ENERGIE

Tausende Windräder werden vermutlich abgebaut

Die Förderung für alte Windkraftanlagen läuft aus. Und wenn das EEG nicht mehr greift, werden wohl tausende Windräder abgebaut – mit dramatischen Folgen für die Energiewende.
dpa
Standorte, auf denen die alten Anlagen stehen, wären zum Teil heute nicht mehr genehmigungsfähig, weil sich die rechtlichen Vorschriften verändert haben (Symbolbild).
Standorte, auf denen die alten Anlagen stehen, wären zum Teil heute nicht mehr genehmigungsfähig, weil sich die rechtlichen Vorschriften verändert haben (Symbolbild). Patrick Pleul
Schwerin.

Mehrere Tausend Windräder in Deutschland werden im nächsten Jahrzehnt vermutlich abgebaut, weil ihre staatliche Förderung ausläuft. „Wenn die Strompreise in der nächsten Dekade nicht steigen, werden sich nur wenige Anlagen ohne Förderung am Markt behaupten”, heißt es in einer Analyse des Berliner Fachberatungsunternehmens Energy Brainpool

Diese Einschätzung wird von den meisten Fachleuten geteilt. „Auf jeden Fall ist ab 2020 mit der Abschaltung von Bestandsanlagen in mehr oder weniger großem Umfang zu rechnen”, heißt es in einem Artikel mehrerer Ökonomen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig in der Zeitschrift „Wirtschaftsdienst”.

Lohnt sich der Betrieb?

Der Knackpunkt ist der Strompreis von 2021 an, den heute noch niemand kennt. Die alten Windkraftanlagen, deren Rotoren sich seit 20 Jahren oder länger drehen, verlieren zwar ihre Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), aber nicht ihre Betriebserlaubnis. Sie könnten weiterarbeiten, wenn es sich lohnt.

Wie alle älteren Maschinen sind aber auch Windkraftwerke nach 20 Jahren Verschleiß anfällig für Reparaturen und wartungsintensiver als neue Anlagen. Ihre Betriebskosten sind höher. Der aktuelle Strompreis von rund drei Cent je Kilowattstunde dürfte nicht reichen, um die Anlagen in Betrieb zu halten – vielleicht mit ein paar Ausnahmen an besonders guten Standorten.

Tausende Windräder betroffen

Dabei geht es nicht um Kleinigkeiten. Allein im ersten Jahr fallen 5700 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 4500 Megawatt aus der Förderung heraus. In den Folgejahren sind es jeweils 2000 bis 3000 Megawatt. Der Bundesverband Windenergie schätzt, dass bis 2023 rund 14.000 Megawatt installierte Leistung auf der Kippe stehen. Das wäre mehr als ein Viertel der aktuell installierten Windenergie-Leistung an Land, die zunächst einmal wegfallen würde.

Der geplante Ausbaukorridor für die Windenergie an Land sieht vor, dass 2020 und in den Folgejahren jeweils 2900 Megawatt Leistung neu installiert und gefördert werden. Aber das ist brutto, nicht netto. Stillgelegte und rückgebaute Anlagen werden nicht berücksichtigt. Bei der gegenwärtigen Sachlage könnte also der Fall eintreten, dass mehr Windkraftkapazität stillgelegt als neu gebaut wird. Die Windenergie an Land würde schrumpfen, nicht wachsen.

Problem für Energiewende

„Es ist problematisch, dass die Ausbaupfade den zu erwartenden Ersatzinvestitionsbedarf nicht abbilden”, schreiben die Leipziger Wissenschaftler. „Das ist für die Energiewende insofern relevant, als die Windenergie gegenwärtig der wichtigste erneuerbare Energieträger in Deutschland ist – und dies perspektivisch auch bleiben wird.”

Die Branche fordert nun, die Ausbaukorridore für Windenergie an Land nach 2020 erheblich auszuweiten. „Die sind ohnehin unzureichend”, sagt Wolfram Axthelm, Geschäftsführer des Bundesverbandes Windenergie (BWE) in Berlin. „Und es gibt auch keine Begründung mehr dafür.” Die Kosten sind mit Ausschreibungen deutlich gefallen und sinken weiter. Zudem solle die Politik den Weg frei machen für die Direktvermarktung des Stroms aus alten Anlagen an große Unternehmen, die aus Image-Gründen für grünen Strom etwas mehr zahlen.

