LANDTAGSPRÄSIDENTIN

Sylvia Bretschneider ist tot

Die Landtagspräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Sylvia Bretschneider, ist am Sonntag verstorben.
Simon Voigt Simon Voigt
Sylvia Bretschneider war seit 2002 Landtagspräsidentin. Das Foto zeigt sie im Juni 2015.
Sylvia Bretschneider war seit 2002 Landtagspräsidentin. Das Foto zeigt sie im Juni 2015. Jens Büttner
Neubrandenburg.

Die Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider ist am Sonntag nach langer, schwerer Krankheit verstorben. Dies teilte der Landtag am Sonntag mit. Die SPD-Politikerin aus Neubrandenburg gehörte dem Landtag Mecklenburg-Vorpommern seit dem 15. November 1994 an. Seit dem 22. Oktober 2002 war sie dessen Präsidentin. Sie war damit die am längsten amtierende Präsidentin eines deutschen Parlamentes.

Im Herbst 2017 zog sich Bretschneider wegen einer schweren Krebserkrankung zurück. Im Juni 2018 erklärte sie, dass der Krebs nach einer langen Behandlung besiegt sei: "Ich komme wieder." Eigentlich wollte sie nach der Sommerpause ihre Arbeit fortsetzen, musste dann aber eine erneute Therapie beginnen.

„Mecklenburg-Vorpommern hat eine starke Frau und hervorragende Repräsentantin unseres Landes verloren, der unser demokratisches Gemeinwesen eine Herzensangelegenheit war“, erklären die beiden Vizepräsidentinnen Beate Schlupp und Dr. Mignon Schwenke. Die Abgeordneten des Landtages Mecklenburg-Vorpommern würden um eine profilierte Politikerin und ihre Präsidentin trauen, heißt es.

Hier ist eine Bildergalerie mit wichtigen Stationen im politischen Leben Bretschneiders.

"Extremisten die Stirn geboten"

Bretschneider habe sich mit aller Kraft für die Verteidigung und Stärkung der mit der Wende errungenen Werte und Freiheiten eingesetzt, heißt es in einer Mitteilung des Landtags. "Extremistischen Gegnern der parlamentarischen Demokratie bot sie entschieden die Stirn. Die Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit insbesondere im Ostseeraum, ihr Wirken für den Tourismusverband, das persönliche Engagement für die Welterbe-Bewerbung des Schweriner Residenzensembles wie auch ihr Einsatz für den Bau des neuen Plenarsaals unseres Landesparlamentes werden unvergessen bleiben. Mit unseren Gedanken sind wir in diesen schweren Stunden bei ihrer Familie.“

„Mit Sylvia Bretschneider verliert der Landtag Mecklenburg-Vorpommern eine herausragende Persönlichkeit, die den Landtag mit außerordentlichem Engagement geleitet, gestaltet und geprägt hat“, erklärte der Landtagsdirektor Armin Tebben.

Schwesig: "Mutige Kämpferin für Demokratie"

„Sylvia Bretschneider hat die parlamentarische Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern in den letzten 25 Jahren entscheidend geprägt", erklärte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schweisg (SPD) am Sonntag. Sie sei eine außergewöhnlich lange Zeit Landtagspräsidentin gewesen. "Sylvia Bretschneider hat ihr Amt überparteilich, aber immer mit einer klaren Haltung ausgeübt. Sie war eine starke Frau und eine mutige Kämpferin für die Demokratie in unserem Land“, so Schwesig.

„Demokratie und Freiheit, Weltoffenheit und Toleranz – das sind die Werte, für die Sylvia Bretschneider immer wieder eingetreten ist. Mit der von ihr ins Leben gerufenen Initiative ´WIR – Erfolg braucht Vielfalt´ hat sie die Zivilgesellschaft in Mecklenburg-Vorpommern gestärkt", so Schwesig. Zugleich habe sie mit eindringlichen Worten an die Verbrechen des Nationalsozialismus erinnert und gemahnt, dass sich diese schrecklichen Taten nie wiederholen dürften. "Auch die Zusammenarbeit im Ostseeraum und die Entwicklung des Tourismus waren Themen, für die sie sich besonders eingesetzt hat."

Erst Ende März habe sie Sylvia Bretschneider in Neubrandenburg besucht, erklärte Schwesig. "Sie war wie so oft optimisch und voller Kampfgeist. Umso trauriger ist es, dass ihre Krankheit am Ende doch zu schwer war."

Kokert: "Sie hatte einen festen Platz in unserer Mitte"

„Mit großer Bestürzung haben wir heute erfahren, dass unsere Parlamentskollegin Sylvia Bretschneider verstorben ist", erklärte der CDU-Landesvorsitzende Vincent Kokert am Sonntag. "Wir trauern um ihren Tod, unser Beileid und unser Mitgefühl gelten Sylvia Bretschneiders Angehörigen." Und weiter: "Als langjährige Parlamentarierin und zuletzt als Parlamentspräsidentin hatte Sylvia Bretschneider einen festen Platz in unserer Mitte – sie gehörte zu den prägenden Köpfen der Politik in Mecklenburg-Vorpommern.“

"Wir sind traurig über ihren viel zu frühen Tod. Wir werden Sylvia Bretschneider stets ein ehrendes Andenken bewahren", twitterte die Landtagsfraktion der Linken am Sonntag.

„Ohne Sylvia Bretschneider hätte Mecklenburg-Vorpommern in den vergangenen 30 Jahren sicher nicht dieselbe Entwicklung genommen. In diesen Stunden der Trauer gelten unsere Gedanken Sylvias Familie. Ihr drücken wir unser tiefstes Mitgefühl aus,“ erklärte der Fraktionsvorsitzende der SPD-Landtagsfraktion Thomas Krüger am Sonntag. Sie habe sich wie kaum eine Zweite für Weltoffenheit und Toleranz in Mecklenburg-Vorpommern eingesetzt. "Ihr Einsatz gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus – für eine offene Gesellschaft und ein demokratisches Miteinander waren beispielgebend. Dieses Engagement werden wir stets im Andenken behalten.“ Bretschneider war seit 1990 SPD-Mitglied.

„Die politischen Differenzen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass heute ein Mensch von uns gegangen ist und trauernde Hinterbliebene hinterlässt", erklärte Nikolaus Kramer, Vorsitzender der AfD-Fraktion im Landtag. "Die Fraktion ist in Gedanken bei den Angehörigen und spricht ihnen ihr aufrichtiges Beileid aus. Wir wünschen ihnen viel Kraft für die kommende Zeit.“

Sylvia Bretschneider wurde 58 Jahre alt. Sie hinterlässt einen Ehemann, drei Töchter sowie drei Enkelkinder.

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Kommentare (3)

Krebs!

Den Angehörigen gilt mein Beileid, aber es gehört auch zur Wahrheit, daß Frau Brettschneider niemals ihr Amt als Landtagspräsidentin überparteilich ausgeübt hat, wie jetzt von ihren Genossen behauptet! Das können alle ihre politischen Gegner mit Sicherheit bestätigen.

Siehe Bundespräsident.