VOR DER AFD-DEMO

SPD provoziert mit "Ausländer raus!"-Plakaten in Rostock

Um vor der Demonstration der AfD am Sonnabend zum Nachdenken zu animieren, hat die SPD in der Rostocker Innenstadt ein umstrittenes Motiv plakatiert.
Sebastian Langer Sebastian Langer
Plakat Rostock
Plakat Rostock Johann-Georg Jäger
Rostock.

Das Motiv des bekannten politischen Plakatkünstlers Klaus Staeck ist bereits 32 Jahre alt. Doch seit einigen Tagen ist es wieder in der Rostocker Innenstadt zu lesen. Vor einer Steinmauer in schwarzweiß prangt in geschwungenen roten Buchstaben „Ausländer raus!”, darüber steht in kleineren, weißen Lettern geschrieben: „Stell dir vor Du mußt flüchten und siehst überall”.

Anlass der von der Rostocker SPD initiierten Plakataktion ist die für den kommenden Sonnabend angemeldete AfD-Demonstration in Rostock. Als Hauptredner ist der umstrittene thüringische Fraktionsvorsitzende Björn Höcke vorgesehen, mehrere Gegendemos wurden organisiert. Zu einer ruft die SPD auf der Rückseite des „Ausländer raus”-Plakates unter dem Motto „Aufstehen für Menschlichkeit – Klare Kante gegen Höckes Hetze” auf.

Initiatoren hoffen auf erwünschten Knalleffekt

Doch wird das allen immer auch gleich klar? In sozialen Netzwerken ist das Motiv heftig umstritten. „Ich finde das Kunstwerk sehr gut – und halte es trotzdem als politisches Plakat für den Lampenmast für ungeeignet”, sagt Grünen-Landesvorsitzender Johann-Georg Jaeger, der das Motiv bei Facebook gepostet hat. „Das war jedenfalls unüberlegt. Unsere zehntausenden Touristen aus Übersee sind verunsichert”, kommentiert Marian Jabbusch. Friederike Busch twitterte hingegen: „Ich denke dass man bei so einer harten Aussage zwei mal hinschaut und hoffe dann auf Nachdenken.”

Politikberater Martin Fuchs, der sich auf Twitter als @wahl_beobachter seit Langem mit politischen Plakaten auseinandersetzt, sieht die Plakatierung der SPD eher kritisch. „Das Plakat an sich ist super, aber es funktioniert nicht im öffentlichen Raum mit einer Aufmerksamkeitsspanne von wenigen Sekunden oder Sekundenbruchteilen beim Vorbeifahren oder Vorbeigehen”, bemängelt er. Das Motiv hätte mehr eingeordnet werden müssen, findet Fuchs, der auch zu einer klareren Mobilisierung zu der Gegendemo geraten hätte als nur auf der Plakatrückseite.

Die Initiatoren hoffen dagegen auf den erwünschten Knalleffekt. „Das Plakat solle bewusst provozieren und zum Nachdenken animieren, erklärte der SPD-Kreisvorsitzende Julian Barlen im Online-Magazin „Rostock heute”. Der stellvertretende Kreisvorsitzende Christian Reinke kommentierte bei Facebook, „selbst, wenn das Plakat falsch verstanden wird und dadurch Gegenwehr hervorruft, hat es seinen Zweck erreicht. Ob das mit Heile-Welt-Plakaten auch so passiert wäre?”

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