Verkehr
Staugefahr zu Ostern nach Usedom und Rügen

Ostsee-Autobahn: Auch die Behelfsbrücke über das A20-Loch bei Tribsees wird zu Ostern Autofahrer auf Geduldsprobe stellen, die in Richtung Usedom oder Rügen wollen.
Ostsee-Autobahn: Auch die Behelfsbrücke über das A20-Loch bei Tribsees wird zu Ostern Autofahrer auf Geduldsprobe stellen, die in Richtung Usedom oder Rügen wollen.
Bernd Wüstneck

Wer zu Ostern nach Usedom und Rügen fahren möchte, muss sich auf Staus einstellen. A20, A19, A24, A11, A10: Auf den Autobahnen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg wird's in Richtung Ostsee eng.

Das verlängerte Osterwochenende steht vor der Tür. Die Automobilclubs ADAC und ACE* sagen von Gründonnerstag (18. April) bis Ostermontag (22. April) zahlreiche Staus und Staugefahr auf den Autobahnen voraus.

Stau in MV und Brandenburg

Denn die Fernstraßen dürften sich in alle Richtungen füllen. In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg wird auf den Autobahnen in Richtung Ostsee Geduld gefragt sein. Vor allem die Behelfsbrücke auf der A20 bei Tribsees – hier geht es pro Richtung auf nur einer Spur bei maximal 60 km/h über das große Autobahnloch – wird den Autofahrern einiges an Geduld abverlangen. Notgedrungen nimmt man das aber in Kauf, wenn ein erholsamer Urlaub auf Usedom oder Rügen lockt.

Auch wo sich die A20 und die A19 südlich von Rostock kreuzen, könnten die Stautipps, die Sie am Ende dieses Artikels finden, helfen, die lange Wartezeiten gut zu überstehen. Denn Achtung: eine schwache Blase könnte richtige teuer werden!

Staurisiko in Richtung Ostsee

Sowieso wird die A19 ein staukritisches Pflaster werden: Stillstand droht nämlich auch zwischen Güstrow und Alt Schwerin/Malchow sowie bei der Abfahrt von der A24.

Letzteres wird vor allem für die Osterurlauber bitter werden, die gerade aus Richtung Berlin gekommen sind und sich dort schon über die A10 kämpfen mussten. Aber auch die Alternativ-Route über die A11 in Richtung Ostsee wird zumindest auf den ersten Kilometern voll.

Nadelöhre nach Rügen und Usedom

Wer es fast an die Ostsee geschafft hat, sieht sich mehreren Nadelöhren gegenüber. In Stralsund geht es über die neue Rügenbrücke auf die Insel Rügen – eine traditionelle Staustelle, gegen die das Verkehrsleitsystem helfen soll. Dieses kann bei Bedarf den Verkehr auf insgesamt drei Spuren verteilen. Ob das reichen wird, bleibt abzuwarten.

Nur zwei Wege führen den Straßenverkehr nach Usedom: die Brücken in Wolgast und Zecherin hinter Anklam. Sich hier zu entscheiden, wird zu Ostern mehr Qual als Wahl werden. Zumal die B111 auf der Insel Usedom zu Ferienzeiten ebenfalls regelmäßig überlastet ist.


(Karte: ACE, zum Vergrößern bitte anklicken.)

An diesen Tagen besonders viel Verkehr

Da ist es ratsam, sich vorher über die Reisezeit Gedanken zu machen. Wie beide Automobilclubs mitteilen, dürften sich erste Reisende bereits am Mittwochnachmittag auf den Weg machen und für stärkeren Verkehr sorgen. Die längsten Staus erwarten die Experten allerdings ab Donnerstagnachmittag. Auch der etwas ruhigere Karfreitag kann mit Staus die Nerven strapazieren, vor allem am Vormittag.

Samstag sieht es laut ADAC „deutlich besser” aus, während der ACE noch viel Reiseverkehr voraussagt. Beide raten zum ruhigen Ostersonntag als alternativen Reisetag. Das bringt all denen nur nicht viel, die ein schönes langes Wochenende zu Ostern planen – zumal die Wetteraussichten rosig sind.

Ein weiterer Stauhöhepunkt droht ab dem Mittag des Ostermontags aufgrund des Rückreiseverkehrs – speziell in nördlicher und westlicher Richtung.

Staugefahr in Österreich und der Schweiz

Analog zum Verlauf in Deutschland dürfte sich die Verkehrslage in Österreich und der Schweiz entwickeln. So müssen Autofahrer mit hoher Staugefahr besonders am Donnerstag und Ostermontag (vor allem Richtung Norden) auf den Transitstrecken rechnen. Freitag und Samstag ist zuweilen noch viel los, während die Clubs eine entspanntere Lage am Ostersonntag erwarten.

