Wie auf diesem Bild vom Stadthafen in Waren sieht es bei vielen Restaurantbetrieben aus. Die Gastro- und Hotelbranche der Seen
Wie auf diesem Bild vom Stadthafen in Waren sieht es bei vielen Restaurantbetrieben aus. Die Gastro- und Hotelbranche der Seenplatte richtet deshalb einen Forderungskatalog an die Politik. Bernd Wüstneck
Tourismus und Corona

Urlaub 2022 in MV – Wohin soll die Reise gehen?

Das neue Jahr beginnt in der Seenplatte wieder mal mit einer Tourismus-Flaute. In einem Schreiben an die Politik fordern Branchenvertreter deshalb verlässliche Regeln.
Rostock

Alles auf Rot! So steht es gleich zu Jahresbeginn um den Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern. Zum 10. Januar hatte die Landesregierung umfassende Schließungen von Freizeiteinrichtungen und weitere massive Einschränkungen verkündet, ab diesem Zeitpunkt galt für ganz MV die Corona-Ampel Rot. In der Seenplatte war dies schon länger der Fall, das öffentliche Leben war dort längst wieder auf Sparflamme gesetzt worden.

Lars Schwarz als Präsident des Landesverbandes des Hotels und Gaststättengewerbes (Dehoga), weiß: Fast die Hälfte aller Tourismusbetriebe sieht die eigene unternehmerische Existenz sowie den Erhalt der Arbeitsplätze akut gefährdet. Viele müssen deshalb zunächst weiter auf staatliche Hilfe setzen. „Zum Januar haben 30 Prozent der Unternehmen noch einmal Kurzarbeit für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beantragt“, erklärt Schwarz.

Fast Hälfte der Betriebe sieht sich in Existenznot

Auch beim Blick in die Zukunft herrsche in der Branche derzeit wenig wenig Optimismus. Rund 81 Prozent starten in das neue Kalenderjahr verhalten bis pessimistisch. Gründe seien die fehlende Nachfrage, Einschränkungen durch Verordnungen wie die 2G-Plus Regel und mangelnde Veranstaltungsangebote.

Dehoga-Vertreter der Seenplatte haben deshalb eine Forderungsliste mit acht Punkten erarbeitet, um die Politik damit zu konfrontieren. Sie mahnen unter anderem dringend mildere Zutrittsbeschränkungen etwa für Restaurantbesuche an. 2G-Plus sei zu einschneidend und rechne sich für die Unternehmer oftmals nicht, sagt Sandra Kallisch-Puchelt in ihrer Funktion als Vorsitzende des Dehoga-Regionalverbandes Mecklenburgische Seenplatte. „2G ist das Höchste der Gefühle, was den Besuchern beim Essengehen zuzumuten ist; noch besser wäre 3G für Gäste.“

Branche wehrt sich: Sind keine Pandemie-Treiber“

Niemand unterschätze Corona oder die Omikron-Welle, „aber wir haben in den letzten zwei Jahren gezeigt, dass wir Hygienekonzepte gut umsetzen können. Wir möchten endlich das Vertrauen der Politik“, richtet Sandra Kallisch-Puchelt ihre Worte an Land und Bund. Kritische Töne erklingen auch wegen der Bemerkung des SPD-Gesundheitsministers Karl Lauterbach. Dieser betrachtet die Gastronomie angesichts hoher Neuinfektionszahlen als „Problembereich“, in dem der Gast teils stundenlang ohne Maske sitze. Doch das Schreckensszenario der Gastronomie als Pandemietreiber teilt weder Sandra Kallisch-Puchelt noch der Dehoga MV. Im Gegenteil: Von Anfang an wehrten sich Verbandsmitglieder gegen den Stempel als „Pandemie-Treiber“.

„Desto länger wir geschlossen bleiben, desto mehr wird privat gefeiert, wo vielleicht nicht auf Abstand, Hygiene und Kontaktnachverfolgung geachtet wird“, sagt die Regional-Vorsitzende. Die Forderung lautet daher: Verlässliche Corona-Regelungen, die unter Beachtung des medizinisch Notwendigen ein Arbeiten und Wirtschaften ermöglichen. Und es dürfe zu keinem Wettbewerbsnachteil für MV-Betriebe im Vergleich zu anderen Bundesländern kommen.

Kurzarbeit bringt Sorgen

Die 2G-(Plus)-Bedingungen würden wie ein versteckter Lockdown wirken. Schließungen trotz 2G könne sie verstehen, sagt Kallisch-Puchelt. „In meinen Augen wäre testen, testen, testen das Wichtigste“, findet sie.

Zusätzlich zu den Unwägbarkeiten der Corona-Pandemie treiben die Kurzarbeiterregelungen die Sorgenfalten auf die Stirn der Unternehmen. Denn seit Januar übernehme die Arbeitsagentur nicht mehr 100 Prozent der Sozialversicherungsbeiträge für Mitarbeiter in Kurzarbeit. Die Hälfte muss der Arbeitgeber zahlen. Der Dehoga fordert daher auch das vollständige Zahlen der SV-Beiträge sowie ein Kurzarbeitergeld-Niveau von 80/87 Prozent des Netto-Entgeltes.

Hoffnung richtet sich auf Ostergeschäft

Wieder einmal trage das Hotel- und Gastgewerbe die Hauptlast der Pandemie, so Kallisch-Puchelt. Dafür fordert der Verband weitere Unterstützungshilfen und in allererster Linie kürzere Bearbeitungszeiten bei den Wirtschaftshilfen. Es gebe Unternehmen, die Hilfen bis zur Jahresmitte 2021 beantragt haben und noch immer kein Geld ausgezahlt bekommen hätten.

Wie Tobias Woitendorf, Geschäftsführer des Landestourismusverbandes ausführt, würden sich die Unsicherheiten unter anderem in einem sehr zurückhaltenden Buchungsverhalten der Urlauber für die Winterferien spiegeln. Die Branche hofft daher stark auf Ostern: Dass mit dem Fest des Frühlings der Höhepunkt der Pandemie vorbei und damit mehr Reisefreiheit möglich sein wird – zur weiteren Sicherheit bevorzugt unter 3G-Regeln.

 

Corona-Update per Mail

Der regelmäßige Überblick über die Fallzahlen, aktuellen Regelungen und neuen Entwicklungen rund um das Corona-Virus in Mecklenburg, Vorpommern und der Uckermark. Jetzt kostenfrei anmelden!

zur Homepage