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Anerkennung von der Chefin: Julian Barlen organisierte den Wahlkampf für Ministerpräsidentin Manuela Schwesig – und wurde nun zum Fraktionschef befördert. Foto: Jens Büttner Jens Büttner
Landtag MV

SPD wechselt aus: Krüger geht, Barlen kommt – Fragen bleiben

Gesundheitlich bedingter Chefwechsel in der SPD-Fraktion im MV-Landtag oder taktische Personal-entscheidung? Der Rückzug des bisherigen Chefs wird unterschiedlich bewertet.
Schwerin

Die nackten Fakten vorne weg: Der Generalsekretär der SPD Mecklenburg-Vorpommern, Julian Barlen, ist gestern Mittag zum Fraktionsvorsitzenden seiner Partei im Landtag gewählt worden. Er erhielt 27 von 33 abgegebenen Stimmen (82 Prozent). Fünf Abgeordnete votierten demnach gegen den 41-Jährigen, zudem hatte es eine Enthaltung gegeben. Schwerin.

Der bisherige Fraktionschef Thomas Krüger hatte vor wenigen Tagen angekündigt, aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zu kandidieren. Krüger und SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hatten Barlen gemeinsam vorgeschlagen. Letzterer hatte den ausgesprochen erfolgreichen Landtagswahlkampf von Schwesig und ihrer Partei maßgeblich organisiert. Soweit die offizielle Version der SPD.

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Doch im politischen Schwerin kursiert auch eine ganze andere Sicht auf den Rückzug Krügers und die Wahl Barlens. Und die findet vor allem Nahrung in der Tatsache, dass Krüger erst zwei Tage nach der Landtagswahl zum Fraktionschef wieder gewählt worden war. Anschließend war er an maßgeblicher Stelle beteiligt, als es um die Verhandlungen mit den Linken zur Bildung einer rot-roten Landesregierung ging. Und: Zwei Tage vor Ankündigung seines Rückzugs präsentierte sich Krüger sowohl auf dem SPD-Parteitag als auch bei der Vorstellung des neuen Koalitionsvertrages in erster Reihe.

Im und ums Schweriner Schloss wird kolportiert, dass Krüger so urplötzlich seinen Abschied von der Fraktionsspitze verkündete, habe auch am rumorenden Julian Barlen gelegen – der sich darüber beschwert habe, dass er als Macher des Wahlkampfs bei der sozialdemokratischen Ämtervergabe nach dem triumphalen Wahlsieg schlicht und einfach übersehen worden sei. Da aber alle Minister- und Staatssekretärsposten vergeben worden seien, habe man für den aufstrebenden und jüngeren Barlen den Chefposten in der Fraktion frei räumen müssen.

Philipp da Cunha neuer Fraktionsgeschäftsführer

Krüger gilt als treuer Gefolgsmann von Schwesig. Die Regierungschefin hatte den 52-Jährigen am Tag nach der Landtagswahl in die dreiköpfige Sondierungskommission der Partei für die Regierungsbildung berufen und ihm demonstrativ den Rücken gestärkt – und ihm damit auch zu einem guten Ergebnis bei der anschließenden Wahl zum Fraktionschef verholfen.

Dass Barlen mit der Übernahme des Chefsessels in der Fraktion nachträglich auf Krügers Kosten belohnt worden sei, wird von offizieller SPD-Seite vehement bestritten. Krügers Rückzug habe ausschließlich gesundheitliche Gründe – jetzt wolle sich Krüger auf seine Arbeit als einfacher Landtagsabgeordneter konzentrieren, hieß es gestern auf Nordkurier-Nachfrage von einer Fraktionssprecherin.

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Und noch eine Personalie wickelte die SPD gestern ab: Neuer Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion wurde der Abgeordnete Philipp da Cunha. Der 34-Jährige erhielt 27 von 32 abgegebenen Stimmen (84,4 Prozent). Sein Amtsvorgänger Jochen Schulte ist als Staatssekretär ins Wirtschaftsministerium gewechselt. Er lege in den kommenden Tagen sein Landtagsmandat nieder. Als Nachrückerin ziehe Anna-Konstanze Schröder aus dem Landkreis Vorpommern-Greifswald ins Parlament ein. Zu stellvertretenden Vorsitzenden der Fraktion wurden Rainer Albrecht, Nadine Julitz, Christine Klingohr und Falco Beitz gewählt.

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