Corona und Tourismus

Über allem schwebt die Angst vor dem nächsten Lockdown

Die Tourismus-Branche in MV ist gespalten. Auch wenn mancher die aktuellen Regeln für „absurd“ hält, werden sie in Kauf genommen –Hauptsache, nicht wieder alles dichtmachen!
Die Tourismusbranche sieht die 2G-Regel zwar mitunter als lästig und unangenehm an, aber versucht sie als kleineres &Uuml
Die Tourismusbranche sieht die 2G-Regel zwar mitunter als lästig und unangenehm an, aber versucht sie als kleineres Übel zu nehmen. Denn die Sorge, dass es erneut zu Schließungen kommt, ist viel größer. © Halfpoint - stock.adobe.com
Die Hotels und Restaurants in Mecklenburg-Vorpommern müssen sich darauf einrichten, den Impfstatus der Besucher abzufrage
Die Hotels und Restaurants in Mecklenburg-Vorpommern müssen sich darauf einrichten, den Impfstatus der Besucher abzufragen. Stefan Sauer
Wer seinen Impfausweis heutzutage nicht dabei hat hat es schwer bewirtet zu werden. Foto: dpa
Wer seinen Impfausweis heutzutage nicht dabei hat hat es schwer bewirtet zu werden. Foto: dpa Stefan Sauer
Klink

So wie diese Corona-Krise generell polarisiert, sind auch die Lager in der Tourismusbranche geteilt. Die einen finden die 2G-Regelung, also dass nur gegen Covid19-Geimpfte oder von Corona genesene Menschen zugelassen sind, richtig. Es müsse alles getan werden, um die Gesundheit von Gästen und Mitarbeitern zu schützen, gleichzeitig aber auch um die Wirtschaftlichkeit aufrechtzuerhalten. Diese Einschätzung gibt zumindest Tobias Woitendorf, Geschäftsführer des Landestourismusverbandes, zum aktuellen Stimmungsbarometer innerhalb der Branche wieder.

Etliche Gäste fühlen sich mit 2G sogar sicherer

„Die meisten sind froh, wenn dadurch das Weihnachts- und Silvestergeschäft weiter betrieben werden könnte. Viele Gäste fühlen sich mit strengeren Maßnahmen zudem sicherer.“ Die große Hotelgruppe Arkona etwa habe deshalb schon lange, bevor 2G aufgrund der derzeit steil steigenden Inzidenzen verpflichtend wurde, auf diese Regel umgestellt.

Die anderen innerhalb der Branche wären mit einer 3G-Regelung weiter „ganz glücklich“ gewesen, weiß Woitendorf. Bei ihnen stehe die Befürchtung im Mittelpunkt, dass die strengere 2G-Maßnahme Touristen davon abhalte anzureisen. Andererseits hätten aber auch sie die Erfahrung gemacht, dass die 3G-Regelung gar nicht so einfach umzusetzen sei: Zum einen müssten genügend Testkapazitäten vorhanden sein. Zum anderen sei eine Trennung der Gäste gemäß unterschiedlicher Maßgabe nach 2- oder 3G kaum durchführbar.

Hoteldirektor Mario Reincke vom Schlosshotel Klink beispielsweise ist es unangenehm, Gäste zu kontrollieren, die sich möglicherweise statt in den 3G- in den 2G-Bereich gesetzt haben. „Die Besucher, die sich gerade noch am gemeinsamen Frühstücksbuffet bedient und sich dann in den für 2G abgetrennten Bereich gesetzt haben, nach ihrem Impfausweis zu fragen, widerstrebt meinem Ethos als guter Gastgeber. Ich finde es außerdem absurd, einen Gast isoliert in die hinterste Ecke zu platzieren, nur weil er nicht geimpft ist“, findet Reincke. Ohnehin sei der Ton unter den Gästen rauer und aggressiver geworden, viele seien verunsichert. Um das Hin und Her zu minimieren, habe er sich daher dennoch für die einheitliche 2G-Regelung entschieden, noch bevor diese für das ganze Land verpflichtend wurde.

Tobias Woitendorf zufolge funktioniere 2G aber nur dann, wenn auch umfassend kontrolliert werde. „Sonst haben wir nichts gewonnen.“ Der Tourismusexperte appelliert eindringlich, den „solidarischen Dienst an der Gesellschaft zu tun“ und sich impfen zu lassen. Über allem schwebe die Angst vor einem weiteren Lockdown. „Dahin gehend bestehen große Befürchtungen in der Branche mit Blick auf die Nachbarländer Österreich und die Niederlande. Psychisch und monetär wäre das hier für alle eine Katastrophe.“

Appell an Politik zur weiteren Unterstützung

Der Tourismusverband mache sich auch vor diesem Hintergrund für eine Verlängerung der Überbrückungshilfen bis Ende März 2022 stark. Weiterhin plädiere man für die Möglichkeit, gegebenenfalls wieder Kurzarbeit zu beantragen. Die Unternehmen hätten bereits wieder Einbußen zu verzeichnen. Viele Gäste stornierten derzeit aus Angst ihre Buchungen. Eine Vielzahl von Hotels sei aber so kulant, die Stornierungen kostenlos zu bearbeiten, auch wenn die Gäste die erforderlichen 2G-Regeln einhalten könnten.

Aber obwohl viele Gäste das Reisen derzeit auf den Prüfstand stellen, scheint die Region nach wie vor beliebt: Vor dem Schlosshotel Schorssow beispielsweise ist der Parkplatz voll mit Wagen, deren Kennzeichen die Herkunft aus Frankfurt/Main, Köln, Hamburg, München, Hannover, Berlin verraten. Ungewöhnlich mitten im trüben November außerhalb der Ferienzeit. Wo bereits 2G-plus gilt, haben es Gäste aber schwerer reinzukommen: In der Seenplatte und in Vorpommern werden die Plätze für Schnelltests knapper.

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