Stress auf der Ferieninsel

Urlauber und Einheimische versinken im Chaos wegen Baustellen auf Usedom

Gleich an mehreren Stellen wird auf der Insel gebaut. Umleitungen sind ausgeschildert. Trotzdem gibt es immer wieder Staus und Stress, denn nicht jeder hält sich an die Verkehrsregeln.
An mehreren Baustellen auf Usedom kommt es derzeit immer wieder zu Stau, hier kurz vor Wolgast.
An mehreren Baustellen auf Usedom kommt es derzeit immer wieder zu Stau, hier kurz vor Wolgast. Kai Ottenbreit
Wer sich auf Usedom mit dem Auto vorwärts bewegen möchte, muss mit Wartezeiten rechnen, hier bei Zinnowitz.
Wer sich auf Usedom mit dem Auto vorwärts bewegen möchte, muss mit Wartezeiten rechnen, hier bei Zinnowitz. Kai Ottenbreit
An dieser Kreuzung bei Schalense ist das Chaos meist perfekt.
An dieser Kreuzung bei Schalense ist das Chaos meist perfekt. Kai Ottenbreit
Usedom

Urlaub auf der Insel Usedom könnte so herrlich sein. Wenn nicht, wie zur Zeit, gleich auf mehreren Straßenabschnitten gebaut würde. Einwohner, Berufspendler, Lieferanten und auch Touristen müssen sich auch noch in den nächsten Wochen auf erhebliche Einschränkungen für den Auto- und Busverkehr einstellen. Besonders schwer wird es für die Rettungskräfte, die aufgrund der immer noch sehr hohen Anzahl an Urlaubern jeden Tag rund um die Uhr viel zu tun haben. Dass aktuell viel gebaut wird und wie sie die Baustellen am besten umfahren, haben viele Urlauber gar nicht mitbekommen. So passierte es in dieser Woche schon mehrfach auf der Bundesstraße 110 vor der Baustelle zwischen Mellenthin und Stadt Usedom, dass viele Touristen und auch Einheimische dort wenden mussten und plötzlich nicht mehr weiter wussten.

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Einer von ihnen war Martin Ritter. „Zwischen Suckow und Morgenitz, der Umleitung für die Baustelle auf der B 110, war es nur noch eine reine Schlammschlacht. Busse, Lastkraftwagen alles fährt oder besser kriecht dort lang. Es ist wirklich nicht mehr schön, was uns hier auf der Insel zugemutet wird. Man kann auf dieser Umgehungsstrecke noch nicht einmal ausweichen, weil man sonst im Schlamm stecken bleiben würde.”

Am Grenzübergang bei Garz ist Geduld gefragt

Ähnliche Zustände herrschen auf der Bundesstraße 111 am Grenzübergang Garz-Swinemünde. Urlauber, die nicht auf die Verkehrsschilder achten, stehen plötzlich vor einer Straßensperre. Vergeblich versuchen sie dann trotzdem irgendwie bei Garz über die Grenze zu kommen. Die Stadt Swinoujscie bittet um Verständnis und um noch etwas Geduld. Bis Ende November 2021 ist das Überqueren des Grenzüberganges Swinemünde-Garz wieder uneingeschränkt möglich. Die weiteren Bauabschnitte der Modernisierung der Grunwaldska Straße, also im Bereich der Krzywa- und der Wielkopolska-Straße, sollen dann im Januar 2022 für den Verkehr wieder freigegeben werden, informiert die Stadtverwaltung Swinoujscie. Dort werden das Abwassersystem und das Abwasserentsorgugsnetz erneuert. Der Auftragnehmer beginnt bereits mit den Arbeiten, auf dem Abschnitt zwischen den Seitenstraßen Krzywa und Wielkopolska. Es kann bis zu vier Wochen dauern, bis dort die neuen Sanitär- und Regenwasserrohre verlegt sind.

