Bahn-Strecken in MV

Überdurchschnittliche Versorgung mit 4G-Netz – aber was kommt im Zug an?

Die Versorgung mit schnellem Internet an Bahn-Strecken ist in MV besser als im bundesweiten Durchschnitt. Dennoch klagen Fahrgäste über abgebrochen Telefonate und lahmes Surfen.
Schwerin

Die Abdeckung mit schnellem Internet entlang der Schienenwege in Mecklenburg-Vorpommern ist leicht besser als im Bundesdurchschnitt. Von 1827 Kilometern Bahntrasse im Land seien Ende 2019 knapp 80 Kilometer nicht mit schnellem mobilen 4G-Internet (LTE) abgedeckt gewesen, teilte das Bundesverkehrsministerium in seiner Antwort auf eine FDP-Anfrage im Bundestag mit. Sie liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.

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Demnach betrug der Versorgungsgrad in Mecklenburg-Vorpommern entlang der Bahnstrecken etwa 95,6 Prozent, im gesamten Bundesgebiet waren es 95 Prozent des 40 600 Kilometer umfassenden Schienenwegenetzes.

FDP: Zahlen sind „absolutes Armutszeugnis”

Im bundesweiten Vergleich schneidet Rheinland-‎Pfalz am schlechtesten ab. Dort sind fast 10 Prozent der Schienenwege nicht mit schnellem Mobilfunk versorgt. Größere Lücken gibt es laut Bundesverkehrsministerium auch in Baden-Württemberg (8,4 Prozent), Sachsen (7,5 Prozent) und Thüringen (6,5 Prozent). Zugreisende in den Stadtstaaten ‎Berlin, Hamburg und Bremen können hingegen ungestört surfen, dort liegt die Abdeckung nach Behördenangaben bei 100 Prozent. Auch in Schleswig-Holstein ist die Abdeckung mit schnellem Mobilfunk mit 99 Prozent fast flächendeckend.

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Unterbrochene Telefonate und Surfen im Schneckentempo nerve viele Bahngäste, ‎sagte der FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst. Die Zahlen seien ein „absolutes Armutszeugnis” für die Digitalisierung in Deutschland und eine kundenfreundliche Bahn.

Milliarden Euro gegen Funklöcher

Das Bundesverkehrsministerium sieht auch die Betreiber von Schienenwegen und Bahnunternehmen in der Pflicht. Diese seien gehalten, etwa durch den Einbau von sogenannten Repeatern für eine zuverlässige Versorgung in den Zügen zu sorgen, hieß es.

Eigentlich sollen die Netzbetreiber für flächendeckenden Mobilfunkempfang in Deutschland sorgen. Um Funklöcher gerade in ländlichen Regionen zu schließen, hatte die Bundesregierung im Juni angekündigt, den Bau von Funkmasten mit 1,1 Milliarden Euro zu fördern.

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Mecklenburg-Vorpommern plant zur besseren Versorgung besonders benachteiligter Regionen ein eigenes Funkmast-Programm und will dafür 50 Millionen Euro einsetzen. Um alle Funklöcher im Nordosten zu stopfen, müssten etwa 230 weitere Funkmasten errichtet werden, hatte Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD) erklärt.

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