LEHRLINGSMANGEL

Über 3.800 Ausbildungsplätze in MV unbesetzt

Zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres ist die Zahl offener Ausbildungsstellen in MV erneut gestiegen. Nach Erhebungen der Arbeitsagentur kommen auf jeden Bewerber zwei Angebote.
dpa
Am größten ist der Lehrlingsmangel in der Gastronomie und dem Handel.
Am größten ist der Lehrlingsmangel in der Gastronomie und dem Handel. Jens Büttner
Kiel.

Zum Start des neuen Ausbildungsjahres Anfang September sind in Mecklenburg-Vorpommern erneut Hunderte Betriebe und Institutionen noch auf der Suche nach Lehrlingen. Wie aus einer Erhebung der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit hervorgeht, sind 3867 Ausbildungsplätze im Land unbesetzt. Damit nahm die Zahl offener Stellen wie schon in den Vorjahren zu, dieses Mal um 5,3 Prozent. Demgegenüber wies die Statistik noch 1706 unversorgte Bewerber aus. Das waren 9,1 Prozent weniger als im Vorjahr.

Mehr junge Menschen wollen studieren

Die wachsende Diskrepanz ist Folge der demografischen Entwicklung und des gestiegenen Fachkräftebedarfs dank zunehmender Wirtschaftskraft. Während 1999 in Mecklenburg-Vorpommern noch 27.000 Jugendliche die Schule abschlossen, waren es 2019 nur etwa 13 000. Die Situation wird noch verschärft durch den gestiegenen Anteil an Abiturienten. Während vor 20 Jahren 23 Prozent der Schüler die Hochschulreife erlangten und danach meist an die Universitäten strebten, liegt der Anteil inzwischen bei 33 Prozent.

2017 war zum ersten Mal seit 20 Jahren die Zahl der Auszubildenden in Mecklenburg-Vorpommern wieder leicht gestiegen. Das Statistische Amt in Schwerin registrierte landesweit 19.303 Jugendliche in einer dualen Ausbildung mit betrieblicher Praxis. Das waren 315 mehr als 2016. Wie die Behörde jetzt mitteilte, setzte sich der Trend im Vorjahr fort. Demnach absolvierten Ende vergangenen Jahres 19.624 Jugendliche eine duale, in der Regel dreijährige Ausbildung. Das waren 321 oder zwei Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Laut Statistikamt meldeten nach den Handwerkskammern erstmals seit 2004 auch die drei Industrie- und Handelskammern im Land wieder mehr Auszubildende.

Besonders Gastronomie und Handel betroffen

Dennoch konnte der Bedarf der Unternehmen bei weitem nicht gedeckt werden. Wie im Vorjahr blieben auch zu Beginn des neuen Lehrjahres vor allem in der Gastronomie und im Handel viele Stellen unbesetzt. Laut Arbeitsagentur werden unter anderem noch 255 Verkäufer, 244 Köche, 229 Einzelhandelskaufleute, 223 Restaurantfachleute und 196 Hotelfachleute gesucht. Doch auch in den Branchen Elektronik, Gebäudetechnik und Sanitär-/Klimatechnik seien jeweils noch mehr als 100 Lehrstellen offen. Im Vorjahr waren laut Arbeitsagentur knapp 1500 Stellen gänzlich unbesetzt geblieben, bei 474 unversorgten Bewerbern.

Nach den Worten von Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesarbeitsagentur in Kiel, hat sich der Lehrstellenmarkt im Nordosten in den vergangenen Jahren drastisch gewandelt. Nicht mehr der Unternehmer, sondern der Bewerber habe in der Regel die Wahl. Haupt-Koopmann appellierte an die Unternehmer, keinen Ausbildungsplatz unbesetzt zu lassen. «Geben Sie auch vermeintlich schwächeren Bewerberinnen und Bewerbern eine Chance», sagte sie. Insbesondere kleinere Betriebe könnten auch finanzielle Hilfen erhalten, wenn sie «Jugendlichen mit Ecken und Kanten eine betriebliche Ausbildungschance geben».

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