Branchenbilanz

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Tourismus braucht mehr Originalität und besseres Internet

Immer nur Ostseestrand reicht nicht aus: Die Touristiker in Mecklenburg-Vorpommern sehen ihre Arbeit selbstkritisch.
Immer nur Ostseestrand reicht nicht aus: Die Touristiker in Mecklenburg-Vorpommern sehen ihre Arbeit selbstkritisch.
Bernd Wüstneck

In diesem Sommer sorgt die Sonne für gute Urlauberzahlen im Nordosten. Aber was machen, wenn das Wetter nicht mitspielt. da braucht es ganz dringend frische Ideen und besseres Internet, meinen Fachleute.

Im Konkurrenzkampf mit anderen Regionen braucht die Tourismusbranche Mecklenburg-Vorpommerns mehr Originalität, viel besseres Internet und frische Ideen für junge Fachkräfte. Das ist das Fazit des aktuellen Tourismusbarometers, das der Ostdeutsche Sparkassenverband am Donnerstag in Tressow an der Mecklenburgischen Seenplatte vorstellte.

„Die Branche steht noch ziemlich gut da, aber die anderen holen stark auf“, sagte der Autor des „Barometers“, Mathias Feige, von der dwif-Consulting GmbH vor rund 100 Teilnehmern. Der Verband analysiert die Trends im Tourismus generell und die Firmen der Branche in Ostdeutschland.

„Mecklenburg-Vorpommern hat im Tourismus ganz viel davon, was viele andere auch haben“, erklärte Feige. Inzwischen müsse die Branche aber weiter investieren und brauche „starke Akzente jenseits des Mainstreams.“ Das beziehe sich auch auf die Beherbergungsbetriebe. Als Beispiele nannte Feige das Umweltfotofestival Zingst, das rund 40.000 Gäste anzieht.

Tolle Urlaubs-Bilder via Instagram geteilt

Co-Autor Manfred Zeuner forderte die Unternehmer auf, sich stärker auf Konzept-Häuser zu konzentrieren. „Die Gäste wollen etwas Tolles erleben.“ Manche Gäste führen nur noch dahin, wo sie tolle Bilder aufnehmen und sie auch gleich via Instagram mit anderen teilen konnten. Die Branche müsse dies stärker als „Online-Werbung“ nutzen. Beispiele seien ein Krimi-Hotel in der Eifel, das Dockinn-Hotel in Warnemünde oder ein Brauereihotel in Schottland, wo die Gäste direkt vom Zimmer in die Produktion schauen können und eine eigene Zapfanlage haben.

Besonders starke Kritik hätten Gäste der Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen an hohen Zimmerpreisen und an der Internetversorgung im Nordosten geübt. Gut seien dagegen der Service in den Hotels, das Essen und die Außenanlagen bewertet worden.

Jeder fünfte Arbeitsplatz hängt vom Tourismus ab

Die Konkurrenz durch Anbieter von privaten Urlaubswohnungen wie Airbnb wachse auch im Nordosten stark. „Das Unternehmen ist sehr vielfältig geworden“, erklärte Zeuner. So biete Airbnb inzwischen „Mitwohnen mit Einheimischen“, Luxuswohnen oder auch einzelne Zimmer an. Damit trete Airbnb, das sehr finanzstark sei, in Konkurrenz zu allen Beherbergungssegmenten. „Dahinter steckt der Trend, dass Urlauber auch Einheimische erleben wollen“, erläuterte Feige. Man könne das auch als Konzept aufgreifen und sollte das nicht nur bekämpfen.

Vom Tourismus hängt zwischen Seenplatte und Ostsee jeder fünfte Arbeitsplatz ab. „In keiner anderen Region in Deutschland verbringen so viele Menschen ihren Urlaub wie bei uns“, erläuterte Wolfgang Waldmüller als Präsident des Landestourismusverbandes. Durch den Super-Sommer erwarten Fachleute auch für 2018 wieder einen Übernachtungsrekord für Hotels, Pensionen und Campingplätze. Prognosen gehen von mehr als 30 Millionen Übernachtungen aus. „Die Sonne hat uns über mäßige Vorbuchungszahlen hinweggeholfen“, sagte Waldmüller.