Gewerkschaft

Streikwelle im Handel könnte Weihnachtsgeschäft verhageln

Selten war ein Tarifkonflikt im Einzelhandel so festgefahren wie in dieser Saison. Doch eine Lösung ist nicht in Sicht. Droht jetzt das Weihnachtsgeschäft auszufallen?
In Berlin und Brandenburg streikte der Einzelhandel bereits vor wenigen Wochen. Nun droht eine Streikwelle das Weihnachtsgesch
In Berlin und Brandenburg streikte der Einzelhandel bereits vor wenigen Wochen. Nun droht eine Streikwelle das Weihnachtsgeschäft in MV zu verhageln. Jörg Carstensen
Neubrandenburg

Die Tarifparteien im Einzelhandel von Mecklenburg-Vorpommern stecken fest. Nach vier erfolglosen Verhandlungsrunden zwischen dem Handelsverband Nord und der Gewerkschaft Verdi soll der nächste Einigungsversuch erst Ende Oktober unternommen werden – kurz vor dem Start der heißen Phase des Weihnachtsgeschäfts. „Der Graben zu den Vorstellungen der Arbeitgeber ist tief“, schätzt Verdi-Verhandlungsführerin Heike Lattekamp ein.

Abstand zum Arbeitgeberangebot zu groß

Zwar sei es Ziel, möglichst zügig einen Abschluss hinzukriegen, betont sie. Allerdings sei der Abstand zum Angebot der Arbeitgeber sehr groß und die Zeit schon ungewöhnlich weit fortgeschritten. „Wir sehen keine Annäherung“, sagt sie. Verdi fordert für die Beschäftigten ein Plus von 4,5 Prozent samt Aufschlag von 45 Euro. Der tarifliche Mindestlohn müsse bei 12,50 Euro pro Stunde liegen. Nur ab diesem Wert könnten Beschäftigte im Alter mit einer Rente in Höhe der Grundsicherung rechnen.

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„Diese Forderungen haben uns sprachlos gemacht“, entgegnet Dierk Böckenholt, Verhandlungsführer vom Handelsverband Nord. Die Gewerkschaft ignoriere, dass im Gegensatz zu deutlichen Umsatzzuwächsen in der Lebensmittelbranche zum Beispiel Textilhändler nur mit großen Mühen die Corona-Schließungen überstanden hätten. Die Arbeitgeberseite bietet zwei Prozent mehr an. Gleichzeitig sollen von Corona-Problemen gebeutelte Händler die Möglichkeit erhalten, diesen Lohnanstieg erst nach zehn Monaten zahlen zu müssen. In diese Fällen sei aber ein Freizeitausgleich vorgesehen, so Böckenholt. In einem Jahr wollen die Arbeitgeber noch einmal 1,8 Prozent Lohn mehr zahlen.

Arbeitgeber kritisieren mangelnde Kooperation von Verdi

„Wir haben unser Angebot bereits zweimal deutlich verbessert. Verdi dagegen hat sich noch keinen Millimeter bewegt. Wir liegen meilenweit auseinander“, konstatiert Böckenholt.

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Verdi verteidigt die eigenen Forderungen mit dem Hinweis, dass sich die Umsatzentwicklung im Handel wieder stabilisiert habe. „Das Angebot der Arbeitgeber gleicht nicht einmal die aktuell prognostizierten Preissteigerungen aus“, so Verhandlungsführerin Lattekamp.

Verdi macht Druck: Ab sofort sei in den Betrieben mit weiteren Warnstreiks zu rechnen. In den vergangenen Wochen hatte die Gewerkschaft einzelne Nadelstiche gesetzt, darunter auch bei Kaufland in Neustrelitz. „Das wird ausgeweitet und notfalls bis ins Weihnachtsgeschäft fortgesetzt“, kündigt Lattekamp unmissverständlich an.

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