TROTZ BUNDESWEITEM MANGEL

Tausende Lehrer gehen arbeitslos in die Ferien

In Deutschland fehlen fast überall Lehrer und dennoch hat nicht jeder einen Job. Zur Ferienzeit ist das besonders ausgeprägt. Aber nicht überall.
dpa
Vor allem Vertretungslehrer im Angestelltenverhältnis sind von Arbeitslosigkeit bedroht.
Vor allem Vertretungslehrer im Angestelltenverhältnis sind von Arbeitslosigkeit bedroht. Axel Heimken
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Berlin.

Trotz des Lehrermangels halten manche Bundesländer an der Praxis fest, Lehrer mit befristeten Verträgen in den Sommerferien in die Arbeitslosigkeit zu entlassen. „Es zeichnet sich wieder deutlich ab”, sagte die Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Marlis Tepe, mit Blick auf die Sommerferien 2018. Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den Kultusministerien der Länder ergab, dass dies vor allem Vertretungslehrer im Angestelltenverhältnis betrifft.

In Baden-Württemberg sind es nach Angaben eines Sprechers des Kultusministeriums 3300 Lehrer, deren Arbeitsvertrag spätestens mit dem Beginn der diesjährigen Sommerferien endet. Ein Beschäftigung und Bezahlung dieser Vertretungslehrer auch in den Sommerferien würde das Land nach seinen Worten 12,5 Millionen Euro kosten.

Niedrigere Arbeitslosigkeit in MV

Für 171 Lehrer an öffentlichen Schulen in Mecklenburg-Vorpommern läuft Ende Juli nach Angaben des Schweriner Bildungsministeriums die befristeten Anstellung aus. Betroffen sind damit etwa 1,5 Prozent der landesweit 11 700 Lehrer. 

Bundesweit meldeten sich nach einem Bericht der Bundesagentur für Arbeit in den Sommerferien 2017 rund 4900 Lehrkräfte arbeitslos. Der Bericht vermerkt, „dass die Zahl arbeitsloser Lehrkräfte regelmäßig in den Sommerferien stark ansteigt. Nach den Sommerferien geht die Arbeitslosenzahl wieder zurück”. Laut dem Bericht der Agentur ist Mecklenburg-Vorpommern beim Zurückgang der Lehrerarbeitslosigkeit mit minus 10,1 Prozent sogar bundesweit Spitzenreiter. Dann folgt Brandenburg mit minus 4,3 Prozent. Bei 30 Prozent der Lehrer, die sich in MV arbeitslos melden, tritt dies im Sommer ein, in Brandenburg trifft das auf 32 Prozent zu.

Befristete Verträge werden kritisiert

Dennoch ist MV vom Thema lehrermangel stark betroffen. Jeder zweite Lehramtsstudent bricht seine Ausbildung ab. Und auch an den Grundschulen fehlt es an Lehrern.

Der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, forderte 50 000 neue Planstellen. „Ich halte es für skandalös, dass sich trotz Lehrermangel und massivem Unterrichtsausfall viele Bundesländer weigern, befristete Verträge in dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse umzuwandeln”, sagte er der „Bild”-Zeitung” (Montag). „Junge motivierte Lehrkräfte werden damit als beliebig verschiebbare Manövriermasse missbraucht.”

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