SAISONSTART

Touristen müssen mehr Kurtaxe zahlen

Die Seebäder putzen sich heraus – und das kostet Geld. Einige planen Erhöhungen der Kurtaxe. Mal werden Hundebesitzer zur Kasse gebeten, mal Saisontarife angeglichen.
Martina Rathke Martina Rathke
In mehreren Orten soll die Taxe erhöht werden.
In mehreren Orten soll die Taxe erhöht werden. Bernd Wüstneck
Rostock.

Einige Seebäder an der mecklenburg-vorpommerschen Ostseeküste planen zum Saisonstart Veränderungen bei der Kurtaxe. Im Ergebnis versprechen sich die Kommunen durch die Neuerungen Mehreinnahmen. Die Pläne reichen von der Einführung einer Abgabe für Hundebesitzer wie in Zinnowitz, über eine ganzjährig hohe Kurtaxe ohne Winterrabatt wie in Binz bis zur Einführung einer Kurtaxe für Tagesgäste wie in Lubmin. Nach der Anerkennung Stralsunds als Erholungsort im Jahr 2016 diskutieren Fraktionen und Wirtschaft auch dort über die Einführung von Kurtaxe und Fremdenverkehrsabgabe.

Der Landes-Tourismusverband zeigte Verständnis für die Pläne der Gemeinden. Diese Abgaben seien europaweit Standard in Hauptstädten und Tourismusregionen. Eine Erhöhung sei dann gerechtfertigt und vermittelbar, wenn der Gast einen Mehrwert erhalte, sagte Verbandssprecher Tobias Woitendorf. „Der Gast verbindet die Kurtaxe mit einer bestimmten Qualitätserwartung an die Sauberkeit der Orte und diese Erwartung muss dann auch erfüllt werden.” Dass wegen Kurtaxen-Erhöhungen Gäste auf einen Urlaub in dem betroffenen Ort verzichteten, sei nicht spürbar.

Dennoch wird das Thema in den sozialen Medien heiß diskutiert, wie die Einführung der Kurtaxe für Tagesgäste zum 1. Mai in Lubmin. Von Abzocke-Vorwürfen und der Ankündigung, das Seebad künftig zu meiden, gab es aber auch Verständnis für den Schritt. „Wir wollen Übernachtungs- und Tagesgäste gleichbehandeln”, begründete Kurchefin Denise Johannßen die Einführung der Tages-Kurabgabe in Höhe von 1,70 Euro. Übernachtungsgäste müssen 1,60 Euro pro Tag berappen.

Lubmin

An sonnigen Tagen besuchen bis zu 3000 Tagesgäste den Strand von Lubmin. Das Seebad will mit dem Geld in die Strand-Infrastruktur wie Toiletten investieren. Die Kurmuschel soll um einen Sozialtrakt erweitert werden. Der Gast wolle einen sauberen und gepflegten Ort, Strand und Promenade müssten gereinigt, der Müll beseitigt werden – und das koste Geld, sagte Johannßen. Lubmin setzt zunächst auf das Prinzip Freiwilligkeit. Denn noch fehlten Automaten, auch habe das Seebad bislang keinen Strandvogt, der die Kurtaxe von den Strandbesuchern kassiert.

Zinnowitz

Das Ostseebad Zinnowitz auf der Insel Usedom erhofft sich durch die Erhöhung der Kurtaxe für die Touristen ab 1. Mai von zwei auf 2,50 Euro und die Einführung einer Kurtaxe von zusätzlich 50 Cent für Hundebesitzer Mehreinnahmen von jährlich 400 000 bis 450 000 Euro. Die Einnahmen kämen den Gästen durch eine bessere Infrastruktur und mehr Veranstaltungen zu Gute, sagte Kurchefin Monika Schillinger. Die Einführung der Hunde-Kurtaxe begründete die Kurverwaltung damit, dass immer mehr Hunde in den Urlaub mitgenommen würden und dies zu einem höheren Mehraufwand bei der Strandreinigung führe.

