KRIMINALSTATISTIK

Tausende Schüsse in Deutschland abgefeuert

Das Bundeskriminalamt hat seine Waffen-Statistik für 2017 veröffentlicht. Einige Zahlen sind alarmierend. Messerangriffe werden aber nicht erfasst.
Gerald Bahr Gerald Bahr
Im vergangenen Jahr wurden mehr als 4700 Schüsse in Deutschland abgegeben.
Im vergangenen Jahr wurden mehr als 4700 Schüsse in Deutschland abgegeben. Oliver Berg
Neubrandenburg.

4211 Mal wurden Menschen in Deutschland mit Waffen bedroht, 4724 mal fielen Schüsse. Diese Zahlen hat das Bundeskriminalamt (BKA) in seinem Bericht zur Waffenkriminalität 2017 am Freitag veröffentlicht. Die Zahlen zu Bedrohungen und Schüssen sind zwar hoch, aber dennoch ein Rückgang zum Vorjahr, wie es heißt. 4,8 Prozent weniger Bedrohungen mit Waffen wurden demnach 2016 registriert, Bei Schussabgaben gingen die zahlen sogar um 14,8 Prozent in diesem Zeitraum zurück.

Andererseits: Die Verstöße gegen das Waffengesetz 38.001, ein Plus von 10,3 Prozent) und die Zahl der Tatverdächtigen (35.777, ein Plus von 9,5 Prozent) sind deutlich gestiegen. 91,1 Prozent der tatverdächtigen sind Männer, 76 Prozent sind Deutsche, so das BKA.

So sind die Zahlen im Nordosten

Mecklenburg-Vorpommern kommt in der Statistik vergleichsweise gut weg. Auf 100.000 Einwohner hochgerechnet gibt es hier 1,7 Bedrohungen mit Schusswaffen. Zum Vergleich: Spitzenreiter Nordrhein-Westfalen hatte 756 Fälle je 100.000 Einwohner. Straftaten gegen die persönliche Freiheit, also beispielsweise Nötigung, Raub und räuberische Erpressung zählen zu Bedrohungen.

Geschossen wurde in MV statistisch gesehen in 1,4 Fällen je 100.000 Einwohner. In Relation zur Einwohnerzahl wurde in Rheinland-Pfalz am häufigsten geschossen, in absoluten Zahlen führt Bayern mit 717 Schussabgaben. Das Resultat der 4724 Schussabgaben bundesweit:

  • 61 Morde
  • 54 Totschlagsdelikte
  • 1 Sonstiges
  • 2 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung
  • 205 Straftaten gegen die persönliche Freiheit
  • 766 Körperverletzungen
  • 3504 strafrechtliche Nebengesetze oder Verstöße gegen das Strafgesetzbuch, z.B. Sachbeschädigung oder Verstöße gegen das Waffengesetz

Straffreie Abgabe in MV kaum genutzt

In Mecklenburg-Vorpommern konnten illegale Waffen straffrei abgegeben werden. Die Aktion der Behörden war aber wenig erfolgreich. Nur wenige Menschen nutzten das Angebot. Allerdings haben in Deutschland auch viele Menschen ein lockeres Verhältnis zu Waffen. 25.000 Mal kamen sie abhanden

Illegale Waffenimporte aus dem Ausland bereiten dem BKA zunehmend sorgen. „Im Hinblick auf das von illegalen Schusswaffen ausgehende Gefährdungspotenzial, insbesondere durch deren potenzielle Verwendung durch Terroristen, liegt einer der Bekämpfungsschwerpunkte auf dem Waffenzufluss aus der Region Westbalkan (Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Kosovo, Mazedonien, Montenegro, Serbien)", heißt es dazu. „Insbesondere die dortige hohe Verfügbarkeit von Schusswaffen infolge der Kriegswirren und des Zerfalls des ehemaligen Jugoslawiens sowie die hieraus resultierenden unkontrollierten illegalen Lagerbestände” seien für die Verfügbarkeit der Waffen verantwortlich.

Es gab im vergangenen Jahr 591 Verstöße gegen das Kriegswafengesetz (-4,2 Prozent) mit 594 Tatverdächtigen (+4,2 Prozent)

Messerangriffe im Lagebild nicht erfasst

Die Berichte über Gewalttaten, bei denen ein Täter mit einem Messer zustach, häuften sich zuletzt enorm. Anders als Schusswaffen werden Messer als Tatwaffe in den meisten Statistiken der Polizei in den Bundesländern und beim Bundeskriminalamt (BKA) nicht erfasst. Eine Ausnahme ist die Berliner Kriminalpolizei. Seit 2008 führt sie das "Tatmittel Messer" bei den Delikten Mord, Totschlag, Sexualtaten, Raub sowie gefährliche und schwere Körperverletzung in der jährlichen Kriminalstatistik auf.

Polizeigewerkschaften, Richter und Politiker schlagen seit Jahren immer wieder Alarm. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht "offenbar zunehmende Messerangriffe hierzulande". Der GdP-Bundesvorsitzende Oliver Malchow sprach erst vor Kurzem von einer "Verunsicherung der Bürger" und forderte: "Ein aussagekräftiges Lagebild wäre angesichts der jüngsten schockierenden Taten (...) dringend notwendig."

 

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