SCHOCKANRUFE

Trickbetrüger sind sehr schwer zu schnappen

Der 300.000 Euro-Fall aus dem Raum Rostock bringt viele Menschen ins Grübeln. Kann die Polizei nicht einfach die Telefonnummern verfolgen? Doch so leicht ist das leider nicht.
Neubrandenburg ·

Der krasse Trickbetrug aus der vergangenen Woche, bei dem eine 86-Jährige aus dem Landkreis Rostock um 300.000 Euro gebracht wurde, geht vielen Menschen nicht aus dem Kopf. Erhard Griebenow aus Neustrelitz zum Beispiel kann es nicht fassen, dass solche Täter nur selten geschnappt werden.

„Ich möchte solche schrecklichen Taten auf das Schärfste Verurteilen. Aber wie ist es möglich, mitten in Europa zu telefonieren, ohne dass der Anruf zurückverfolgt werden kann”, fragt er. Schließlich sei auf seiner Telefonrechnung auch immer im Detail aufgeführt, wann und mit wem er wie lange telefoniert habe. Das müsse doch bei allen Anrufen machbar sein, auch bei jenen aus dem Ausland. „Wenn ich mir vorstelle wie viele Millionen allein in Deutschland schon abgezockt wurden, wie viel menschliches Leid dahinter steht – dem muss doch viel mehr entgegengesetzt werden. Gibt es dafür überhaupt einen Plan”, fragt er.

Polizei verfolgt organisierte Banden

So einfach ist das leider nicht, teilt Polizeisprecherin Diana Mehlberg mit. „Wir gehen von bandenmäßigen Strukturen aus. Die Rufnummern der Betrüger sind regelmäßig gespooft, was bedeutet, dass wenn überhaupt eine Rufnummer angezeigt wird, die es so gar nicht gibt. Außerdem hätten die meisten Betroffeen gar keine Rufnummernübersicht mehr, da sie die kostengünstigen Flatrates der Telefonanbieter nutzen.

"Die Aufklärungsquote ist sehr schlecht, weil die Polizei meist erst Kenntnis bekommt, wenn es bereits zur Geldübergabe gekommen ist", erklärt Diana Mehlberg. "Es gab in der Vergangenheit einzelne Erfolge, wenn es der Polizei in Zusammenarbeit mit dem Geschädigten gelungen ist, am Telefon weiter mitzuspielen, um dann den Täter bei der Geldübergabe direkt stellen zu können."

Sie selbst könne sich aus ihrer eigenen Zeit bei der Kriminalpolizei an einen Fall erinnern. "Wir haben den Geldboten dann festnehmen können. Leider sind die Bandenstrukturen so aufgebaut, dass als Boten junge und unerfahrene Menschen eingesetzt werden, da die Gefahr der Festnahme bei Ihnen am größten ist. Der hat dann gar nichts gesagt, wusste vielleicht auch nichts. Er wurde jedenfalls wieder freigelassen."

Obwohl Polizei und Medien seit vielen Jahren unermüdlich vor Trickbetrügern am Telefon warnen, fallen vor allem ältere Menschen immer wieder auf Kriminelle herein. Zur Zeit sind die sogenannten Schockanrufe eine beliebte und erfolgreiche Masche der Betrüger. In der vergangenen Woche kam es im Landkreis Rostock zum traurigen Höhepunkt: Eine Seniorin wurde um sage und schreibe 300.000 Euro betrogen.

Falscher Sohn bittet um Geld

Es handelt sich nach Einschätzung von Experten um eine der höchsten einzelnen Schadenssummen bei Betrügereien seit Monaten in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Unbekannter hatte die Frau angerufen, sich als ihr Sohn ausgegeben und behauptet, er habe einen schweren Unfall verursacht und brauche nun dringend Geld, um die Schäden zu regulieren. Er könne nicht selbst zum Abholen kommen und werde einen befreundeten Rechtsanwalt als Boten schicken. Dieser holte dann das Geld bei der Frau zu Hause ab. Erst als die Frau später ihren wirklichen Sohn anrief, flog der Schwindel auf.

Im Nordosten häufen sich nach Auskunft der Polizei seit Wochen solche Schockanrufe. Zuletzt hatten Unbekannte Rentner in anderen Landkreisen um mehrere Zehntausend Euro betrogen. 2020 hatten Trickbetrüger im Nordosten mehr als 1,5 Millionen Euro erbeutet. In der Region um Rostock meldete die Polizei zuletzt etwa 40 solcher Trickbetrugsanrufe.

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Kommentare (1)

Die Aussage der Polizei, man könne Spoofing nicht nachverfolgen, mag mir nicht in den Kopf.
Ich denke, es ist an der Bundesnetzagentur, die Telefonanbieter aufzufordern, Lösungen vorzulegen. Jede digitale Aktion hinterlässt Spuren. So auch aufgesetzte Nummern. Hier sollte es möglich sein, diese Spuren aufzunehmen und technisch zu blockieren. Eine Art App, die entweder auf den Router aufgespielt werden könnte oder gleich in der Telefonverteilung gesperrt werden könnte. Beispiel: eine aufgesetzte (gespoofte) Telefonnummer, die deutschen Ursprung suggeriert, aber in Wirklichkeit aus einem Callcenter aus der Türkei kommt, sollte automatisch erst gar nicht Gespräche aufbauen können. Schließlich können wir auch auf den Mond fliegen und eine App sagt unserem Telefon schon, wann wir mit Zähneputzen aufhören können.
Manchmal glaube ich, dass es den Telefonkonzernen am südlichen Ende vorbeigeht, ob deren Kunden geschützt sind oder nicht.

Aber es sollten auch die Angehörigen der älteren Menschen aktiv werden, damit die Leichtgläubigkeit und Tüddeligkeit der alten Menschen nicht ausgenutzt werden kann. Gespräch mit den einsamen Altvorderen suchen und Maßnahmen absprechen bzw in die Wege leiten, damit so etwas nicht passieren kann. Also bei der Bank einen Sperrvermerk für größere Summen hinterlegen, bzw. den Altvorderen das Geld unterm Kopfkissen besser unterbringen (Beispiel Schließfach).

Die Polizei kann sich da den Mund fusselig reden mit Prävention, da jeder denkt: mir passiert so etwas nicht.
Und sollten Täter tatsächlich mal erwischt werden (meist ist es ja nur der Schwippschwager eines Kumpels als Bote), dann sollte mal mit Härte reagiert werden. Der materielle und vor allem der seelische Schaden sollte mit dem Strafmaß korrelieren.
Aber hier gibt es für die Täter ja nur 3 Sterne Vollpension, die sie mit einer Arschbacke absitzen, während die Drahtzieher im Ausland auf prunkvollen Clanfeiern die Korken knallen lassen.
Ist aber nur kein Umstand, der internationalen Druck nötig machen würde. Wir wollen es uns ja mit Osteuropa und Vorderasien nicht verscherzen...
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...