AfD-Demo und Gegendemo weitgehend friedlich

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Tausende Menschen in Rostock auf der Straße

Björn Höcke sprach wegen technischer Probleme zeitweilig per Megaphon zu seinen Anhängern.
Björn Höcke sprach wegen technischer Probleme zeitweilig per Megaphon zu seinen Anhängern.
Christian Charisius

Einer AfD-Demo mit Hauptredner Björn Höcke haben sich am Sonnabend in Rostock tausende Menschen entgegengestellt. Bei Höckes Rede geschah eine peinliche Panne.

In der Rostocker Innenstadt haben sich am Samstagabend rund 4000 Menschen einer Demonstration der AfD friedlich entgegengestellt. Dem Aufruf zur AfD-Demonstration unter dem Motto „Für unser Land und unsere Kinder“ folgten nach Angaben der Polizei rund 700 Menschen. Das Motto der Gegendemonstranten, von denen die ersten schon am Freitag auf die Straße gegangen waren, lautete „Kein Schritt zurück – Für ein solidarisches Rostock!“.

Nach einer kurzen Kundgebung waren die AfD-Anhänger vom Neuen Markt aus zu einem angekündigten Demonstrationszug durch die Innenstadt angetreten. Nach knapp 1,5 Kilometern wurde der Zug durch eine Blockade gestoppt, er musste den Weg zurück antreten. Dort sprach dann der als Hauptredner angekündigte Thüringer AfD-Partei- und Fraktionschef Björn Höcke, der in der Vergangenheit schon mehrfach mit ausländerfeindlichen Aussagen für Schlagzeilen sorgte und als Wortführer des stramm nationalen AfD-Flügels gilt.

 

 

Bei Höcke-Rede ging dem Generator der Saft aus

In Rostock zeigte er sich in seiner Wortwahl allerdings gemäßigt, ohne die AfD-Linie beispielsweise gegenüber Ausländern zu verlassen. Er kritisierte heftig das andauernde Koalitionsgerangel um Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen. Wegen einer Panne – dem Generator für die Lautsprecheranlage ging angeblich das Benzin aus – musste er nach gut 20 Minuten seine Rede per Megafon fortsetzen und war nur noch für einen Teil der Zuhörer auf dem Markt gut zu verstehen. Höckse selbst begründete den Stromausfall während der Rede mit Benzinmangel, von den Organisatoren hieß es später, ein Defekt sei die Ursache gewesen.

Der frühere Ausländerbeauftragte Rostocks und direkte Zeuge der rassistischen Ausschreitungen von Lichtenhagen 1992, Wolfgang Richter, kritisierte Höcke. Dieser versuche mit Hass die Gesellschaft in ihrem Umgang mit Flüchtlingen zu spalten. „Es gab damals in Lichtenhagen die gleichen Parolen.“

Massives Polizeiaufgebot

Die Polizei war angesichts der Befürchtung vor Ausschreitungen mit einem ungewöhnlich starken Aufgebot vertreten. Dazu zählten neben vielen Hundert Polizisten auch Hubschrauber, mehrere Wasserwerfer und zwei Pferdestaffeln. Der Chef der Polizeiinspektion Rostock, Michael Ebert, hatte zuvor unmissverständlich klargemacht, dass die Polizei entschlossen sei, Straftaten nicht zu dulden und konsequent und unverzüglich zu unterbinden. „Das Gewaltmonopol des Staates ist nicht teilbar.“ Nach ersten Angaben der Polizei war der gesamte Verlauf des Nachmittags in Rostock friedlich. Medienberichten zufolge zog die Polizei lediglich einen Ordner der AfD-Veranstaltung aus dem Verkehr - er wurde mit Haftbefehl gesucht.

Bischof und Ministerpräsidentin Schwesig sind beeindruckt

Der Bischof der Nordkirche, Andreas von Maltzahn, zeigte sich beeindruckt von der Vielzahl der Menschen, die sich der AfD-Demonstration entgegenstellen. „Ich freue mich, dass ein so deutliches Zeichen für eine offene und vielfältige Gesellschaft von den Rostockern gesetzt worden ist.“

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hatte zuvor bei einer interreligiösen Andacht in der Marienkirche mit 800 Besuchern gesprochen. „Mecklenburg-Vorpommern ist ein weltoffenes und freundliches Land. Und das wollen wir auch bleiben.“ Sie sei nach Rostock gekommen, um allen den Rücken zu stärken, die für Demokratie und Vielfalt und gegen Hass und Gewalt eintreten.“