WENN DAS MAL GUT GEHT

Steuerzahler sollen mit 900 Millionen Euro für MV Werften bürgen

Hunderte Millionen von Steuergeldern sind bereits in die vorübergehende Rettung der MV Werften geflossen. Jetzt wird es schon wieder richtig teuer.
Während es rund um die MV Werften brodelt, ist man im im Umfeld der Landesregierung über so manche Entscheidung der
Während es rund um die MV Werften brodelt, ist man im im Umfeld der Landesregierung über so manche Entscheidung der Werft-Leitung irritiert. Bernd Wüstneck
Schwerin ·

3000 Jobs auf den Werftstandorten in Warnemünde, Wismar und Stralsund sind gefährdet, 10.000 Arbeitsplätze in der Zuliefererindustrie stehen auf der Kippe – und das in Wahlkampfzeiten. Ein hochexplosives politisches Gemisch. Während es rund um die MV Werften brodelt, ist man im im Umfeld der Landesregierung zumindest über so manche Entscheidung der Werft-Leitung irritiert.

Lesen Sie auch: MV Werften: Haben Mega-Kreuzfahrtschiffe im Corona-Zeitalter eine Zukunft?

Nach Informationen des Nordkurier war die Regierungsriege um Ministerpräsidentin Manuela Schwesig in dieser Woche äußerst verschnupft darüber, dass man nicht über die jüngsten personellen Wechsel in der Führung der MV Werften unterrichtet worden ist. Der Vertrag von Geschäftsführers Peter Fetten war überraschend nicht verlängert worden. Neu in der Geschäftsführung ist jetzt unter anderem der Vize-Chef des Mutterkonzerns Genting in Hongkong, Colin Au. Während letztere Personalie durchaus als Indiz gewertet werden könnte, dass sich Genting bei den MV Werften weiter einbringt, kommt das Fetten-Aus der Landesregierung eher ungelegen. Fetten galt als Mann, der auch offen für andere Geschäftsfelder als den Bau von riesigen Kreuzfahrtschiffen war.

Mehr lesen: MV-Werften: Job-Ende für Hunderte Schiffbauer in Stralsunder Werft

Pikanterie am Rande: Fetten soll – so war aus Werftkreisen zu vernehmen – von seinem Vertragsende erst unmittelbar zuvor per Mail erfahren haben.

Unabhängig davon, die MV Werften und auch die Landesregierung haben gleich mehrere große Baustellen zu beackern, um das durch die Corona-Pandemie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratene Unternehmen in sicheres Fahrwasser zu führen.

Im Frühsommer war es Rettung in letzter Minute

Zur Erinnerung: Nach zähen Verhandlungsmonaten zwischen Bund, Land MV und Genting war es im Frühsommer in letzter Minute gelungen, die MV Werften mithilfe von 500 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Bundes unter einen Rettungsschirm zu schleppen.

Das könnte Sie auch interessieren: Segelschulschiff: Gorch Fock bei Probefahrt wegen Motorschaden abgeschleppt

Mit diesem Geld ist zumindest die Fertigstellung der Global Dream gesichert. Die Auslieferung des 342 Meter langen und 20 Decks hohen Schiffs ist für Mitte 2022 geplant. Doch was folgt dann? Eine Hoffnung, dass es über das Jahr 2022 mit dem Schiffbau an der Ostseeküste weiter geht, wäre das Nachfolgeschiff der „Global Dream“, die „Global Dream 2“ – ebenfalls ein riesiges Kreuzfahrtschiff für die Meere in Asien. Allerdings ist die Finanzierung des Schiffs, das ein Bauvolumen von rund 1,5 Milliarden Euro hat, noch längst nicht gesichert. Um überhaupt eine Finanzierung des Ozeanriesen auf die Beine zu stellen, sind die MV Werften auf eine riesige Bürgschaftssumme von Bund und Land MV zur Absicherung angewiesen. Nach Recherchen des Nordkurier müssten Berlin und Schwerin je 450 Millionen Euro als Bürgschaft einbringen.

Fraglich aber ist immer noch, wie hoch die Eigenkapitalbeteiligung von Genting ist und ob alle drei Standorte in MV künftig gehalten werden können. Nicht zu vergessen: Ende des Jahres läuft die Transfergesellschaft aus, in der 600 Werftarbeiter, deren Jobs weggefallen waren, vorübergehend Unterschlupf gefunden hatten, um neue Arbeitgeber zu finden.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Schwerin

zur Homepage

Kommentare (5)

So geht Wettbewerb.

Ausländische Investoren mit deutschen Steuergeldern wettbewerbsfähig halten.

Kein Wunder wo das ganze Geld hin ist. Es ist ja mittlerweile deutscher Usus geworden, ausländische Investoren, ob Bank, Autokonzern oder Schiffbau, nicht nur einzuladen, sondern diese auch noch mit Steuergeldern zu locken.

Ist das nicht schon Wirtschaftskriminalität auf Staatsebene?

Nö. Ich wäre dafür Pensionen zu kürzen und die Vermögenssteuer wieder einzuführen. Aber Reiche und Unternehmer stärker besteuern geht gar nicht.
Während der Staat und das Volk in Coronazeiten massig miese machen, konnten Millionäre und Unternehmer Gewinne machen und wurden vom Staat finanziell unterstützt.
Aber solange schafe die Worte von afd und fdp glauben (das wäre Kommunismus) werden die Reichen reicher und der Mittelstand und die Armen ärmer.

Sie, also die, nennen sowas wirtschaftliche Impulse oder Anreize zu setzen.

Also ich nenne sowas ja Liquidierung von Insolvenzmasse, wenn der Geschäftsführer mir seine auf Pump finanzierten Gürtel außerhalb des Ladens förmlich hinterherschmeißt, nur damit er irgendwie seiner Ratenzahlung nachkommen kann, bevor die Gürtel bei der Insolvenz auch noch gepfändet werden.

Im Kleinen eine gescheiterte Selbstständigkeit. Im Großen eine gescheiterte Marktwirtschaft.

Hoffentlich kommt der Deutsche nur nie auf die Idee und will mal ins Sparschwein sehen, wo sein Geld eigentlich ist, sonst muss man ihm noch ein Fernglas reichen.

Ich denke, das regelt alles der Markt. Wieso regelt das ständig die Regierung? Mittlerweile steckt soviel Kohle in der ständigen "Rettung" - davon hätte man alle Mitarbeiter wahrscheinlich schon in den Ruhestand schicken können - bei vollen Bezügen bis zur Rente. Da doch lieber ein Ende mit Schrecken. Laden dicht -fertig. Passiert doch sowieso irgendwann. Das Steuergeld fremden Investoren in den Hintern zu blasen, bringt nichts. Das haben wir nun schon seit gefühlt 30 Jahren.

gibt beim Auftrag zum Bau eines Schiffes den Kaufpreis als Dankeschön dazu, Hauptsache wir haben Werften im Land koste es was es wolle.