KEINE „HEIßE ZELLE“

Streit um neues Zwischenlager in Lubmin

Am Greifswalder Bodden soll ein neues atomares Zwischenlager gebaut werden. Schon jetzt wird über den Verzicht auf einen besonders gesicherten Raum gestritten.
Ralph Sommer Ralph Sommer
Die Bildmontage zeigt den Standort des künftigen Zwischenlagers Estral, rechts am Einlaufkanal des Kernkraftwerkes.
Die Bildmontage zeigt den Standort des künftigen Zwischenlagers Estral, rechts am Einlaufkanal des Kernkraftwerkes. EWN
Im Hallentrakt 8 des atomaren Zwischenlagers Nord (ZLN) sind derzeit 74 Castorbehälter mit hochradioaktivem Material deponiert.
Im Hallentrakt 8 des atomaren Zwischenlagers Nord (ZLN) sind derzeit 74 Castorbehälter mit hochradioaktivem Material deponiert. Stefan Sauer
Lubmin.

Ein monolithischer Stahlbetonbau mit 135 Meter Länge und 25 Meter Höhe – so soll das neue Ersatztransportbehälterlager (Estral) am Lubminer Einlaufkanal aussehen. Geschützt hinter 1,80 Meter dicken Wänden und tonnenschweren Sicherheitstoren sollen im Lagerbereich Castorbehälter mit hochradioaktiv strahlender Fracht für Jahrzehnte deponiert werden.

Mehr als 23 Jahre nach Inbetriebnahme des Zwischenlagers Nord (ZLN) haben jetzt in Lubmin die Planungen für das neue Lager begonnen. Nach Angaben des Entsorgungswerks für Nuklearanlagen (EWN) ist der Neubau wegen der verschärften Sicherheitsauflagen und der erhöhten Terrorgefahr zum Beispiel durch einen Flugzeugabsturz erforderlich. Eine Nachrüstung der Halle 8 im ZLN, in dem sich die 74, noch immer Wärme abstrahlenden Castoren derzeit befinden, sei nicht möglich.

Das atomrechtliche Genehmigungsverfahren allein wird mehrere Jahre lang andauern. Für den Bau werden mindestens drei weitere Jahre veranschlagt. Aus heutiger Sicht werde Estral frühestens 2025 in Betrieb gehen, sagt EWN-Geschäftsführer Henry Cordes.

Sicherheits-Details werden nicht genannt

In dem neuen Hochsicherheitstrakt sollen 65 Castorbehälter mit Brennelementen des ehemaligen ostdeutschen Kernkraftwerke Greifswald und Rheinsberg, 4 Castorbehälter mit dem Kernbrennstoff des früheren Forschungsschiffs „Otto Hahn“ sowie 5 Castorbehälter mit hochradioaktiven Flüssigkeitsabfällen aus der Verglasungseinrichtung Karlsruhe eingelagert werden. Weitere Castorbehälter sollen nicht ins Lager kommen.

Die sicherheitstechnischen Details, in denen sich Estral vom ZLN unterscheiden werde, nennt der künftige Betreiber aus Geheimhaltungsgründen nicht. Auf seiner Website veröffentlichte die EWN vor einigen Tagen jedoch ein 20-seitiges Dokument. Aus ihm geht hervor, dass das Lager nordöstlich des ZLN auf einer Aufschüttung errichtet werden soll, die mindestens 5,50 Meter über den Meeresspiegel ragt.

Zum Komplex gehören neben dem eigentlichen Lagertrakt auch ein Verladebereich, ein Sozial- und Laborbereich, eine Sicherungszentrale sowie ein Wartungsbereich, in dem zum Beispiel Korrosionsschutzarbeiten an den Castorbehältern ausgeführt werden können.

Verzicht auf „Heiße Zelle”

Für Streit zum Beispiel mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) sorgt schon jetzt die Tatsache, dass auch das neue Estral-Lager nicht über eine „Heiße Zelle“ verfügen soll. Dabei handelt es sich um einen stark abgeschirmten Raum, in dem zum Beispiel im Havariefall von Ferne bedient ein Castorbehälter geöffnet werden könnte.

