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Behörde veröffentlicht MfS-Fotos

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Stasi-Bilder geben Rätsel auf

C wie Bezirk Neubrandenburg. Das Kennzeichen des Trabants führt in den Bezirk Neubrandenburg.
C wie Bezirk Neubrandenburg. Das Kennzeichen des Trabants führt in den Bezirk Neubrandenburg.
BStU

Die Jahn-Behörde hat jetzt alte Stasi-Fotos veröffentlicht, zu denen es mehr Fragen als Antworten gibt. Sie hofft nun auf Hinweise aus der Bevölkerung.

Die Fotos sehen aus wie aus einem Agentenfilm: Irgendwo erfasst ein Objektiv zwei Personen. Häuser, versteckt zwischen Hügeln, sind zu erkennen. Ein kleiner Junge an einem Hofeingang. Die Ränder der Bilder verlaufen schwarz und geben den Bildern etwas Spionagehaftes.

Kein Wunder: Stammen die Fotos doch vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS), dessen Sammelleidenschaft für Geschichten, Dokumente, Geheimnisse, Tonaufzeichnungen und eben auch Fotos legendär war.

Das kilometerlange Akten-Sammelsurium wird seit 1990 vom Bundesbeauftragten für die Unterlagen der Stasi (BStU) verwaltet, zurzeit ist das Roland Jahn. Bis auf die Herkunft der genannten Fotos aus der Hauptabteilung (HA) XX des MfS ist nicht viel bekannt über die insgesamt rund 50 Bilder, die als Negativ-Film irgendwo zwischen einem Aktenstapel im Berliner Archiv der Behörde entdeckt wurden.

Online-Projekt „Spurensuche“ soll Hinweise bringen

Die HA XX bildete laut Jahn-Behörde den Kernbereich der „politischen Repression und Überwachung der Staatssicherheit“. Die Hauptabteilung und die ihr nachgeordneten Abteilungen beziehungsweise „Linien“ XX in den Bezirksverwaltungen und den Kreisdienststellen (KD) überwachten wichtige Teile des Staatsapparates wie die Justiz, das Gesundheitswesen und bis 1986 das Post- und Fernmeldewesen.

Außerdem wurden durch die hauptamtlichen und inoffiziellen Mitarbeiter (IM) der Abteilungen XX die Blockparteien und Massenorganisationen in der DDR, der Kultur- und Sportbereich, die Medien und die Kirchen sowie SED-Sonderobjekte und Parteibetriebe im Auge behalten. „Federführend war die HA XX auch bei der Bekämpfung der ‚politischen Untergrundtätigkeit‘ (PUT), also der Opposition“, heißt es von der Jahn-Behörde.

Nicht zuletzt aufgrund dieser komplexen Überwachungsaufgaben ist die BStU daran interessiert, mehr über die Fotos zu erfahren. Deshalb wurden die Bilder im Rahmen des Projekts „Spurensuche“ ins Internet gestellt, um die Öffentlichkeit insbesondere in die Identifizierung der Häuser beziehungsweise Landschaften einzubeziehen.

Veröffentlichung im Internet brachte bisher keinen Durchbruch

Der wichtigste Hinweis auf den Bildern stammt vom Kennzeichen eines fotografierten Trabants: CJ 53-32. Das „C“ stand zu DDR-Zeiten für den Bezirk Neubrandenburg. Zudem soll das Kennzeichen darauf verweisen, dass das Auto im damaligen Kreis Neustrelitz angemeldet worden war.

Auch die Veröffentlichung im Internet brachte bisher keinen entscheidenden Durchbruch. Auch in der Neubrandenburger Außenstelle der BStU hat man sich die Fotos aufmerksam angeschaut. Aber Chefin Marita Richter kann auch nur mit den Schultern zucken: „Wir haben nichts erkannt.“

Aber wie kam es dazu, dass die bekanntermaßen ordnungsliebende Stasi Negative nicht den entsprechenden Untersuchungsvorgängen beigeordnet hat? Das, so der BStU-Archivar, habe wohl mit dem Chaos in der Wendezeit zu tun: Akten wurden verbrannt, zerrissen und von den Kreisdienststellen in die Bezirksbehörden geschafft, die darauf nicht eingestellt waren.

Hinzu kam die Erstürmung der Stasi-Zentrale in Berlin Anfang 1990, bei der einiges zu Bruch ging. Die BStU-Archivare hoffen nun, dass Nordkurier-Leser mithelfen können, das Rätsel um die Fotos zu lösen. Hinweise können per Formular auf der Internetseite der BStU gegeben werden.