KLEINES DORF

Sumte nahm 750 Flüchtlinge auf – Was ist seitdem passiert?

Vor fünf Jahren machte das kleine Dorf Sumte an der Elbe Schlagzeilen, weil es auf einen Schlag 750 Flüchtlinge aufnahm. Wie hat das funktioniert und wie sieht es im Dorf jetzt aus?
dpa
Christian Fabel (CDU), ehemalige Ortsvorsteher von Sumte, steht am Ortseingang des Dorfes.
Christian Fabel (CDU), ehemalige Ortsvorsteher von Sumte, steht am Ortseingang des Dorfes. Philipp Schulze
Journalisten aus der halben Welt reisten im Herbst 2015 nach Sumte. Sie recherchierten, wie ein kleines Dorf an der Elbe mit 7
Journalisten aus der halben Welt reisten im Herbst 2015 nach Sumte. Sie recherchierten, wie ein kleines Dorf an der Elbe mit 750 Flüchtlingen aus 14 Nationen klarkommt – das waren etwa sieben auf einen Einwohner. Philipp Schulze
Sumte.

Schilder am Zaun einer Pferdekoppel in Sumte warnten im Herbst 2015 auch auf Arabisch, Tiere zu füttern oder zu berühren. Die Notunterkunft in roten Ziegelstein-Flachbauten – ein ehemaliger Bürokomplex – war rappelvoll mit Etagenbetten.

Journalisten aus der halben Welt reisten im Herbst 2015 in das verschlafene Nest östlich von Lüneburg im Amt Neuhaus – unweit der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern. Sie recherchierten, wie ein kleines Dorf an der Elbe mit 750 Flüchtlingen aus 14 Nationen klarkommt – das waren etwa sieben auf einen Einwohner. Sumte wurde zu einem Symbol der Flüchtlingspolitik. Und alle warteten auf das Chaos.

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Fast ein Jahr Ausnahmesituation

Der damalige Ortsvorsteher Christian Fabel (CDU) war die treibende Kraft hinter dem ungewöhnlichen Abenteuer und mitverantwortlich dafür, dass am Ende das Meiste gut ging. „Das hat mein Leben ganz schön durcheinandergebracht”, erzählt der stellvertretende Bürgermeister von Neuhaus im örtlichen Café. Natürlich seien die Bedenken der 100 Einwohner groß gewesen, fast täglich habe es Informationsabende gegeben.

„Das hat mich emotional und körperlich mitgenommen”, beschreibt er die Ausnahmesituation, die fast ein Jahr andauerte. Der Arbeiter-Samariter-Bund als Betreiber der Unterkunft machte gute Arbeit und unterband manche Streitigkeiten und Ruhestörungen.

Eine Handvoll Menschen kam mit Plakaten, auf denen „Asylterror” stand. „Die Rechten haben Stimmung gemacht”, berichtet Fabel. Die Situation sei nicht einfach gewesen, aber: „Das Gute war, es ist nichts passiert. Und natürlich bin ich der Ausländerfreund.”

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Kontakte waren ihm wichtiger

Das stört den 60-Jährigen aber nicht weiter – die Kontakte zu mehreren Syrern, die er zeitweise sogar zuhause aufnahm, sind ihm wichtiger. Im vergangenen November war er zur Hochzeit von Rasem Soufi eingeladen, der inzwischen bei Chemnitz wohnt und Mathematik studiert. „Er hat seine Frau bei uns im Camp kennengelernt, inzwischen haben sie auch ein Kind”, erzählt der Mann mit dem Schnäuzer.

Ein anderer junger Syrer wohnt in Hannover, Fabel half ihm bei Bewerbungen, inzwischen arbeitet er im Sicherheitsdienst. „Er nennt mich seinen deutschen Vater und meine Frau seine deutsche Mutter”, berichtet der Unternehmer nicht ohne Stolz.

Nur ein Jahr lang blieben die Fremden in dem Ort in der Elbmarsch, der vor der Wiedervereinigung zur DDR zählte und erst seit 1993 wieder zu Niedersachsen gehört. Wie schon vor 1945. Die Notunterkunft wechselte den Besitzer, inzwischen gibt es Pläne für einen Caravan-Stellplatz, altersgerechtes Wohnen von Senioren und eine Kindertagesstätte.

„Anfangs war ich skeptisch, es war aber eigentlich ruhig”

Doch ganz so einfach ist die Nachnutzung der Häuser im Grünen nicht. „Die Flüchtlinge konnten hier von heut auf morgen rein, doch jetzt werden viele Steine in den Weg gelegt”, berichtet Gudrun Bahll, die mit ihrem Mann eine Pferdezucht gegenüber der Anlage betreibt. Sie ist die Schwiegermutter von Sven Bahll aus Mölln, der das mehr als zehn Hektar große Gelände erworben hat, und erzählt von mühevollen Behördengängen.

Ihr Rückblick auf die Zeit mit den vielen Zugereisten fällt positiv aus: „Anfangs war ich skeptisch, es war aber eigentlich ruhig”, erzählt Gudrun Bahll. Zur Sicherung des Hofes hatte sich die Familie eine Kamera installiert und Schilder aufgestellt, die vor den elektrischen Zäunen der Pferdekoppel warnten.

Flüchtlingszahlen erheblich zurückgegangen

Was ist geblieben? Die Flüchtlingszahlen sind insgesamt seit 2017 erheblich zurückgegangen, inzwischen hat Sumte nur noch wenige Geflüchtete, die integriert sind. Unterbringungsprobleme hätte man nicht, meint Fabel, aber junge Menschen wollten eher in die Stadt.

Zudem sei die Anbindung schwierig. Bisher müssen die Einheimischen eine kleine Fähre über die Elbe nehmen, wenn sie zu weiterführenden Schulen oder zur Ausbildung nach Lüneburg wollen. Herrscht Niedrigwasser, fährt sie nicht und kilometerweite Umwege rauben die Zeit. Eine Elbbrücke zwischen Darchau und Neu Darchau ist geplant. „Das ist noch ein weiter Weg”, meint Fabel, denn: „Es zeichnet sich ein Klageverfahren in Neu Darchau ab.”

Immerhin hat sich die Straßenbeleuchtung verbessert. Und Fabel kann sich nun verstärkt auf sein kleines Unternehmen für Garten- und Landschaftsbau konzentrieren. „Ich habe viel gefehlt, da sind die finanziellen Nachwehen noch spürbar. Und dann kam auch noch Corona”.

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Kommentare (4)

Zitat website ProAsyl: "Das Wort habe eine bedenkliche Wortstruktur, deren Endung ‑ling sich in vorwiegend negativ konnotierten Wörtern (Fiesling, Schreiberling) wiederfinde." Zitatende
Ich bin auch gerne der Fiesling, wenn ich auf Eure Doppelmoral hinweisen darf!

Wort des Anstoßes.

werden sie nicht integrieren können, wetten?

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