WIEDERAUFBAU

Spendenkonto für Schloss Putbus auf Rügen eingerichtet

Das Schloss Putbus auf der Insel Rügen wurde 1957 auf Geheiß des SED dem Erdboden gleichgemacht. Ein Verein sammelt nun Spenden, um Rügens Fürstensitz wieder aufzubauen.
Das Schloss war einst zentraler Ort der Residenzstadt Putbus, bis es Anfang der 1960er Jahre abgerissen wurde.
Das Schloss war einst zentraler Ort der Residenzstadt Putbus, bis es Anfang der 1960er Jahre abgerissen wurde. Sammlung: Christian Bruhn
Putbus.

Im Dezember hatte ein Verein die Idee vom Wiederaufbau des in den 1960er Jahren gesprengten Schlosses Putbus auf der Insel Rügen öffentlich vorgestellt. Nun richtete er ein Spendenkonto ein, um die Pläne voranzutreiben.

Mit dem Geld werde zunächst eine Internetseite unter der Domain www.schloss-putbus.de mit einer Datenbank eingerichtet, sagte der Sprecher des „Fördervereins Fürstliches Schloss zu Putbus“, Torsten Seegert, dem Nordkurier.

Mehr lesen: Verein will Schloss Putbus auf Rügen wieder aufbauen.

Spendenkonto für das Schloss Putbus:

  • Sparkasse Vorpommern
  • IBAN: DE43 1505 0500 0102 0833 63
  • BIG: NOLADE21GRW

„Inzwischen haben viele Bürger ihre Bereitschaft zur Mitarbeit an dem Projekt erklärt und Spenden angekündigt.“ Nun gelte es, die Debatte um den Wiederaufbau zu fördern. Dazu wolle der Verein online über die Geschichte des bedeutendsten Schlosses Rügens und die jahrzehntelange Städtebausanierung in der einstigen Fürstenresidenzstadt informieren. Vorbereitet werde ein Pressearchiv mit bis zu 70 Jahre alten Medienberichten in Wort, Bild und Ton.

Vorbilder in Berlin und Demmin

Auch Erfahrungen aus dem Wiederaufbau anderer historischer Ensembles wie den Neubau des Demminer Rathauses oder des Stadtschlosses in Berlin würden vorgestellt, sagte Seegert. Was anderenorts möglich sei, müsse auch auf Rügen möglich sein, sagt Vereinsmitglied Torsten Seegert und erinnert an die 1968 gesprengte Pauliner Kirche in Leipzig, an deren Stelle 2017 das sogenannte Paulinum eröffnet wurde.

Auch die 2005 wiedererrichtete Frauenkirche in Dresden, das für über 600 Millionen Euro in Bau befindliche ehemalige Stadtschloss von Berlin, das vor wenigen Jahren wiedereingeweihte Stadtschloss von Potsdam und der begonnene Wiederaufbau der Garnisonskirche in Potsdam seien Belege für die Wiederentstehung national bedeutender Kulturgüter, die einst durch Krieg und SED-Diktatur verloren gegangen seien.

In Mecklenburg-Vorpommern sei bislang nur das zu Kriegsende abgebrannte historische Rathaus der Hansestadt Demmin zwischen 1997 und 1998 weitgehend originalgetreu im Stadtzentrum wiedererrichtet worden.

Was wird aus dem Schloss Putbus?

Im Internet will der Verein zudem erste gesammelte Nutzungsvorschläge und -möglichkeiten für ein wiedererrichtetes Schloss Putbus publizieren. Die Kosten für einen möglichen Wiederaufbau beziffern Experten heute auf etwa 60 Millionen Euro.

Das Herrenhaus, das 1872 nach einem verheerenden Brand sieben Jahre zuvor im Stile der Gründerzeit errichtet worden war, gibt es seit 55 Jahren nicht mehr. Nur noch die einstige Schlossseeterrasse mit der Pergola existiert es noch. Die Fundamentreste liegen unter einer dichten Grasnarbe.

Ursprung im „Steinernen Haus“

Das einstige Anwesen hatte seine Wurzeln im sogenannten „Steinernen Haus“, das 1371 als erster Wohnsitz derer zu Putbus entstanden war. Bekannt sind insgesamt sieben Bauphasen in fünf Architekturstilen, vor allem das 1827 bis 1833 von Ortsgründer Fürst Wilhelm Malte I. nach Entwürfen des Berliner Architekten Johann Gottfried Steinmeyer gebaute Schloss, das nach dem zerstörerischen Brand 1865 im Stil des Neoklassizismus wiedererrichtet worden war.

Von den Nationalsozialisten enteignet, wurde das Schloss zum Ende des Zweiten Weltkrieges von militärischen Dienststellen unter anderem als Lazarett genutzt. Nach Kriegsende wurde es geplündert und diente zeitweise als Kindergarten, Schauspielschule und Berufsschule.

Auf Drängen der Denkmalpflege begann in den 1950er Jahren die Wiederherstellung des bedeutendsten Profanbaus Rügen. Sie scheiterte jedoch an finanziellem und fachlichem Mangel sowie an einem Wasserschaden durch die im Obergeschoss installierte Regenwasserzisterne.

Das „Todesurteil” wurde am 9. April 1957 gesprochen, als der damalige stellvertretende DDR-Kulturminister Alexander Abusch (SED) den Rat des Bezirkes Rostock anwies, das Schloss abzureißen. Nach dem Rückbau und mehreren Sprengungen wurden die Überreste bis 1964 einplaniert.

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