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„Diese Arbeiten sind nicht einfach, weil die alten Sanitär- und Wasserleitungen sehr tief liegen. An manchen Stellen liegen diese alten Rohre bis zu fünf Meter tief. Deshalb bitten wir die Bewohner um Verständnis und Geduld. Wir tun alles, um diese Arbeiten so schnell wie möglich abzuschließen," sagte Bauleiter Mariusz J. Jazdewski. Wenn die Witterung es zulässt, plant der Auftragnehmer noch Mitte November 2021 die ersten Asphaltschichten auf die Straße aufzutragen. „Und auch wenn es wetterbedingt nicht möglich ist, werden wir diesen Abschnitt ausreichend vorbereiten, um ihn befahrbar zu machen”, sagt der Bauleiter. Die Umleitung führt vom Stadtzentrum durch die Straßen Karsiborska und Nowokarsiborska und von der Krzywa-Straße durch die Wielkopolska-Straße. Die Ausschilderung ist übersichtlich und auch für deutsche Besucher verständlich. Derzeit wird auch eine neue Fahrtroute für die Linienbusse in Swinemünde ausgearbeitet.

Auch bei Zinnowitz stockt der Verkehr

Stockend geht es indes auch zwischen Zinnowitz und Trassenheide voran. Die B 111 war in den vergangenen Tagen sowohl im Kreuzungsbereich Mölschow/ B 111/Krummin – der Umgehung der Baustelle bei Trassenheide – sowie beim Kreuzungsbereich Zinnowitz/B 111/Neuendorf in beiden Fahrtrichtungen teilweise komplett verstopft. Es staute sich tagsüber und besonders um die Feierabendzeit bis zu einer Länge von 15 Kilometern. Selbst auf einem bei Ortsansässigen bekannten Schleichweg auf der Zeltplatzstrasse bei Trassenheide in Richtung Zinnowitz staute es sich immer wieder mitten im Wald. Die Rettungsfahrzeuge befahren jetzt schon die Einbahnstraßen in entgegengesetzter Richtung, da die B 111 immer wieder komplett dicht ist und oft Fahrzeugführer im Stau weit in der Straßenmitte stehen. Somit gerade auf der Insel so dringend benötigte Rettungsgasse wird oft nicht eingehalten.

Pkw-Fahrerin Corinna Köppl hatte schon häufiger das zweifelhafte Vergnügen im Stau. „Ich hätte doch lieber Urlaub beantragen sollen, von Zempin bis Bannemin schon mal 31 Minuten, das ist nach dem Frühdienst echt fies”, berichtet sie. „Ich fahre die Strecke von Grimmen bis nach Zempin wirklich schon sieben Jahre immer hin und wieder zurück, aber sowas wie zur Zeit habe ich noch nie erlebt. Zum einen war ich sehr erschrocken, wie gleichgültig manche Autofahrer sind und dazu noch diese Halbstarken, die ernsthaft denken, mit ein paar PS mehr könnten sie dem Stau entfliehen. Die haben im Stau überholt und sich dann riskant rein gedrängt.” Ähnlich erging es Heike Fuchs: „Ich hatte einen wichtigen Termin in Greifswald und komme aus Ahlbeck. Ich hatte heute im stillen den Lockdown schon zurückgewünscht.”

Vor Wolgast staut es sich ebenfalls

Abenteuerlich geht es auch an der Baustellen-Ampel an der Ziese-Brücke zu. In den vergangenen Tagen gab es auf der B 111 vor Wolgast wiederholt Verkehrschaos. Dazu kommt noch die Sperrung auf der B 110, so dass es sich zu Wochenbeginn bis in den Wald der Sinne vor Lühmannsdorf staute. Wer versuchte, über Pritzier abzukürzen, landete in Schalense aber plötzlich wieder an der Baustelle. Manche stellten sich sogar in die verkehrte Spur, denn der Abzweig von der B 111 nach Schalense ist eine Einbahnstraße. Ricarda Köster hat das miterlebt. „Also das war heute wirklich der Wahnsinn, gerade dieser Kreuzungsbereich bei Schalense, das war wirklich wie in einem schlechten Film. Von Lühmannsdorf bis Zinnowitz brauchte ich tatsächlich eineinhalb Stunden.”

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