REAGIERT DIE POLITIK?

Tödliche Schwimm-Misere in MV

Die Zahl schockiert: 80 Prozent aller Grundschüler in MV können nicht schwimmen. Im Sommer ertrank ein zehnjähriges Mädchen bei Rostock. Und die Mehrheit in der Politik? Schaut weg. Bisher.
Andreas Becker Andreas Becker
Die Zahl schockiert: 80 Prozent aller Grundschüler in MV können nicht schwimmen (Symbolbild)
Die Zahl schockiert: 80 Prozent aller Grundschüler in MV können nicht schwimmen (Symbolbild) Philipp Schulze
Schwerin.

In der September-Sitzung des Landtages musste sich Matthias Manthei noch wie ein einsamer Rufer gefühlt haben. Der damalige Abgeordnete der Fraktion Bürger für MV/Freie Wähler hatte mit einem Antrag versucht, von der Landesregierung geförderte Kooperationen zwischen Schwimmvereinen und Kindergärten ins Leben zu rufen. Umsonst! Die Mehrheitsfraktionen von SPD und CDU wischten Mantheis Vorschlag brüsk vom Tisch – mit dem Verweis auf den nicht zu leistenden Aufwand.

Jetzt aber kommt offenbar neue Bewegung in die politische Arithmetik des Landtages und damit auch in die Diskussion um mangelhafte Schwimmfähigkeiten. Denn Manthei hat die BMV/Freie Wähler verlassen und sich der CDU angeschlossen. Und siehe da: Wenige Tage nach Mantheis Wechsel unter das christdemokratische Fraktionsdach kommt Werner Kuhn, Chef des Deutschen Roten Kreuzes in MV und langjähriges CDU-Mitglied im Europaparlament, mit dem Appell an die Regierungsfraktionen in Schwerin um die Ecke, gute Vorschläge der Opposition im Landtag im Interesse der Kinder aufzugreifen.

Konkret: Kuhn wirft ebenso wie sein neuer politischer Freund Manthei ein Schwimmprojekt aus Nordrhein-Westfalen in die Debatte. Dort gewähre das Land dem DRK, der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) oder auch Schwimmvereinen, die außerhalb des Unterrichts Schwimmkurse anbieten, eine finanzielle Unterstützung. Pro Jahr seien dies zwei Millionen Euro. Übertragen auf die Einwohnerzahl Mecklenburg-Vorpommerns wären dies etwa 200 000 Euro. „Mit einem solchen Zuschuss könnten auch bei uns Transportkosten und Hallengebühren beglichen werden“, sagte Kuhn.

Außerdem schlug Kuhn vor, Schwimmkurse im Sommer in das Nachmittagsprogramm der Ganztagsschulen aufzunehmen. Dann könnten auch Freibäder und Seen genutzt werden. Das DRK biete als Partner der Schulen vielerorts bereits Gesundheitskurse an. Laut Kuhn gibt es in MV lediglich 18 öffentliche Schwimmhallen, in denen der Schwimmunterricht stattfinden könne. Zudem fehlten an vielen Schulen ausgebildete Schwimmlehrer.

Der tödliche Badeunfall einer zehnjährigen Nichtschwimmerin Anfang Juni in Tessin (Landkreis Rostock) hatte die Debatte um unzureichende Schwimmfähigkeiten bei Kindern und erhebliche Lücken im regulären Schwimmunterricht neu entfacht. Anschließend hatte Manthei im Landtag die Landesregierung bereits aufgefordert, eine flächendeckende Versorgung der Grundschüler mit Schwimmunterricht zu gewährleisten. Eine Forderung, die zumindest teilweise Gehör im Parlament fand. Der Landtag entschied sich seinerzeit für eine öffentliche Anhörung zum Thema Schwimmunterricht. Diese findet jetzt am 20. November statt – und dürfte vor dem Hintergrund der politischen Wechselspiele durchaus spannend werden.

 

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Kommentare (5)

Lernen die Kinder von heute denn gar nichts mehr?
Als wir Knirpse waren, konnten ALLE schwimmen, Nichtschwimmer waren da die absolute Ausnahme!
Ralf (geb. 1964)

Normalerweise gehört zur ausbildung der sportlehrer die schwimmmeisterausbildung hinzu.haben sie schon mal einen fahrlehrer ohne führerschein gesehen? Ich nicht.Sportlehrer von heute sind doch nur irre fußballfanatiker oder gymnastikmuftis ohne den biss den schülern das nötige rüstzeugs fürs leben mitzugeben die guren lernergbisse in unseren schulen spiegelt sich ja diese
miesere auch wieder... armes deutschland und deine lehrer...

Ich liebe Kommentare, die vor Fehlern überquellend das heutige Schulsystem anprangern. Insbesondere dann, wenn sie von Kommentierenden abgegeben werden, welche die Schule vermutlich schon eine ganze Weile hinter sich gelassen haben.

Nicht jeder konnte sich eben den besuch der walddorfschule leisten und sich mit dem luebetleben der ameisen beschäftigen. Übrigens nicht auf fehler kommt es an , sondern auf den inhalt bei dem [Entfernt. Halten Sie sich bitte an die Netiquette. D. Red.] immer daneben liegst!

Und sie scheinen Kommentare zu mögen, in denen sie Andere beleidigen ohne auch nur irgendwas zur Sache zur sagen. So sind sie eben.

Und jetzt noch ein bisschen rechtsradikales Gedankengut: (diesmal von der DLRG)

Zu einen gewissen Grad liegen die Zahlen mit den steigenden Grad an Ausländern im Land zusammen.

https://www.presseportal.de/pm/7044/4199327