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Sprungbrett für Mütter und Väter

Anett Milhahn (links) und Claudia Sterna lernen im Elternzeit-Projekt, wie Präsentationen mit dem Computer angefertigt werden.
Anett Milhahn (links) und Claudia Sterna lernen im Elternzeit-Projekt, wie Präsentationen mit dem Computer angefertigt werden.
Jörg Spreemann

Im Projekt Elternzeit bilden sich Frauen und Männer aus der Region weiter. Oft geht es dabei um Büroprogramme am Computer oder auch Englisch.

Anett Milhahn befindet sich im Mutterschutz und sitzt trotzdem am Computer. Die Neustrelitzerin erwartet bald ihr Baby. In ihrem Beruf als Heilerzieherin darf sie derzeit nicht arbeiten, weil der schwere Job für die Schwangere Risiken mit sich bringt. Die 31-Jährige macht sich vor der Geburt fit für die Zeit, wenn sie beim Verein Lebenshilfe in Neustrelitz wieder in ihrem Beruf arbeiten wird. "Ich wollte jetzt nicht rumsitzen und warten, was der Tag so bringt. Außerdem wird er Arbeitgeber nicht durch Fehlzeiten belastet", begründet sie. Und direkt nach der Geburt werde sie sicherlich sehr beschäftigt sein, ahnt sie erwartungsvoll.

Die werdende Mutter gehört zu den gut 80 Frauen und zwei Männern, die sich in den vergangenen zwei Jahren im Projekt "Potential Elternzeit" beim Bildungsdienstleister ISBW qualifiziert haben. Anett Milhahn nutzt die Chance, um bei Textverarbeitung oder Tabellenkalkulation am Computer voran zu kommen. Das helfe ihr unter anderem, die Dokumentationen, die bei der Betreuung Behinderter gefordert werden, schneller anzufertigen. "Ohne Schulung macht man vielleicht 100 Klicks, wo man eigentlich nur zehn braucht", sagt sie.

Annegret Pautsch vom ISBW begleitet das Elternzeit-Projekt seit dem Start. "Meist waren es Arbeitnehmer, die sich bei uns informiert haben und dann auf ihre Arbeitgeber zugegangen sind", erläutert sie. Die Verantwortlichen in den Firmen selbst sind nach ihrer Ansicht oft der Meinung, dass sie bereits genügend Angebote für ihre Mitarbeiter anbieten. Die Liste der Berufe, auf aus denen in Neubrandenburg, Neustrelitz oder Waren die Teilnehmer der Kursen kommen, ist lang. Lehrerinnen haben sich ebenso weiter gebildet wie Altenpflegerinnen, Bauzeichner, Kellnerinnen oder auch eine Pferdewirtin. "Meist bieten wir Einzelunterricht an", so Annegret Pautsch. Nicht nur der Umgang mit Büroprogrammen werde unterrichtet, sondern auch Englisch oder Grundregeln der Selbstdarstellung.

Das Projekt erweise sich auch als Sprungbrett für Mütter und Väter, sich beruflich zu verändern, lautet ein ihrer Erfahrungen. Eine Familie ändere vieles und sorge für neue Überlegungen. "Die ganze Woche über auswärts zu arbeiten, passt nicht mehr ins Familienleben, wenn Kinder geboren wurden", sagt die ISBW-Projektbetreuerin. Noch immer gebe es Nachfragen für den Einstieg ins Programm. Doch die Zeit wird knapp - am Jahresende ist Schluss.