Ulrich Müther

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Ufo-Turm und Kurmuschel auf Rügen gerettet

Der ehemalige Rettungsturm wird ab Mai von der Gemeinde Binz für Hochzeiten und Trauungen genutzt.
Der ehemalige Rettungsturm wird ab Mai von der Gemeinde Binz für Hochzeiten und Trauungen genutzt.
Stefan Sauer

Ulrich Müthers kühn geschwungene Entwürfe sind legendär. Auch in Jordanien und Kuba findet man die Bauten. Auf der Insel Rügen wurden nun zwei Gebäude des DDR-Architekten gerettet.

Ein Musikpavillon in Muschelform, ein Rettungsturm im Ufo-Look: Zwei Bauwerke des Schalenbetonbaumeisters Ulrich Müther (1934-2007) sind auf seiner Heimatinsel Rügen vor dem Verfall bewahrt worden.

Der Rettungsturm der Binzer Strandwache mit seinen abgerundeten Kanten wurde 1981/82 erbaut, der futuristisch anmutende Musikpavillon in Sassnitz in den Jahren 1986 bis 1988. Die Wüstenrot-Stiftung stellte für die Sanierung beider Gebäude rund 700.000 Euro bereit. Die Bauten waren durch die salzhaltige Luft, Wind und Sand sowie bauphysikalische Probleme in den vergangenen Jahrzehnten stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Kühn geschwungene Entwürfe

Der in Binz geborene Bauingenieur Müther setzte der Nüchternheit des DDR-Betonplattenbaus kühn geschwungene Entwürfe entgegen. Seine gekrümmten Schalenbauwerke – sogenannte Hyparschalen – erlangten internationale Beachtung.

Müthers Konstruktionen verkörpern nach Angaben der Stiftung eine bedingungslose Moderne, mit der sich der Staat gerne repräsentiert sah. Seine Bauten stehen beispielsweise in Jordanien und Kuba oder wurden – wie das Planetarium in Wolfsburg – noch vor dem Fall der Mauer in der Bundesrepublik errichtet. Weltweit entstanden 74 Müther-Bauten. Doch einige verfielen mit der Zeit oder wurden sogar abgerissen, so das bekannte „Ahornblatt” im Jahr 2000 in Berlin.

Rettungsturm von Rügen von Schimmel bedroht

Auch die beiden Müther-Bauten auf Rügen waren stark beschädigt. Da der Rettungsturm ohne Dämmung der Betonschale erbaut worden sei, kondensierte von Beginn an im Inneren die Feuchtigkeit, es entstand Schimmel mit der Folge, dass Holzeinbauten und Oberflächenbeschichtung zerstört wurden, sagte eine Stiftungs-Sprecherin. Durch die Instandhaltungsmaßnahmen sei nun ein Klima geschaffen worden, dass den Schadenskreislauf durchbricht.

Mit der Instandsetzung des Rettungsturms und der Kurmuschel auf der Insel Rügen soll das bauliche Erbe Müthers wieder stärker in das öffentliche Bewusstsein rücken. Den einst als Experimentalbau errichteten Rettungsturm in Binz will die Gemeinde ab Mai wieder als Standesamt-Außenstelle für Hochzeiten nutzen. Er soll am Donnerstagabend feierlich übergeben werden. Auch der Musikpavillon in Sassnitz soll wieder als Veranstaltungsort für Konzerte dienen.