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Ohne festen Wohnsitz

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SPD stößt Obdachlosen-Zählung an

Wie viele Obdachlose gibt es in Deutschland? Bisher gibt es dazu nur Schätzungen.
Wie viele Obdachlose gibt es in Deutschland? Bisher gibt es dazu nur Schätzungen.
Paul Zinken

Um Obdachlosigkeit zu bekämpfen, will Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Obdachlose bundesweit zählen lassen. Das Projekt Little Homes zeigt derweil, dass Hilfe auch ohne Zählung funktioniert.

Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) bekommt Beifall für ihren Vorstoß für eine Obdachlosen-Zählung in Deutschland. Die wohnungspolitische Sprecherin der Linken im Landtag, Eva-Maria Kröger, sagte: „Es ist höchste Zeit, dass die Sozialministerin erkennt, wie wichtig und notwendig eine Erfassung der wohnungslosen Menschen ist.”

SPD und Union hätten sich auf Bundesebene aber bisher geweigert, weil die Wohnraumförderung Sache der Länder sei und sich die Kommunen um ein Obdach zu kümmern hätten.

Drese will jetzt Druck auf Bundesebene machen. Für das nächste Treffen der Arbeits- und Sozialminister der Länder am 6. und 7. Dezember kündigte sie in der „Ostsee-Zeitung” einen Antrag für eine deutschlandweite Statistik an. Dies sei für Hilfsmaßnahmen für die Betroffenen nötig.

Bisher gibt es nur Schätzungen

„Ich verspreche mir von dieser Statistik eine bessere Verhinderung und Bekämpfung der Wohnungslosigkeit und der damit einhergehenden sozialen Problemlagen”, zitiert das Blatt Drese. Auch in Mecklenburg-Vorpommern sei bisher nicht genau bekannt, wie viele Menschen keine Wohnung haben.

Allein in Rostock gibt es nach Schätzungen von Erik Niemierski, Streetworker bei der Rostocker Obdachlosenhilfe, etwa 1000 Menschen ohne festen Wohnsitz. Bundesweit gelten Schätzungen zufolge 860.000 Menschen als wohnungslos, davon 52.000 als obdachlos.

Die sozialpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion „Bürger für Mecklenburg-Vorpommern”, Christel Weißig, kritisierte, Obdachlose rückten erst in den Fokus, wenn die Temperaturen sinken und es gegen Weihnachten geht. Drese hätte ihrer Meinung nach schon längst eine Zählung in Mecklenburg-Vorpommern initiieren können.

Little Homes für Obdachlose

Eine Idee aus Köln zeigt indes, wie man obdachlosen Menschen ganz direkt ohne großen bürokratischen Aufwand helfen kann. Der Verein Little Home baut mit der Unterstützung von Helfern und Spenden kleine, einfache Häuschen und stellt sie Obdachlosen kostenlos zur Verfügung.

Auf knapp drei Quadratmetern haben diese dann Matratze, Regal, Erste-Hilfe-Set, Feuerlöscher, Waschbecken und Campingtoilette. Was mit zwei Hütten in Köln begann, breitet sich immer weiter aus. Mittlerweile stehen die Mini-Häuschen auch in Berlin, Frankfurt am Main, Hamm oder Nürnberg.