PATIENTEN HABEN ANGST

Trotz Corona sind Arztpraxen leer

Das Coronavirus überschattet alles. Die Hausärzte in Mecklenburg-Vorpommern warnen aber davor, dass sich Patienten mit anderen Krankheiten jetzt nicht mehr in die Arztpraxen trauen.
In den Wartezimmern ist noch Platz, die Hygieneregeln würden eingehalten, heißt es.
In den Wartezimmern ist noch Platz, die Hygieneregeln würden eingehalten, heißt es. Daniel Karmann
Demmin.

Während die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen auch in Mecklenburg-Vorpommern täglich steigt, nimmt die Zahl der Patienten in den 1200 Praxen der Hausärzte rapide ab. Jörg Hinniger, Vorstandsmitglied des Hausärzteverbandes Mecklenburg-Vorpommern, konkretisiert: „Nur noch ein Drittel der ursprünglichen Patienten sucht derzeit die Praxis eines Hausarztes auf“, sagt der Mediziner, der in Demmin selbst eine Praxis betreibt.

Patienten mit grippeähnlichen Symptomen holten sich laut Hinniger, wie von Politik und Medizin gefordert, per Telefon Rat. Aber auch Patienten mit anderen Problemen griffen in dieser Zeit eher zum Hörer, als dass sie sich beim Arzt vorstellten. Die Hausarztpraxen entwickelten sich zunehmend zu ,Call-Centern‘. „Nicht selten müssen Hausärzte am Telefon helfen, wenn Patienten mit Depressionen, Panik, Existenzängsten und familiären Problemen anrufen“, verweist Hinniger darauf, dass die Hausärzte die Corona-Krise auf ihre ganz eigene Art und Weise spüren.

In Wartezimmern wird auf Hygieneregeln geachtet

Mit Sorge beobachtet der Hausärzteverband dabei vor allem, dass chronisch kranke Patienten oder Patienten mit diversen Neuerkrankungen aus Angst vor Ansteckung in den Wartezimmern ausblieben. Hinniger mahnt: „Die Zahl der Kranken sinkt doch nicht in Corona-Zeiten. Deshalb möchten wir an die Vernunft der Menschen appellieren, vorhandene Probleme nicht aufzuschieben. Chronische Wunden, Schmerzen in der Brust und vieles mehr gehören weiterhin dringend in ärztliche Betreuung.“ Besonders wichtig sei der regelmäßige ärztliche Kontakt für chronisch kranke Menschen, Menschen mit Lungen- und Herzerkrankungen sowie Diabetes. Gerade bei leereren Wartezimmern könne der Hausarzt es zeitlich gut managen, dass Termine eingehalten werden, sagt Hinniger. Und macht den Patienten Mut: „Auf hygienische Maßnahmen wie Sitzabstand, Händedesinfektion und Mundschutz wird in den Praxen explizit Wert gelegt.“

Und noch etwas betont der Hausarzt: „Einige Hausarzt-Praxen rufen auch von sich aus Patienten an, um in Kontakt zu bleiben, sich über den Krankheitsverlauf zu informieren und je nach Bedarf den Kranken einzubestellen. Sollten die Wartezimmer wider Erwarten gefüllt sein, werden Patienten gebeten, beim Spaziergang oder im Auto auf einen Anruf zu warten.“

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