Stattdessen verweist EWN auf einen vorerst ungenutzten Funktionsbereich, der zu einer „Heißen Zelle“ nachgerüstet werden könnte, und zwar „für den hypothetischen Fall, dass sich die Rahmenbedingungen und Anforderungen an die Zwischenlagerung grundlegend ändern sollten“.

Bürgerinformationstag geplant

Grundlegend ändern könnte sich die Lage zum Beispiel, wenn die genehmigte Lagerfrist von 40 Jahren abgelaufen ist. Für die Castoren in Lubmin endet diese Frist – je nach Verschluss-Datum – schon in den Jahren 2036 bis 2051. Weil Experten davon ausgehen, dass auch zu diesem Zeitpunkt in Deutschland noch kein Endlager zur Verfügung stehen wird, gilt die Ausdehnung der Zwischenlagerung in Castorbehältnissen über die 40-Jahre-Frist hinaus als sehr wahrscheinlich.

Die jeweils 105 Tonnen schweren und zwei Millionen Euro teuren Castorbehälter gelten bislang als „unkaputtbar“. Als eine mögliche Schwachstelle aber könnte sich nach mehreren Jahrzehnten möglicherweise zum Beispiel das Verschlusssystem der Behälter erweisen. Die dafür geltende Garantie liegt bei 40 Jahren. Bislang allerdings sind nach Angaben der KKW-Betreiber bei keinem der bundesweit mehr als 1200 Castorbehälter Dichtheitsprobleme aufgetreten.

Die genauen Pläne zum Bau des neuen Estral-Lagers will das EWN Lubmin im Rahmen eines Bürgerinformationstages am 18. Mai von 11 bis 17 Uhr im Verwaltungsgebäude II vorstellen. Dann können unter anderem Vertreter von Geschäftsführung, Projektleitung, Strahlenschutz und Umweltgutachter befragt werden.

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Kommentare (4)

Fragt mal die Gegner ( BUND , NABU etc ) ,des Zwischen, oder besser Endlagers Lubmin , welche Lösung sie denn haben , wohin mit dem Zeug!
Da wird stillschweigen herschen, weil genau die überhaupt keine akzeptable Lösung haben.
Oder soll das Zeug am besten nach Sibirien und dort vergraben werden ? Ich glaube nicht. Das ist hier entstanden und muss hier bleiben, wie auch immer .
Eine Lösung hätt ich noch, nach Bayern in einen stillgelegten Bergstollen!

Ich frage mich nämlich, was Ihr Kommentar mit dem Inhalt des Beitrages zu tun hat. Oder ist es eher so, dass man Ihnen nur Worte wie „Grüne“, „Linke“, „Bund für Umwelt und Naturschutz“… vorwerfen muss, und Sie reagieren mit einem Pawlowschen Reflex wie der Hund auf das Glöckchen und meinen, jetzt etwas ganz Böses und Tolles gegen diese besserwissenden Schlauköpfe schreiben zu müssen. – Ja, es ist ein langer Text mit viel Inhalt. Aber wenn Sie über die Erwähnung des BUND hinaus den Text gelesen hätten, wären Sie auch an die Stelle gelangt, an der geschrieben steht, woran sich u. a. BUND und Grüne am bisher Bekannten aus dem Estral-Konzept stören. Dass es in diesem – weiteren – Zwischenlager keine „Heiße Zelle“ geben soll, also eine Möglichkeit, defekte Castoren zu reparieren. Angesichts des Alters einiger der Behälter und der weiter über einen langen Zeitraum vorgesehenen „Zwischenlagerung“ ist zumindest der Gedanke nachvollziehbar, dass man über eine solche Notwendigkeit nachdenken sollte. Schlussendlich geht es hier also keinesfalls um eine Endlagerung in Sibirien oder Bayern, sondern um eine wie auch immer und wie lange noch geartete Zwischenlösung. Man muss nicht alles verstehen, aber man muss auch nicht alles kommentieren.

Genau, ihr letzter Satz, so halten sie sich doch dran!!!

für ein autarkes Deutschland - ?