Stralsund

Auch die Hansestadt Stralsund, die 2016 zum anerkannten Erholungsort ernannt wurde, will sich mit der Einführung von Kurtaxe und Fremdenverkehrsabgabe neue Geldquellen erschließen. Fraktionen der Bürgerschaft und die Wirtschaft diskutieren derzeit das Thema intensiv, die Verwaltung arbeitet an einer Vorlage, wie eine Stadtsprecherin mitteilte. Der Chef des Wirtschaftsförder-Amtes, Peter Fürst, geht davon aus, dass ein Satzungsentwurf sowie eine Kalkulation zum Sommerbeginn 2017 den Ausschüssen der Bürgerschaft vorgelegt werden kann.

Binz

Binz, mit knapp 2,6 Millionen Übernachtungen Klassenprimus auf Rügen, will die bislang erniedrigte Winter-Kurtaxe in Höhe von 1,50 Euro streichen. Künftig zahlen Gäste dann ganzjährig 2,60 Euro pro Tag. Die Satzung muss noch von der Rechtsaufsicht genehmigt werden, wie Kurdirektor Kai Gardeja sagte. Begründet wird die Änderung mit dem ganzjährigen Aufwand für Reinigung und Instandhaltung sowie mit der Zunahme des Tourismus in den Wintermonaten. Binz will zudem, dass der Ortsteil Prora Seebad wird. Sollte die Genehmigung kommen, kann auch von den Nutzern von hunderten neuen Ferienwohnungen in den ehemaligen KdF-Blöcken Kurtaxe erhoben werden. Die Kurverwaltung rechnet mit bis zu 250 000 Übernachtungen mehr pro Jahr und 650 000 Euro mehr Kurtaxe.

Warnemünde

In Warnemünde (2,25 Euro), Bad Doberan/Heiligendamm (2,00), in Zingst (2,80) und Prerow (2,00) bleibt es bei den Tarifen des Vorjahres. Auch gelten in diesen Orten weiter niedrigere Winterpreise. Bad Doberans Bürgermeister Thorsten Semrau (parteilos) kritisierte allerdings die Pläne von Binz, die Kurtaxe jeweils auch auf die An- und Abreisetage zu erheben.

Um Transparenz im Kurtaxen-Wirrwarr zu schaffen, haben die Orte des Verbandes „Mecklenburgische Ostseebäder” bereits vor einigen Jahren beschlossen, ihre jeweiligen Kurkarten in den Nachbarorten gelten zu lassen. So müssen Gäste, die in Boltenhagen übernachten, bei einem Ausflug nach Kühlungsborn keine Tages-Kurtaxe entrichten. Zum Verband gehören Boltenhagen, die Insel Poel, Rerik, Kühlungsborn, Heiligendamm/ Bad Doberan, Nienhagen und Seeheilbad Graal- Müritz. Das System habe sich bewährt, hieß es.

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Kommentare (3)

werden solange gedreht bis sie ueberdreht werden ! In ALLEN Bereichen wird gerade dort wo es den KLEINEN weh tut abgezockt.
Nstuerlich findet msn immer einen Grund dazu. So Fadenscheinig der auch sein mag es heisst erstmal zahlen und wenn man nicht mehr kann bleibt man eben weg und die betuchteren bleiben unter sich, unbelaestigt vom Prekariat und Familien mit Kindern u.Hunden!

Für mich immer noch unverständlich,warum die Gäste überhaupt Kurtaxe bezahlen müssen. Gäste bringen doch durch ihren Urlaub Geld genug in die Region .
Nach meiner Ansicht,müssten die Geschäftsleute dafür gerade stehen,da sie ja den Reibach mit den Gästen machen. Aber die wollen auch nicht zur Kasse gebeten werden.
Da den Kommunen diese Steuer an die Hand gegeben worden ist,nutzen sie sie bis zur Schmerzgrenze aus,da sich die Verantwortlichen nicht mit den Touristen immer auseinander setzen müssen,nach 14 Tagen sind sie ja wieder verschwunden.

also das was den Menschen nach der Arbeit zur Verfuegung steht ist, so Arbeits u.Sozialministerin Nahles im Armuts/Reichtumsbericht, gestern Abend heute auf dem Stand des Jahres 1990! !!!
Was wurde seither fuer solche Freizeitmoeglichkeiten öffentlich geleistet ???