Alte Standorte heute tabu?

Schließlich geht es noch um die Standorte, auf denen die alten Anlagen stehen. Sie wären zum Teil heute nicht mehr genehmigungsfähig, weil sich die rechtlichen Vorschriften verändert haben und zum Beispiel mehr Abstand zu Wohnhäusern einzuhalten ist. Für den Verband sind das gut etablierte und akzeptierte Standorte, auf denen wieder neue Windkraftwerke errichtet werden sollten – die dann auch viel effektiver wären als die alten Mühlen. „Die Länder sollten das nicht zu sehr erschweren”, fordert Axthelm.

Letztlich werden aber die Strompreise die entscheidende Rolle spielen. Ein Trend in der Diskussion um die Energiewende geht in die Richtung, die Preise für CO2-Zertifikate deutlich zu erhöhen. Damit würde Strom aus fossilen Energieträgern wie Kohle oder Gas deutlich teurer. Ob die Politik diesen Weg nimmt, wird sich aber erst nach der Bildung der nächsten Bundesregierung abzeichnen.

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Kommentare (9)

Na hoffentlich,weg mit den Dingern.
Verschandeln die Umwelt
Atomkraft und Kohle ist noch immer das A und O .
Billigstrom ist nur billig für die Erzeuger und deren Komplizen , Anlageneigner , Landbesitzer, auf deren Grund und Boden solche Anlagen stehen, vor allem sämtliche Politiker auf allen Ebenen die mit der Umfriesierung der Gesetze und Neuschaffung von Bestimmungen und Verordnungen das erst möglich gemacht haben. Und der Steuerzahler darf wieder blechen.

Windkraft ist die günstigste Bereitstellungform von Strom. Billig ist Atom- und Kohlestrom keinesfalls. Dies trifft sowohl auf die Langzeitfolgen der Nutzung als auch die Subventionen zu, für welche letztendlich der Steuerzahler zahlt und auch noch in Zukunft zahlen wird. Viele Windenergie-Altanlagen an einem Standort können im Rahmen von REPOWERING durch wenige leistungsfähigere Neuanlagen ersetzt werden. Mitgedacht werden im Land muss auch die Reduktion des Verbrauchs, die Energiewende im Wärme- und Verkehrsbereich sowie die Speicher. Windstrom aus stürmischen Zeiten muss gespeichert werden (Strom aus konventionellem Strom wird ja auch schon gespeichert). Letztendlich sollten auch Bürgerinnen und Bürger ihr Geld vor Ort investieren, warum nicht auch in Wind- und Photovoltaikanlagen, Elektrotankstellen, ElektroCarSharing, ...? Geschmäcker sind unterschiedlich: Hochspannungstrassen, Autobahnen, Straßen, Einfamilienhäuser in der Pampa ohne Nahversorgung, öffentliche Infrastruktur, ...

