CORONAVIRUS

Trauerfeiern nur noch im engsten Kreis

Die Corona-Epidemie hat auch das Bestattungswesen erreicht. Für Trauerfeiern gelten ab sofort besondere Sicherheitsvorkehrungen.
Trauerfeiern werden drastisch eingeschränkt. Aber bislang gelten von Gemeinde zu Gemeinde noch sehr unterschiedliche Rege
Trauerfeiern werden drastisch eingeschränkt. Aber bislang gelten von Gemeinde zu Gemeinde noch sehr unterschiedliche Regelungen. Jens Büttner
Bergen ·

Stirbt ein Mensch, dann lassen die Hinterbliebenen die traurige Nachricht meist über die Tageszeitung verbreiten. Doch die allwöchentlich erscheinenden Traueranzeigen fallen künftig wohl anders aus, als bisher üblich. Weil wegen der Corona-Krise in vielen Landkreisen und Städten auch für Trauerfeiern Menschenansammlungen auf maximal 20 Personen zu begrenzen sind, raten die ersten Bestattungshäuser, in den Annoncen nicht mehr mitzuteilen, wann genau die Trauerfeier stattfindet.

Die Nordkirche hat am Dienstag bereits drastische Einschränkungen für kirchliche Bestattungen in ihren 13 Kirchenkreisen verfügt. Demnach sind kirchliche Trauerfeiern ebenso wie Gedenkgottesdienste in Kirchen, Kapellen und Trauerhallen nicht mehr gestattet. „Sie dürfen nur noch unter freiem Himmel am Grab und im engsten Familienkreis stattfinden“, sagt Pressesprecher Pastor Döbler. Wo vor Ort noch andere behördliche Regelungen gelten, sollen diese nur im Ausnahmefall genutzt werden.

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„Es gilt, dass alle Veranstaltungen mit mehr als 20 Teilnehmern abzusagen sind“, sagt Olaf Manzke vom Krisenstab in Vorpommern-Rügen. Daher sei es empfehlenswert, nur noch im engsten Familienkreis Trauerfeiern abzuhalten. „Jeder sollte jetzt für sich entscheiden, ob er sich und seine Mitmenschen der Gefahr einer Ansteckung aussetzt.“ Das gelte besonders für ältere Menschen, aber auch für Kinder.

Ostseeinseln wegen Corona abgeriegelt

Für die Ostseeinseln kommt hinzu, dass Trauergäste von weit her ohnehin nicht mehr an den Feiern teilnehmen können. Denn seit Montagabend dürfen nur noch Inselbewohner und Pendler die Polizeikontrollen nach Rügen, Usedom, Fischland-Darß-Zingst und Poel passieren.

Auch für die Trauerfeiern selbst gelten jetzt besondere Sicherheitsvorkehrungen. „Wir haben für uns entschieden, bei den Trauerfeiern auf den beiden Friedhöfen in Bergen die Sitzplätze zu reduzieren, um ausreichend Abstand zwischen den Trauernden einzuhalten“, sagt Silvia Hampel von der Friedhofverwaltung Bergen. In Bergen bedeute dies, dass nur noch 25 Sitzplätze zur Verfügung stünden.

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Trauerfeiern nur noch am Grab solle es zwar vorerst nicht zwingend geben, doch würden die Trauerfeiern in Räumen nur noch bei geöffneter Tür ausgerichtet, sagt Hampel. Alle Personen darüber hinaus müssten das Geschehen leider im Stehen vor der Tür verfolgen.

Uneinheitliche Regelungen für Trauerfeiern

„Außerdem werden wir Möglichkeiten zum Händewaschen anbieten.“ Zudem werden bei jeder Trauerfeier Kondolenzlisten mit den Namen aller Anwesenden geführt, die mindestens drei Wochen lang aufbewahrt würden, um im Corona-Fall die Ansteckungskette verfolgen zu können. Die Situation könnte sich jederzeit ändern. In Italien zum Beispiel würden Trauerfeiern inzwischen ausgesetzt.

Trauerfeiern seien Ländersache, sagt Stephan Neuser, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Bestatter mit bundesweit etwa 3.100 Bestattungsunternehmen. Daher würden derzeit leider noch uneinheitliche Regelungen gelten. „Wir leben in schwieriger Zeit, daher würden die klassischen öffentlichen Trauerfeiern vielerorts eingeschränkt oder untersagt.“

Einige Kommunen hätten sich für kleine familiäre Veranstaltung, zum Teil unter freiem Himmel und nur noch mit 10 bis 20 Trauergästen entschieden. Neuser sagte, man empfehle allen Trauergästen auf persönliche Kondolenzen und Umarmungen zu verzichten. Es gebe auch die Möglichkeit zu späteren Gedenkfeiern, wenn die Coronakrise vorbei sei. Einzelne Bestattungshäuser würden sogar anbieten, Trauerfeiern und Bestattungen online zu übertragen oder Videos zu erstellen.

Videos von Trauerfeiern

Auch das Rügener Bestattungsunternehmen Inselstille will künftig anbieten, auf Wunsch Videos von den Trauerfeiern anzufertigen. Gespräche würden bislang noch persönlich geführt, sagte Mitarbeiterin Yvonne Bruchalla. Rentenanträge der Hinterbliebenen würden aber online ausgefüllt, sodass die Betroffenen deswegen nicht mehr ins Bestattungshaus kommen müssten. Unklar sei, ob es Seebestattungen etwa von Sassnitz, Lauterbach oder Gager aus geben könne. Sie habe aber bislang keine Kenntnis, dass zum Beispiel die MS Alexander nicht mehr fahre, sagte Bruchalla.

Schwierig wird es für Trauerredner und Pastoren, die im Vorfeld persönliche Gespräche mit den Hinterbliebenen führen. In Einzelfällen könnte man die Gespräche auch telefonisch führen, sagt ein Trauerredner des Rügener Bestattungsunternehmens Seibt. Er persönlich sehe das eher kritisch. Einhundertprozentige Sicherheit gebe es für niemanden. Umso wichtiger seien die Vermeidung des engen körperlichen Kontakts und die Einhaltung von hygienischen Empfehlungen wie Händewaschen.

Für ihre Pastoren hat die Kirche inzwischen angeordnet, Trauergespräche möglichst nur noch telefonisch oder auf digitalen Wegen zu führen.

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