In Ludwigslust-Parchim soll eine Milchviehanlage mit mit bisher 590 Milchkuhplätzen und 50 Kälberplätzen zu ein
In Ludwigslust-Parchim soll eine Milchviehanlage mit mit bisher 590 Milchkuhplätzen und 50 Kälberplätzen zu einer Bullenmastanlage mit 1.117 Tierplätzen umgewandelt werden. Kristin Schmidt (Symbolbild)
Tierhaltung

Umwelt-Ärger um geplante Riesen-Kuhställe

Zwei Rinderanlagen sollen deutlich vergrößert werden. Mehr Gülle gibt es dann ebenfalls. Das zuständige Amt sieht keine Umweltprobleme, was eine Landtagsabgeordnete scharf kritisiert.
Schwerin

In Mecklenburg plant der Betreiber einer Milchviehanlage einen Stall-Umbau inklusive deutlicher Vergrößerung. Wie das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) mitteilt, soll die Anlage in Neu Jabel (Ludwigslust-Parchim) „mit bisher 590 Milchkuhplätzen und 50 Kälberplätzen zu einer Bullenmastanlage mit 1.117 Tierplätzen” umgewandelt werden.

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Dafür soll den Angaben zufolge auch ein Güllelager mehr als verdoppelt werden. „In diesem Zusammenhang erhöhen sich die Lagerkapazitäten für Gülle/Gärrest von 6.536 m3 auf 14.250 m3.”, heißt es in einer Bekanntmachung vom Montag.

Dennoch heißt es vom Stalu als zuständige Genehmigungsbehörde für den Umbau, „dass eine Umweltverträglichkeitsprüfung nicht erforderlich ist.” Erhebliche Auswirkungen für Mensch und Umwelt könnten „auf Grundlage der Emissions- und Immissionsprognosen ausgeschlossen werden”, lautet die Begründung. Im Gegenteil: „Der Zustand verbessert sich gegenüber der Ausgangssituation”, so das Stalu.

Eine Beurteilung, die Anne Shepley, stellvertretende Fraktionschefin der Grünen im Schweriner Landtag und tierschutzpolitische Sprecherin ihrer Fraktion, mit Blick auf das Grundwasser nicht nachvollziehen kann. Shepley bemängelt, trotz bekannter Probleme ändere sich offenbar nichts in den Genehmigungsverfahren. „Seit Jahren lesen wir in allen Fachberichten, dass die intensive Landwirtschaft Hauptursache für die Belastung des Grundwassers und der Oberflächengewässer mit Schadstoffen ist. Und trotzdem werden übergroße Tierställe mit riesigen Güllemengen selbst in die sogenannten roten Gebiete gebaut”, teilt die Grünen-Politikerin mit.

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Vor der Bekanntmachung am Montag hatte das Stalu Anfang September über ähnliche Umbau- und Erweiterungspläne in Brüsewitz (Nordwestmecklenburg) informiert. Dort soll den Angaben zufolge eine Milchviehanlage mit „591 Milchkühen, 422 Jungrindern und 180 Kälbern auf 1.181 Milchkühe und 402 Kälber mit entsprechend umfangreicher Sanierung der bestehenden Stallanlagen, Stilllegung und Neubau” erweitert werden.

Auch in diesem Fall war die Behörde zu dem Schluss gekommen, eine Umweltverträglichkeitsprüfung ist nicht notwendig. Mit Blick auf mögliche nachteilige Auswirkungen des Umbaus " auf geschützte Biotope sowie durch Geruchs-, Lärm-, Staubemissionen und Bioaerosole” sei keine Erheblichkeit festgestellt worden, so die Begründung.

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„Landwirtschaftsminister Till Backhaus muss die Frage beantworten, wie er die Reduzierung der Nitratbelastung nachhaltig in den Griff bekommen möchte, wenn Rinderställe mit 1000 und mehr Tieren dort genehmigt werden, wo die Nitratwerte im Grundwasser dauerhaft über 50 Milligramm pro Liter liegen“, kritisiert Anne Shepley.

Nach dem Großbrand einer Ferkelzuchtanlage in Alt Tellin bei dem zehntausende Tiere Ende März vergangenen Jahres starben, hatte Till Backhaus bei einer Pressekonferenz kurz vor dem Jahrestag der Katastrophe gesagt, „Der Brand hat uns auf dramatische Weise vor Augen geführt, dass industrielle Tierhaltungsanlagen wie in Alt Tellin nicht in unser Land und nicht in diese Zeit passen. Dieser Auffassung bin ich nach wie vor.“ Für Anne Shepley zeigen die aktuellen Genehmigungsverfahren jedoch, ein wirkliches Umdenken hat es im Bereich der Nutztierhaltung nicht gegeben.

 

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