Mehr Vernunft statt weiteren Ausbau

Der Artikel vermittelt die Situation leider nur aus Sicht der Nutznießer des Windkraftausbaus und möchte wohl beim Leser Verständniss dafür wecken, daß die Strompreise weiter steigen müssen, um den „sauberen“ Windstrom am Laufen zu halten.
Es wird komplett ausgeblendet, daß unsere Umwelt und die Gesundheit der Anwohner solcher Wind-„Parklandschaften“ dauerhaft zerstört werden. Geradezu als zynisch empfinde ich es, wenn der zitierte Geschäftsführer des Bundesverbandes Windenergie an die Landespolitik appeliert, die Regeln für die Abstände zu Wohngebäuden bei dem Ersatz von Altanlagen doch nicht so ernst zu nehmen. Es dürfte wohl klar sein, daß bei einem Ersatz von Altanlagen die neuen Windräder mit ihrer wesentlich größeren Bauhöhe an denselbem Standort die Situation der Anwohner noch unerträglicher machen würde. Interessiert aber den Bundesverbandes Windenergie überhaupt nicht, Hauptsache die „Kohle“ stimmt.
Daß der Gesetzgeber dieser „Zerstörungsindustrie“ sowieso schon mit seinen Regeln sehr entgegen kommt, hat u.a. auch die Bundesregierung Anfang diesen Jahres bewiesen, als sie klammheimlich und von den öffentlichen Medien verschwiegen etliche Paragrafen des Bundesnaturschutzgesetzes änderte; somit ist jetzt unter bestimmten Umständen auch die Tötung geschützter Tierarten erlaubt- es ist eine Schande, wofür sich unsere Politiker hergeben.
Wer vorgibt, verantwortlich gegenüber dem Gemeinwohl Politik zu machen, kann diesen technischen und ökonomischen Unsinn einer nicht grundlastfähigen Versorgung mit Wind/Sonne nicht weiter betreiben, sondern muß offen sein für technische Lösungen aller Art, die versorgungssicher, umweltfeundlich und bezahlbar sind- dazu gehören weder Wind noch Sonne.

Sehr geehrter Herr Christ,
Sie stellen eine Menge Behauptungen auf. Sie behaupten, dass die Umwelt und die Gesundheit der Anwohner von Wind-Parklandschaften dauerhaft zerstört werden. Sie bezeichnen die Windenergieindustrie als Zerstörungsindustrie. Als dauerhaft zerstört halte ich die Gegenden um Tschernobyl und Fukushima aber bestimmt nicht Gegenden, wo Windkraftanlagen aufgestellt werden. Die Windkraftanlagen, die ersetzt werden sollen sind 20 Jahre alt und nicht mehr Stand der Technik und werden durch moderne Anlagen ersetzt. Diese sind nicht nur effektiver und leistungsdichter sondern auch umweltschonender, um die verschärften gesetzlichen Geräusch- und Schwingungsanforderungen zu erfüllen. In Europa sind aber noch jede Menge Atomkraftwerke im Betrieb, die mehr als 40 Jahre auf dem Buckel haben. Sie sprechen im Zusammenhang mit der Windkraft davon, dass unter bestimmten Umständen die Tötung geschützter Tierarten erlaubt wäre ohne das genauer zu belegen. Können Sie Fakten benennen, wieviele Tiere durch die Windkraft im Vergleich zu den anderen Energieformen pro Jahr getötet werden oder durch die Industrie, industriellen Ackerbau, Viehzucht oder z.B. den Strassenverkehr? Dann sprechen Sie von technische Lösungen aller Art, die versorgungssicher, umweltfreundlich und bezahlbar sind. Dann benennen Sie doch bitte Ihre Alternativen und kommen Sie mir bitte nicht mit Atomkraft und Kohlekraftwerke als saubere Energie.

Den anonymen Kritiker AENTING_382997  meines Beitrages möchte ich wegen der Komplexität des Themas auf die Internetseite http://www.vernunftkraft.de/ verweisen.

Den anonymen Kritiker AENTING_382997  meines Beitrages möchte ich wegen der Komplexität des Themas auf die Internetseite http://www.vernunftkraft.de/ verweisen.

