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Spannen in der Marineschul-Dusche

Nach dem Fund einer versteckten Kamera in einer Männerdusche der Marinetechnikschule der Hansestadt bekommen die Ermittlungen einen politischen Beigeschmack. Denn bei dem Tatverdächtigen soll es sich um den bisherigen Kreischef der Liberalen handeln.

In der Bundeswehr-Marinetechnikschule in Parow bei Stralsund soll unter der Dusche gefilmt worden sein.
Stefan Sauer In der Bundeswehr-Marinetechnikschule in Parow bei Stralsund soll unter der Dusche gefilmt worden sein.

Er war bis vor kurzem FDP-Kreischef in Stralsund und Hauptbootsmann bei der Deutschen Marine in der Marinetechnikschule Stralsund (MTS). Nico Völker, Jahrgang 1980, gelernter Bankkaufmann und ledig, wird verdächtigt, in der Männerdusche einer Rekrutenunterkunft am Sund eine Kamera installiert und heimlich Aufnahmen von seinen Kameraden gemacht zu haben. Entsprechende Informationen des Nordkurier bestätigte jetzt auch der Stralsunder Oberstaatsanwalt Ralf Lechte. „Wir ermitteln derzeit gegen Herrn Völker wegen des Verdachts der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches durch Bildaufnahmen.“

Entdeckt wurde die Kamera bereits am 2. Februar unter einer Deckenverkleidung des Duschraumes. Nach Angaben des Kommandanten der MTS, Michael Möding, wurden daraufhin zunächst interne Ermittlungen aufgenommen. Einen Tag später sei ein Verdächtiger festgestellt und vom Dienst suspendiert worden.

Neben dem zivilrechtlichen Verfahren droht dem Tatverdächtigen nun auch ein Verfahren vor dem Truppendienstgericht. Noch seien die Aufnahmen der Kamera nicht komplett ausgewertet worden, betont Lechte. Erst danach werde entschieden, ob Anklage gegen Völker erhoben werde.

Gerade erst zum Schatzmeister gewählt

Der FDP-Kreisverband hat sich inzwischen eine neue Führungsriege zugelegt. Der neue Stralsunder  FDP-Kreisvorsitzende Thoralf Pieper wollte sich gestern wegen des schwebenden Verfahrens öffentlich nicht zu dem Fall äußern. Der 44-Jährige war erst vergangene Woche als Nachfolger von Völker gewählt worden, nachdem dieser angegeben habe, „aus persönlichen Gründen“ nicht wieder als Kandidat anzutreten.

Die Neubesetzung des Kreisvorstandes habe turnusmäßig zwei Jahre nach der letzten Wahl stattgefunden und habe nichts mit den Ermittlungen gegen Völker zu tun gehabt, unterstrich Pieper. Dass Völker vergangene Woche zum Kreisschatzmeister gewählt worden sei, sei auch etwas der geringen personellen Decke des Kreisverbandes geschuldet. „Sollten sich die Ermittlungen aber bestätigen, gehe ich davon aus, dass er sich auch von diesem Posten wieder zurückziehen wird“, sagte Pieper.

Heimlicher Filmer auf Damentoiletten verurteilt

Völker, der auch schon für den Bundestag kandidiert und damals versprochen hatte, sich „für Menschenwürde, Bürgerrechte, persönliche Freiheit, Offenheit und Toleranz“ einzusetzen, war am Donnerstag nicht erreichbar. Auch seine Website ist derzeit nicht mehr verfügbar. Über den Internetauftritt der FDP Stralsund lässt der neue Kreisschatzmeister lediglich verkünden, Politik mache er nicht für sich, „sondern mit Bürgern, für Bürger durch Bürger“.

In Stralsund erinnert man sich angesichts des pikanten Falls an einen 39-Jährigen, der im vergangenen Jahr in der Hansestadt über Wochen hinweg in öffentlichen Damentoiletten Minikameras installiert hatte. Der Spanner war später auf einer Hiddenseefähre vom Kapitän auf frischer Tat entdeckt worden. Im Herbst wurde er zu einer Geldstrafe in Höhe von 1800 Euro verurteilt.