GEFÄHRLICHE WRACKTEILE

Trümmer der Eurofighter können Krebs verursachen

Die Bundeswehr hat eine Anlaufstelle für Bürger eingerichtet, die fürchten, den Wrackteilen zu nahe gekommen zu sein. Doch wie groß ist die Gefahr wirklich?
Susann Salzmann Susann Salzmann
Förster Bodo Fischer suchte im Wald als einer der ersten nach Überlebenden der Katastrophe. Dabei kam er den Trümmern sehr nah.
Förster Bodo Fischer suchte im Wald als einer der ersten nach Überlebenden der Katastrophe. Dabei kam er den Trümmern sehr nah. Experten der Luftwaffe rückten später vorsorglich nur in speziellen Schutzanzügen an.Fotos: Christophe Gateau/Petra Konermann Petra Konermann
Nossentiner Hütte.

Nach dem Absturz zweier Eurofighter-Kampfjets bei Malchow, bei dem am 24. Juni ein Luftwaffen-Pilot gestorben war, hat die Bundeswehr inzwischen alle Wrackteile geborgen. Dabei stets zu beobachten: Die Mitarbeiter der Flugsicherheit trugen Ganzkörperschutzanzüge, als sie Felder und Wälder im Absturzgebiet nach Trümmern durchkämmten. Unklar bleibt, welche Gefahr für die Menschen besteht, die den Wrackteilen direkt nach der Katastrophe ungeschützt zu nahe gekommen sind.

Für Betroffene, dazu zählen insbesondere die Helfer der ersten Stunden nach dem Unglück, ist nun eine Beratungsstelle eingerichtet worden. Die Überwachungsstelle des Bundeswehr-Sanitätsdienstes West im rheinland-pfälzischen Koblenz soll Bürgern Fragen beantworten.
Für konkrete Aussagen fehlen Langzeitstudien

Große Teile der Eurofighter werden aus Kohlefaserverbundstoffen gebaut. Diese sind äußerst leicht und robust, können beim Verbrennen aber krebserregende Bestandteile freisetzen – und die schwirren unsichtbar und geruchlos durch die Luft. Dieser Faserstaub könnte sich in der Lunge ablagern und – ähnlich wie Asbest – krebserzeugend wirken.

Inwiefern Helfer oder „Katastrophentouristen“ der ersten Stunde nun schwere Lungenerkrankungen drohen, kann oder will die Bundeswehr nicht abschätzen. Es fehle an Langzeitstudien, heißt es. Hinzu komme, dass die Konzentration der gefährlichen Partikel in der Luft nun nicht mehr nachweisbar sei, sagt Oberstarzt Steffen Hartwig von der Überwachungsstelle.

Noch keine Krankheitssymptome bei Einsatzkräften

Gleichwohl betont die Bundeswehr nach wie vor: Wer den Wrackteilen der abgestürzten Eurofighter zu nahe kam, muss mit Gesundheitsschäden rechnen. Doch Hartwig schränkt ein: „Die Symptome sind aber wohl erst in 20, 25 Jahren zu merken.“ Er versucht zu beruhigen: Das Risiko, diese Partikel einzuatmen, habe lediglich bei denjenigen bestanden, die in weniger als 20 Metern Entfernung zu den Wrackteilen ohne Schutz gearbeitet hätten. Bislang habe noch keiner der Einsatzkräfte über gesundheitliche Einschränkungen geklagt.

Allerdings fragen sich viele Helfer von Feuerwehr und Polizei, aber auch Menschen wie Förster Bodo Fischer, der sich Minuten nach dem Absturz in „seinem“ Wald auf die Suche nach Überlebenden machte, ob man sie nicht wenigstens einmal gründlich untersuchen und gesundheitlich überwachen sollte: „Die Trümmer lagen etwa einen Meter entfernt neben mir“, sagt Förster Fischer. Bundeswehr-Arzt Hartwig hält diese Idee für wirkungslos: Auch bei einer sofortigen Untersuchung könnte weder im Blut noch in der Lunge etwas nachgewiesen werden.

 

 

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Kommentare (1)

..... werden mit dieser Aussage
" Bundeswehr-Arzt Hartwig hält diese Idee für wirkungslos: Auch bei einer sofortigen Untersuchung könnte weder im Blut noch in der Lunge etwas nachgewiesen werden."
schon jetzt abgewiesen.
Dabei soll doch jeder die Hilfe leisten die ihm möglich ist.
Hier stiehlt sich die Bundesrepublik aus ihrer Verantwortung. Wie will ein Helfer nachweisen, das eine Krankheit nach Jahren auf dieses Ereignis zurück zu führen ist. Das ist praktisch unmöglich. Die Helfer jedoch hätten es verdient.
Da fällt mir ein Spruch ein den mir vor vielen Jahren mal ein älterer Herr sagte: Lieber ein lebender Feigling als ein toter Held.