werden, als hätten die Mitarbeiter Urlaub gehabt, um ausschließen, dass sie sich in Stern-Buchholz infiziert haben könnten.

Mehr lesen: MV hat nur einen Bruchteil der nötigen Schutzausrüstung bekommen

Malteser Werke als Betreiber schweigen

Die Bewohner aller Häuser würden nach wie vor durch alle Häuser laufen – ob mit dem Virus infiziert oder nicht, heißt es aus dem inneren Zirkel der Einrichtung weiter. Das für das Heim politisch verantwortlich Innenministerium in Schwerin dementierte auf Nordkurier-Anfrage, dass Mitarbeiter der Malteser Werke sich weigern würden, weiter in dem Flüchtlingsheim Dienst zu schieben. Die Malteser Werke beziehungsweise die Einrichtungsleiter wollten sich gegenüber dem Nordkurier aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht äußern – und verwiesen auf die Pressestelle des Innenministeriums.

Innenminister Caffier weist Vorwürfe des Flüchtlingsrates MV zurück

Das wiederum verwies gegenüber dem Nordkurier auf eine Pressemitteilung, die das Innenministerium am vergangenen Donnerstag im Zusammenhang mit der Situation im Asylbewerberheim veröffentlicht hatte. Darin hatte Innenminister Lorenz Caffier den Vorwurf des Flüchtlingsrates MV zurückgewiesen, die Behörden würden in der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) des Landes die Gesundheit der Geflüchteten riskieren. „In Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden werden alle Anstrengungen unternommen, um eine Ausbreitung von Infektionen innerhalb der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes und in den Gemeinschaftsunterkünften der Landkreise beziehungsweise kreisfreien Städte zu verhindern”, so der Minister.

Wer darf das Asylbewerberheim betreten?

Aktuell würden, so der Minister weiter, alle Neuzugänge der EAE, alle Bewohner der EAE, die Symptome des neuartigen Coronavirus aufweisen sowie alle Kontaktpersonen bereits infizierter Einwohner der EAE getestet. Dabei würden die Neuzugänge zunächst in einer vorgelagerten Einrichtung untergebracht und dort getestet. Ausschließlich negativ getestete Personen dürften dann die Einrichtung betreten.

Am Dienstagnachmittag rückten die Verantwortlichen in Schwerin von ihrer Mauertaktik ab und ergriffen die Flucht nach vorne. Konkret hieß es: „Fünf Mitarbeiter des Malteser Werkes in der Erstaufnahmestelle Stern Buchholz sind seit dem Wochenende positiv auf den Coronavirus getestet worden, zwei am Samstag, drei weitere am Dienstag“, räumte das Innenministerium in der Pressemitteilung ein. Das Ministerium dementierte allerdings energisch, dass Corona-Fälle in der Flüchtlingsunterkunft vertuscht werden sollten und dass Mitarbeiter der Malteser Werke sich weigern würden, weiter in dem Flüchtlingsheim Dienst zu schieben.

zur Homepage