MONIS RACHE

Spanner-Opfer üben „Rache am Patriarchat”

Sie könnten auf Festivals in MV auf Dixie-Klos gefilmt worden sein, die Videos auf einer Porno-Seite gelandet: Nun stärken sich mögliche Betroffene untereinander.
Mögliche Opfer der Spanner-Videos von Monis Festival versuchen sich gerade gemeinsam an einer Aufarbeitung des Erlebten.
Mögliche Opfer der Spanner-Videos von Monis Festival versuchen sich gerade gemeinsam an einer Aufarbeitung des Erlebten. Screenshot Strg_F
Tutow.

Telegram-Chatgruppen, Demonstrationen oder einfach persönlicher Austausch: Nachdem eine Strg_F-Reportage aufgedeckt hatte, dass heimlich intime Videos auf zwei linken Festivals in Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen und auf eine Porno-Webseite hochgeladen worden sind, ist das Bedürfnis nach Zusammenhalt unter den möglichen weiblichen Betroffenen groß. Am Freitag haben rund 2000 Frauen und nicht binäre Personen (Menschen, die sich nicht als Mann oder Frau identifizieren) gegen sexualisierte Gewalt und für Selbstbestimmung in Berlin-Kreuzberg protestiert.

Nach „Monis Rache” folgt in Berlin „Rache am Patriarchat”

Parallel zu Valentinstag und #OneBillionRising zogen die Demonstrantinnen unter dem Motto „Rache am Patriarchat” durch die Straßen. Das berichtete die Tageszeitung Neues Deutschland am Sonntag. Männer waren auf der Demo nicht erwünscht. Anlass waren die heimlichen Videoaufnahmen in Dixie-Klos und Duschen, die ein Mann auf den Festivals „Monis Rache” und „Fusion” gemacht hat und einer Pornoplattform verkauft hat.

Der Täter, H., war bis September letzten Jahres noch wohnhaft in einem linken Hausprojekt in Leipzig. Die Bewohner zeigen sich schockiert. „Wir sind erschüttert über die Vorkommnisse und für uns bestand sofortiger Handlungsbedarf”, schrieben sie in einem offiziellen ersten Statement in einer Rundmail. Er habe noch am Abend der Veröffentlichung der Reportage ohne ihr Wissen das Haus verlassen. „Per Mail teilte er uns einen Tag später mit, die besagte Person zu sein und gab an, das Material zerstört zu haben.”

Einige Hausbewohner und Organisatoren wussten früher Bescheid

Weiter heißt es: „Im Nachgang der Veröffentlichung haben wir allerdings auch erfahren, dass zwei Personen aus dem Haus bereits seit September über seine Taten informiert waren.” Eine weitere Person habe seit etwa sechs Wochen darüber Bescheid gewusst. „Bei zwei der drei Mitwissenden gibt es personelle Überschneidungen zur Orga-Crew von „Monis Rache”.” Die Statements des Leipziger Hausprojekts sind mittlerweile auf der Webseite von „Monis Rache” zu lesen. H. sei mittlerweile untergetaucht, hätte sich aber angeblich selbst angezeigt. Laut der Reportage soll er mehrere tausend Euro mit den Videos verdient haben.

In einem Interview mit dem Online-Magazin der Süddeutschen Zeitung jetzt.de am Freitag beschwerte sich eine der möglichen Betroffenen namens Ella über den fehlerhaften Umgang der Festival-Organisatoren mit den Videoaufnahmen. „Die Festivalcrew veröffentliche das Video der Reportage mit zwei Sätzen; man sei selbst tief getroffen und überfordert mit der Situation. Betroffene sollten sich gedulden und keine schnellen Antworten erwarten. Aber genau in so einer Situation braucht man das Gefühl, ernst genommen und gehört zu werden.”

Hilfesuchen bei der Polizei – ja oder nein?

Auch dass acht Mitglieder der Crew, darunter enge Freunde des Täters, schon Monate von dem Vorfall wussten, ist für Ella ein Schlag ins Gesicht. Zu Strafanzeigen gebe es in der Gruppe der Betroffenen allerdings geteilte Meinungen. „Manche haben schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht, zum Beispiel auf Demonstrationen [...].” Andere würden eine Zusammenarbeit mit der Polizei aus politischen Gründen ablehnen. Ella selbst habe Strafanzeige gegen H. erstattet: „Für mich hat es sich gut angefühlt, überhaupt zu handeln. Und vielleicht schreckt es weitere Täter ab.”

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