Am Gotthardtunnel ist mit Wartezeiten und Blockabfertigungen rechnen. Hier nennt der ACE die A13 über San Bernardino als Ausweichroute. Das lohne sich ab einer Verzögerung von einer Stunde. Mögliche Zeitverluste sind aufgrund stichprobenartiger Verkehrskontrollen bei der Rückreise von Österreich nach Deutschland möglich.

Stau-Tipps für Autofahrer

Rund um Ostern werden viele Autofahrer wieder auf eine Nervenprobe gestellt: In den Ferien drohen Staus. Wie gehen sie am besten damit um, wenn sich nichts mehr bewegt auf der Straße? Und wie meiden sie Staus? Fragen und Antworten im Überblick:

Im Radio kommt eine Staumeldung – umfahren oder nicht?

Wenn im Verkehrsfunk die Durchsage kommt, dass es sich auf der geplanten Route staut, stehen Autofahrer vor dieser Frage. Sind sie schon nah dran, ist eine Umfahrung nach Einschätzung des ARCD* meist weniger sinnvoll. Denn auch Ausweichrouten sind schnell überlastet. Schlimmstenfalls dauert es dort länger, als im Stau zu warten, bis dieser sich auflöst.

Wenn es sich nicht gerade um eine Vollsperrung handelt, ist das Ausharren in der Blechlawine aus Erfahrung des ARCD oft mit weniger Wartezeit verbunden als das Ausweichen. Eine großräumigere Umfahrung kann sich dagegen aus Sicht der Experten schon eher lohnen.

Kann ich Staus mit richtiger Planung vermeiden?

Ja, zum Teil. Freitagnachmittag, wenn viele Pendler unterwegs sind, und am Beginn oder Ende von Ferien ist das Staurisiko hoch. Wer kann, fährt laut ARCD lieber antizyklisch, also nicht zu Stoßzeiten. Auch eine gute Streckenplanung hilft. So gibt es gerade an Samstagen, wenn in Hotels und Apartments Bettenwechsel ist, überlastete Autobahnen aus und in Richtung der Ferienregionen. Wer mehr Zeit mitbringt, kann hier alternativ planen und etwa mit einer Zwischenübernachtung die Strecke über Landstraßen fahren.

Wie verhalte ich mich in der Blechlawine?

Ganz wichtig: eine Rettungsgasse bilden, und zwar zwischen der äußeren linken und der mittleren Spur. Ansonsten ist Geduld gefragt. Ständige Spurwechsel bringen keine zeitlichen Vorteile. Zudem hat man lieber vorgesorgt und ausreichend Getränke und Snacks im Auto.

Was ist beim Einfädeln zu beachten?

Oft bilden sich Staus, weil ein Fahrstreifen endet und etwa statt drei nur noch zwei Spuren zur Verfügung stehen. Viele Autofahrer scheren an solchen Stellen zu früh ein oder fahren zu sehr auf. Die Folge davon ist immer wieder Stillstand.

Richtig geht es laut ACE so: Erst direkt vor der Engstelle fädeln sich die Autos auf die Nebenspur ein, schön nach dem Reißverschlussprinzip. Damit das klappt und der Verkehr dabei weiter fließt, ist ausreichend Abstand wichtig.

Was ist, wenn die Blase drückt?

Das menschliche Bedürfnis ist verständlich, doch die Regeln sind klar: Autobahnen zu betreten, ist generell verboten, informiert der Tüv Thüringen. Das gilt auch im Stau. Zehn Euro Bußgeld drohen.

Davon ausgenommen ist nur der Fall einer Fahrzeugpanne, bei dem Betroffene das Fahrzeug verlassen und zum eigenen Schutz hinter die Leitplanke klettern. Wenn das Auto den anrollenden Verkehr behindert, weil der Fahrer austritt, drohen je nach Dauer 30 bis 70 Euro Strafe.

Dazu kommt: In der Öffentlichkeit zu pinkeln, ist grundsätzlich untersagt und wird je nach Stadt oder Kommune unterschiedlich hart bestraft. Darum raten die Experten: Menschen mit schwachen Blasen sollten eventuell über die Anschaffung eines sogenannten Notfall- oder Taschen-WCs nachdenken.

*ADAC: Allgemeiner Deutsche Automobil-Club
ACE: Auto Club Europa

ARCD: Auto- und Reiseclub Deutschland