Die Zahl der Angriff auf IT-Systeme in Mecklenburg-Vorpommern hat zugenommen.
Die Zahl der Angriff auf IT-Systeme in Mecklenburg-Vorpommern hat zugenommen. Archiv
IT-Sicherheit

Übergriffe auf Computer-Systeme in MV legen stark zu

Die Industrie- und Handelskammern im Land sind derzeit weder per Mail noch per Telefon erreichbar. Das Landeskriminalamt hält die Lage für sehr ernst.
Neubrandenburg

Das könnte noch mal gut gegangen sein. „Wir gehen davon aus, dass uns keine Daten gestohlen wurden. Die Frühwarnsysteme haben offenbar angeschlagen”, sagt Ralf Pfoth, Vize-Hauptgeschäftsführer der IHK Neubrandenburg. Noch sei es aber zu früh für eine anschließende Bewertung, schränkt er ein. Derzeit sei der IT-Dienstleister von bundesweit 70 Kammern dabei, die Rechnersysteme zu prüfen und wieder durchzustarten.

Mehr zum Thema: Mögliche Cyberattacke auf IHK im Land

Seit Donnerstagmorgen sind die Kammern, über die Azubi-Prüfungen, Sachkundigenschulungen, berufliche Lehrgänge und Beratungen oder Existenzgründerseminare laufen, von der Außenwelt fast abgeschnitten. E-Mail und Telefon sind nicht verfügbar. Die Neubrandenburger Kammer hat auf Ihrer Homepage eine Kontaktmöglichkeit über Handy platziert und per Twitter veröffentlicht, die Kammern Rostock oder Schwerin sind nur über Facebook oder andere Kanäle erreichbar. Vieles deutet darauf hin, dass der gemeinsame IT-Dienstleister IHK-GfI Opfer einer Cyberattacke geworden ist.

Zahl der Angriffe auf hohem Niveau

Die Botschaft des MV-Landeskriminalamtes (LKA) ist eindeutig: Es sei keine Frage, ob jemand von einem Cyberangriff getroffen werde. Die Frage sei vielmehr, wann das geschehe, erklärt ein Behördensprecher. Neben der Gewährleistung der IT-Sicherheit sollten alle Firmen insbesondere darauf vorbereitet sein, was zu tun ist, wenn nichts mehr geht.

Die Zahl der Cyberübergriffe habe zwischen 2017 und 2021 mit Schwankungen annähernd auf gleich hohem Niveau gelegen. Zusätzliche Attacken vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine seien bisher nicht festgestellt worden.

Hohe Dunkelziffer

Allerdings, so die LKA-Experten, haben sich mit den Jahren die Vorgehensweisen der Angreifer verschoben. So seien in der Wirtschaft die Fallzahlen beim Ausspähen und Abfangen von Daten sowie der Datenveränderung und Computersabotage stetig steigend. Zu dieser Gruppe zählten auch die Übergriffe auf IT-Systeme.

Bei Datenveränderung sowie Computersabotage habe sich 2021 die Zahl auf 128 Fälle um 100 Prozent gegenüber 2017 erhöht. Die Fälschung beweiserheblicher Daten sowie die Täuschung im Rechtsverkehr haben den Angaben zufolge in diesem Zeitraum um mehr als ein Drittel auf 130 Fälle zugelegt. Gleichzeitig geht das LKA von einer hohen Dunkelziffer nicht erkannter oder nicht angezeigter Fälle aus.

Mehrere Vorfälle

„Der Vorfall zeigt, dass wir das Thema IT-Sicherheit in Mecklenburg-Vorpommern noch ernster nehmen müssen, sagt FDP-Fraktionschef Rene Domke unter Hinweis auf den möglichen Cyberangriff auf die Industrie- und Handelskammern. Notwendig sei im Land eine Debatte über die IT-Sicherheit.

In der Vergangenheit habe es schon mehrfach Vorfälle gegeben, bei denen auf der kommunalen Ebene die Auswirkungen teilweise immens gewesen seien. „Leider müssen wir konstatieren, dass die IT-Sicherheit vieler kommunaler Verwaltungen und kommunaler Einrichtungen in einem erschreckend unzureichenden Zustand ist und viele Kommunen nicht in der Lage sind, eigenständig die vorhandenen Lücken in ihrer IT-Infrastruktur zu schließen”, so Domke.

Mindeststandards gefordert

Die Landesregierung müsse umgehend ein eigenständiges IT-Sicherheitsgesetz vorlegen, so Domke. Darin müssten klare Mindeststandards gesetzt werden, die zeitnah durch die Kommunen umzusetzen seien. Es fehle ein Konzept, mit dem die Finanzierung der notwendigen Umsetzungsmaßnahmen unterstützt werden könne.

„Schon bei den letzten Haushaltsberatungen haben wir uns dafür eingesetzt, dass Kommunen solche Hilfen erhalten. Dafür gab es jedoch von Rot-Rot bedauerlicherweise keine Zustimmung. Hoffentlich rächt sich das nicht in der Zukunft”, warnt der FDP-Fraktionschef.

 

 

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