VERBIETEN ODER ERLAUBEN?

Städte in MV verzichten größtenteils auf Glyphosat

Der Unkrautvernichter Glyphosat ist umstritten. Das Pflanzenschutzmittel wird nicht nur von Landwirten versprüht. In Städten kommt es ebenfalls zum Einsatz – auch in Mecklenburg-Vorpommern?
dpa
Ganz verbannt ist das umstrittene Pflanzenschutzmittel in Städten in MV nicht – in manchen Städten wird es noch versprüht
Ganz verbannt ist das umstrittene Pflanzenschutzmittel in Städten in MV nicht – in manchen Städten wird es noch versprüht (Symbolbild). Patrick Pleul
Schwerin.

Städte in Mecklenburg-Vorpommern verzichten auf Stadtflächen größtenteils auf den Einsatz von Glyphosat zur Unkrautbekämpfung. Das ergab eine stichprobenartige Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Nach Angaben des Deutschen Städtetags geht seit Jahren eindeutig der Trend dahin, dass immer weniger Städte Glyphosat einsetzen.

Ganz verbannt ist das umstrittene Pflanzenschutzmittel in Städten im Nordosten nicht – in manchen Städten wird es noch versprüht. Dafür nehmen einige andere Verbote für das umstrittene Pflanzenschutzmittel in Pachtverträge auf oder wollen dies in Zukunft tun.

Wismar

Wie die Stadt mitteilte, wird Glyphosat seit Jahren nicht mehr auf Grünflächen genutzt. In Wismar werde Unkraut mit heißem Wasser bekämpft oder abgebrannt – in Beeten werde es per Hand entfernt. Ein Glyphosat-Verbot für verpachtete Flächen gebe es derzeit nicht.

Greifswald

In Greifswald werden keine chemischen Pflanzenschutzmittel auf innerstädtischen Flächen eingesetzt, etwa auf Friedhöfen, Parks oder Grünanlagen, wie die Stadt mitteilte. Wildkräuter würden stattdessen gehackt oder geschnitten. Auch in stadteigenen Wäldern würden keine chemischen Pflanzengifte versprüht – eine Ausnahme habe es 2017 gegeben, wo man fünf Liter „Roundup” auf einer Fläche von sieben Hektar eingesetzt habe.

„Roundup” ist ein Unkrautvernichter, der Glyphosat enthält. Die Stadt betont aber: „Das Mittel wurde nicht als Totalherbizid eingesetzt”. 2018 sei kein Glyphosat benutzt worden. Auf verpachteten Flächen gebe es derzeit keine Verbote: „Der Verzicht auf Glyphosat ist eine angestrebte Regelung”, teilte Oberbürgermeister Stefan Fassbinder mit.

Neubrandenburg

Neubrandenburg hat laut eigenen Angaben noch nie Glyphosat auf Grünflächen genutzt. Stattdessen werde Unkraut etwa mit Maschinen oder per Hand entfernt. Ein Verbot für Glyphosat auf verpachteten Flächen der Stadt gebe es nicht.

Schwerin

In der Landeshauptstadt von MV wird seit vielen Jahren auf den Einsatz von Pestiziden auf städtischen Grünflächen verzichtet, wie die Verwaltung mitteilte. Glyphosatfrei ist Schwerin damit nicht: „Auf einem Großteil der verpachteten landwirtschaftlichen Flächen werden im Rahmen des konventionellen Anbaus immer noch Pestizide, mitunter auch Glyphosat eingesetzt”, teilt die Stadt mit.

Ein Stadtvertreterbeschluss von 2018 solle dies ändern. Dort ist festgehalten, dass der generelle Einsatz von Pestiziden bis spätestens zum Ende der aktuellen Pachtverträge eingestellt werden soll. Neue und zu verlängernde Pachtverträge sehen eine komplett pestizidfreie Bewirtschaftung der Flächen vor. Auf den Schotterbetten der Straßen der Schweriner Straßenbahn werde aktuell noch Glyphosat eingesetzt, was sich mit dem Beschluss bis 2020 ebenfalls ändern soll.

Auch Kleingärtner müssten sich umstellen: „In Kleingartenvereinen auf städtischem Pachtland dürfen seit einer Änderung des Generalpachtvertrages in 2019 keine Pestizide mehr eingesetzt werden.”

Stralsund

Stralsund hat den Einsatz von Glyphosat vergangenes Jahr auf landwirtschaftlich genutzten Flächen erlaubt – dazu gehören auch Flächen auf der Insel Rügen.

Neustrelitz

Das Gegenteil ist in Neustrelitz der Fall: Hier wird seit vergangenem Jahr ein Glyphosatverbot für stadteigene Äcker, Wiesen und Gärten in Pachtverträge mit aufgenommen.

Rostock

Rostock benutzt nach eigenen Angaben seit vielen Jahren kein Glyphosat mehr auf Stadtflächen – auch kommunale Unternehmen verzichten auf den Wirkstoff. Nach einem Bürgerschaftsbeschluss von 2018 werde das Totalherbizid auch nicht mehr auf den stadteigenen Ackerflächen eingesetzt.

Doch auch hier gibt es eine Ausnahme: Auf den Schottergleisen der Rostocker Straßenbahn (RSAG) wird derzeit noch Glyphosat versprüht. In Zukunft solle sich das ändern: „Die RSAG ist zusammen mit anderen deutschen Straßenbahnunternehmen auf der Suche nach Alternativen”.

Bei allen neuen Pachtverträgen seit dem Beschluss von 2018 sei das Glyphosatverbot mit aufgenommen worden. In den 160 bestehenden Vertragsverhältnisse ist das Verbot laut Hansestadt nicht enthalten – alle anschließenden und zu verlängernden Verträge würden in Zukunft allerdings nur mit der Verbotsklausel geschlossen werden.

Unkraut wird in Rostock unter anderem geschnitten und abgeflammt. Zudem zeigt sich die Stadt kreativ: Seit fünf Jahren würden zwei sogenannte „Fugenteams” eingesetzt, um Wege vom Unkraut zu befreien.

Genehmigung von Glyphosat-Einsätzen

Beim Umgang der Kommunen mit Glyphosat ist zwischen städtischen Grünflächen, sogenanntem Nichtkulturland und verpachteten Flächen zu unterscheiden. Auf Grünflächen wenden es die meisten Kommunen längst nicht mehr an. Beim Nichtkulturland – Straßen, Wegen, Gleisanlagen, Betriebsflächen oder Hafengeländen – braucht es für einen Glyphosat-Einsatz laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eine ausdrückliche Genehmigung.

Diese würden von den Pflanzenschutzdiensten auf Landesebene aber durchaus noch regelmäßig erteilt, sagt Corinna Hölzel. Sie ist beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Deutschland für Pestizidpolitik zuständig.

Eine Unterbehörde der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte den Wirkstoff als „wahrscheinlich krebserregend” ein, andere Behörden und Studien betrachten es bei sachgemäßer Handhabung als sicher.

Folgen für die Artenvielfalt

Naturschützer beklagen allerdings vor allem die negativen Folgen des Totalherbizids für die Artenvielfalt. Bundesumwelt- und Landwirtschaftsministerium streiten seit weit mehr als einem Jahr über Einschränkungen für die Anwendung.

2017 hatten die EU-Staaten die Glyphosat-Zulassung für fünf Jahre bis Ende 2022 verlängert. Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) erwartet, dass es keine Verlängerung geben wird.

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