RÜGEN, USEDOM UND CO.

Storno-Welle an der Ostsee – Wer muss jetzt zahlen?

Rund 30 Städte und Landkreise gelten als Risikogebiet. Mitten in den Herbstferien stornieren viele ihre Unterkunft. Wer die Kosten trägt, ist oft unklar.
Wegen der Corona-Infektionen in Berlin werden derzeit jede Menge Reisen nach Usedom, Rügen und in andere Tourismus-Gebiet
Wegen der Corona-Infektionen in Berlin werden derzeit jede Menge Reisen nach Usedom, Rügen und in andere Tourismus-Gebiete von MV storniert. Viele verhinderte Urlauber hoffen auf Kulanz der Vermieter. Swen Pförtner
Schwerin.

Die Corona-Fallzahlen aus Berlin treffen die Tourismus-Branche besonders hart. Dass die Hauptstadt zum Beginn der dortigen Herbstferien als Risikogebiet eingestuft wurde, betrifft zahlreiche Hotels und Feriendomizile von der Müritz bis nach Usedom.

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Laut Schätzungen des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA kamen 30 bis 40 Prozent der Buchungen für die nächsten Wochen aus Berlin. Die Stornierungen machen sich seit dem Wochenende bei vielen Betrieben bemerkbar. Denn: In MV gelten für die Einreise aus Risikogebieten besonders strenge Regeln.

Der Kniff mit der Einreise

Bei Vermietern und Reisenden stellt sich nun vielfach die Frage: Wer kommt für die Kosten auf? Können die Betriebe nun Stornogebühren verlangen, um die wegbrechenden Umsätze abzufedern? Müssen Gäste unter Umständen sogar den vollen Preis für ein ungenutztes Zimmer zahlen?

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In Mecklenburg-Vorpommern werden sich damit wohl bald so mancher Anwalt und am Ende vielleicht auch Gerichte befassen müssen. Denn die individuelle Regelung der Landesregierung führt derzeit zu ganz unterschiedlichen Rechtsauffassungen. Anders als zum Beispiel in Brandenburg besteht in MV kein generelles Einreiseverbot für Touristen aus Risikogebieten. Im Gegenteil: Die dürfen explizit kommen. Die verhängten Quarantäne-Auflagen sind mit einem Urlaub aber kaum vereinbar. Gäste müssen sich in der Regel 14 Tage absondern, Ausnahmen können genehmigt werden, wenn die Urlauber durch zwei negative Corona-Tests im Abstand mehrerer Tage nachweisen, dass sie nicht infiziert sind.

Unsichere Rechtslage

Bei der Verbraucherzentrale des Landes warnt man vor der unsicheren Rechtslage. Klare Regelungen oder Präzedenzurteile gebe es nicht. Jeder Fall müsse individuell betrachtet werden. Kostenlose Stornierungen sind nach deutschem Recht dann zulässig, wenn „unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände“ vorliegen. Ob das für die aktuellen Fälle zutrifft, läge wohl an der Auslegung des jeweiligen Gerichts. Dass die Entwicklung der Corona-Pandemie Auswirkungen auf Reise-Regeln in MV hat, kam jedenfalls nicht überraschend. Die entsprechende Verordnung ist bereits seit Monaten gültig.

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Beim Einreiseverbot im Frühjahr sah das für die Kunden noch anders aus. Die Urlauber durften nicht kommen, also die gebuchten Leistungen nicht in Anspruch nehmen. Damit hatten sie den Ausfall in der Regel nicht zu verantworten.

Hoffen können die Betroffenen allerdings auf Kulanz der Vermieter. Denen steht es frei, auf Stornogebühren zu verzichten, Gutscheine oder Ausweichtermine anzubieten. Damit blieben Hotels und andere Betriebe allerdings auf enormen Ausfällen sitzen. Ob das Land dafür ein neues Hilfspaket auflegt, um die Betrieb zu stützen, ist noch offen.

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Kommentare (1)

Wie in unseren Fahrradurlauben in NRW und Bayern im Frühjahr und Spätsommer betrifft meine größte Angst den Fall, dass ich mal wieder (wie im Februar in meinem Berlinurlaub) im Urlaub einen heftigen grippalen Infekt bekomme. Dann darf das Hotel mich ja nicht mehr übernachten lassen (Coronasymptome) und ich muss vielleicht nach einem anstrengenden Urlaubstag mit Fieber 450km über die nächtlichen Straßen nach Hause fahren - nun Gottseidank mit dem Auto statt dem E-Bike. Da haben die Bürokraten wohl nicht richtig nachgedacht, ob ihre Regeln sinnvoll sind oder Gefahren erhöhen ! Aber ein paar mehr Verkehrstote berühren ja die Beamten- und Ministerbezüge nicht.
Die Stornorisiken bei plötzlicher Qualifizierung zum Risikogebiet sind dagegen nicht mein Problem - auch wenn meine Buchung über HRS zur Folge hat, dass das Hotel eine deftige Provision zahlt (25% ?) Aber der Wohlstand der Hoteliers betrifft die Bezüge der Beamten und Minister ja nicht.....