Sehr geehrter Herr Christ,
danke schön für den Link. Das ist eine interessante Seite zu dem Thema. Ich stimme zu, dass sich alle Energien also auch die alternativen Energien langfristig ohne Subventionen am Markt behaupten müssen. Ob dass in Deutschland so richtig läuft vermag ich nicht zu sagen, allerdings würde ich mir wünschen, dass man auch für Kohle und Atomstrom mal zum Vergleich auflistet, was diese Energieformen in der Vergangenheit und noch heute an direkte und indirekte Subventionen bekommen haben und bekommen. Über die auf der Internetseite gelisteten Alternativen (Aufwindkraftwerke, solarthermische Anlagen, Meeresströmungkraftwerke, Meereswärmekraftwerke, Osmosekraftwerke oder Kleinwindkraftanlagen) heisst es, das sich "Vernunftkraft" nicht anmaßen würde eine Einschätzung der Erfolgsaussichten der jeweiligen Technologien zu prognostizieren und kritisiert als Grund für Chancenungleichheit die "grundlegenden Fehler der FÖRDERPOLITIK". Was ich nicht verstehe an der Internetseite "Vernunftkraft" ist, dass Sie gegen Subventionen ist und gleichzeitig von Fehler in der Förderpolitik spricht. Also ist Förderpolitik schon ok, aber wenn, dann bitte gerecht, das heisst dass alle alternative Energieformen die gleiche Förderchance haben?! Oder alle gar nichts gefördert bekommen?! Ich würde dem zustimmen, wenn alle Energieformen gleich behandelt würden (entweder alle oder keinen fördern). Dann sollte sich die Internetseite "Vernunftkraft" aber bitte auch dadrauf konzentrieren und nicht so grundsätzlich gegen Wind und Solarkraft argumentieren. Wäre es für Sie ok, wenn Wind und Solar und andere oben genannten Energieformen kostengünstig zu produzieren wäre und endlich mal knowhow zur so genannten Energiespeicherung aufgebaut und technisch umgesetzt würde? Die Internetseite legt einen sehr großen Fokus auf angebliche Gesundheitsgefahren durch die Windkraft. So weit so gut, aber warum finde ich nicht den gleichen Enthusiasmus bei der Atomkraft und vermeidliche Risiken durch die extrem langen Betriebszeiten der Reaktoren. Wie sieht es mit der Kohlekraft aus? Gesundheitliche Risiken? Gibt es die dort etwa nicht und warum listet "Vernunftkraft" die nicht auf? Zu Fukushima heisst es dort im übertragenen Sinne: "schlimme Sache dort, aber das ist noch lange kein Grund aus der Atomkraft sofort auszusteigen, später ja, denn es ist ein Gebot der Vernunft, aber nicht sofort." Mann kann ja diese Meinung vertreten, aber warum meckert keiner auf "Vernunftkraft" herum, dass über 40 Jahre alte Kernkraftwerke nicht abgeschaltet werden? Sind die Wissenschaftler und Ingenieure im Bereich Atomkraft per se besser als in anderen Bereichen so dass man sich nicht die Frage stellen darf, wie sicher sind diese alten Industrieanlagen noch?
Wer von den genannten Personen in "Vernunftkraft" fährt ein 40 Jahre altes Auto oder nutzt sonst im täglichen Gebrauch antiquierte Technologien? Leider muss ich feststellen, dass sich die Seite "Vernunftkraft" durch ihre unvollständige Sichtweise selbst ein wenig disqualifiziert. Mir scheint, dass unter dem Deckmäntelchen Natur vor allem gegen Wind und Solar gewettert wird und dadurch bewusst oder unbewusst durch Stillschweigen zum Thema Kohle und Atomkraft genau diese Technologien unterstützt werden. Schade!

Kleine Ergänzung, auf der Greenpeace Seite (https://www.greenpeace.de/themen/atomkraft/atomstrom-mit-304-milliarden-euro-subventioniert) gibt es eine interessante Abschätzung darüber wie hoch die Atomkraft subventioniert wurde und wird. Hier ein Zitat zum Thema Atomkraft vs. EEG vom Energieexperten von Greenpeace: "Es ist kurzsichtig und dreist, sich über Kosten der Erneuerbaren Energien zu beklagen, wenn gleichzeitig Atomkraft und Kohle hoch subventioniert werden, sagt Andree Böhling. Gäbe es eine faire Berechnung der Strompreise, wären viele Anlagen der Erneuerbaren Energien heute bereits ohne Förderung konkurrenzfähig." Und ich möchte mich korregieren, Für mich ist die Internetseite "Vernunftkraft" nichts anderes als geschickte Propaganda der Atom und Kohle Lobby.

D ist zu blöde Atomkraftwerke sicher zu führen - vielleicht finden sich noch ein paar Ingenieure der alten Schule und ein schlauer Kanzler mit Aussichten auf wirklich günstigen Strom